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Grass-Gegner kritisieren Israel

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10.04.2012

Einreiseverbot Grass-Gegner kritisieren Israel

Einreiseverbot „überflüssig“- SPD-Politiker rücken vom Schriftsteller ab.

Berlin – Von „absurd“ bis „blödsinnig“: Selbst Kritiker von Günter Grass halten das von Israel gegen ihn verhängte Einreiseverbot für falsch. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) verteidigte die Maßnahme dagegen und verwies auf die frühere SS-Mitgliedschaft von Grass. Unterdessen rücken führende SPD-Politiker von dem Literaturnobelpreisträger ab, der die Genossen jahrzehntelang immer wieder bei Wahlkämpfen unterstützt hatte.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, hält das Einreiseverbot für überflüssig. Dass Israels Regierung Grass „den größten Gefallen tut und so viel Aufmerksamkeit angedeihen lässt“, lenke die Diskussion in eine falsche Richtung und werte den Schriftsteller unnötig auf, sagte Stein der Berliner Tageszeitung „B.Z.“.

In seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ hatte Grass dem jüdischen Staat vorgeworfen, einen Atomschlag gegen den Iran zu planen. Daraufhin erklärte ihn die israelische Regierung am Wochenende zur unerwünschten Person.

Der israelische Autor Uri Avnery sagte der Hannoverschen „Neuen Presse“, den Schriftsteller „zur Persona non grata zu erklären, ist völliger Blödsinn – schon allein deswegen, weil Günter Grass gar nicht den Plan hat, hierher zu kommen“. Im Übrigen sei dessen Gedicht nicht antisemitisch. „Es ist antisemitisch, darauf zu bestehen, dass Israel in Deutschland nicht kritisiert werden darf“, sagte Avnery. Er nannte es „völlig unnötigen politischen Krawall“, dass Deutsche und Israelis jetzt darum wetteiferten, „wer kann Grass mehr beschimpfen, und wer findet extremere Ausdrücke für ihn“.

Entwicklungsminister Niebel entgegnete: „Auch wenn manche Leute glauben, Einreiseverbote würden nichts bringen, bin ich der Ansicht: Israel hat jedes Recht der Welt, ehemalige SS-Leute nicht ins eigene Land zu lassen.“ Allerdings nützten „schrille Worte keiner Seite“, schränkte er in der „Leipziger Volkszeitung“ (Mittwochausgabe) ein.

„Machwerk eines alten Mannes“

Unterdessen mehren sich auch bei den Sozialdemokraten die kritischen Stimmen über den Autor. „Mit Günter Grass’ sogenanntem Gedicht hat sich die Frage von künftigen Wahlkampfunterstützungen für die SPD erledigt“, sagte der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Christian Lange der Tageszeitung „Die Welt“.

Auch der SPD-Politiker Reinhold Robbe sagte dem Blatt: „Ich möchte Grass nicht mehr in einem Wahlkampf für die SPD erleben.“ Sein Gedicht sei das „Machwerk eines alten Mannes, der offensichtlich unter Realitätsverlust leidet“. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft urteilte über Grass: „Seine Zeit ist einfach vorbei.“

Hamburgs früherer Bürgermeister Hans-Ulrich Klose sagte dem „Hamburger Abendblatt“, Grass zeige mit dem Gedicht, dass er nichts verstanden habe vom Konflikt zwischen Israel und dem Iran. „Ob Grass bei der Bundestagswahl 2013 für die SPD werben soll, ist nicht meine Baustelle. Ich würde es nicht tun, aber da ist vor allem der Vorsitzende Sigmar Gabriel gefordert“, fügte der SPD-Außenpolitiker hinzu.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse wies die Äußerungen, dass Grass nicht mehr Wahlkampf für die SPD machen könne, als voreilig zurück. „Ich glaube nicht, dass sich die Frage überhaupt stellt“, sagte Thierse im Deutschlandfunk. Er halte nichts davon, dass nun auch die SPD Grass zu einer „Persona non grata“ erkläre. Es sei „fatal“, den Schriftsteller als Antisemiten abzustempeln, „nur weil er kritisierenswerte Ansichten vertreten hat“. Man sollte mit Grass in der Sache streiten, ihn aber nicht als Person diskreditieren.

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