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Gratis-Internet in Deutschland bleibt Seltenheit

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25.02.2012

Kostenloses WLAN Gratis-Internet in Deutschland bleibt Seltenheit

Nur wenige Städte haben entsprechende Pläne – Unna ist Vorreiter.

Berlin/Unna – Der freie, kostenlose Zugang zum Internet bleibt in deutschen Verkehrsmitteln eine Rarität. Hierzulande gibt es nur wenige Initiativen, die Usern diesen Service ermöglichen, wie eine dapd-Umfrage ergab. Nur im Kreis Unna bietet die Verkehrsgemeinschaft VKU seit September 2011 in einer Schnellbuslinie zwischen Hamm und Dortmund kostenloses WLAN an. „Als erstes Nahverkehrsunternehmen in Deutschland“, wie VKU stolz verkündete.

Demnächst könnte auch Frankfurt am Main Gratis-Internet in Bahnen und Bussen anbieten. Die Nahverkehrsgesellschaft „traffiq“ teilte mit, dass alle Neufahrzeuge mit WLAN-Technik ausgestattet seien. Diese solle zunächst für „betriebsinterne Zwecke“ genutzt werden. Der nächste Schritt könne sein, „den Fahrgästen den Zugang zu erleichtern“, sagte ein Sprecher. Zunächst sollen aber die Erfahrungen aus anderen Städten abgewartet werden.

Die BVG in Berlin gab an, man habe „über das Thema WLAN immer mal wieder nachgedacht“ sehe aber noch „technische Hürden“. Auch in Hamburg haben weder Verkehrsverbund noch Hochbahn Vorhaben für Gratis-Internet. In der Schweiz dagegen steht in den Straßenbahnen der Baselland Transport AG seit zwei Wochen WLAN kostenlos zur Verfügung, und jeder kann sich mit Mobilgerät einloggen.

Dresden, Erfurt, Stuttgart, Karlsruhe, Köln, Düsseldorf oder Kiel – nirgendwo gibt es entsprechende Pläne. Hannovers stadteigenen Verkehrsbetriebe „üstra“ argumentierten: Um Internet müsse man sich nicht kümmern, da Smartphone-Nutzer meist über eine Flatrate verfügten und sowohl über- als auch unterirdisch in den U-Bahnen genügend Netzempfang hätten, sagte ein Sprecher.

Bei der Deutschen Bahn (DB) verwies ein Sprecher auf die ICE-Flotte. Bis Ende 2014 werde diese komplett ausgerüstet sein für das mobile und drahtlose Internet. Kleiner Haken: Kostenlos wird das nur für Telekom-Kunden, die den sogenannten „Hotspot“-Service gebucht haben. Alle anderen müssen für den WLAN-Zugang bezahlen.

Und bisher sind nur 1.500 der 5.200 Kilometer des ICE-Kernnetzes reif für das schnelle Internet unterwegs. Im DB-Nahverkehr, zu dem auch die S-Bahnen in Großstädten gehören, hingegen gilt in Sachen WLAN „Fehlanzeige“. „Es gibt Überlegungen für ein Pilotprojekt“, sagte der Sprecher, „aber noch ist nichts spruchreif“.

In der deutschen Hauptstadt kündigte Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in seiner Regierungserklärung im Januar an, das Berliner Zentrum mit gebührenfreiem WLAN auszustatten. Als Kooperationspartner soll Motorola im Gespräch sein. Nur postieren sich im Hintergrund bereits die großen Internet-Anbieter, die bei Gratis-Konkurrenz um ihre Einnahmen bangen.

„Im Internet ist Deutschland nur Mittelmaß“, fasste die „F.A.Z.“ in ihrem Online-Blog „Netzökonom“ vor Weihnachten die Situation zusammen. Ob Mobilnutzung oder Breitbandversorgung – immer sind Länder wie Italien, Großbritannien, Dänemark oder Schweden schon dort, wo Wirtschaftsexperten die Bundesrepublik gern sehen würden.

In London etwa wollen im Hinblick auf Olympia und das Thronjubiläum die Mobilfunkfirma O2 und die Bezirke Westminster, Kensington und Chelsea bis Sommer Europas größtes kostenloses WLAN-Netz errichten. Bis zu 500 Millionen Pfund will das Unternehmen dafür ausgeben und verspricht sich im Gegenzug Werbewirkung.

Selbst im kleinen Estland etwa treiben die Regierungen seit 1997 kostenlose WLAN-Netze voran. „Tigersprung“ nannte man dort das Programm, mit dem Zukunftsfähigkeit garantiert werden soll, und wirbt seitdem auch bei Touristen für „E-stonia“. In Deutschland hingegen müssen die Internetnutzer weiter auf Privatinitiativen hoffen. Denn viele Cafés und Bars bieten das kostenlose WLAN-Netz schon längst an.

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