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Gorch-Fock-Kommandeur darf nicht wieder an Bord

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22.06.2011

Gorch Fock Gorch-Fock-Kommandeur darf nicht wieder an Bord

Kiel – Der tödliche Unfall auf dem Segelschulschiff Gorch Fock wird härtere Konsequenzen für den seinerzeit amtierenden Kommandanten haben als bisher bekannt. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ wird der Kapitän zur See, der seit fünf Monaten vorübergehend von seinen Pflichten entbunden ist, voraussichtlich nicht wieder das Kommando über die Gorch Fock erhalten. Die Havariekommission, die den Unfallhergang und die Ursache für den tödlichen Sturz einer 25-jährigen Offiziersanwärterin aus der Tagelage klären sollte, hat demnach nach festgestellt, dass an jenem 7. November 2010 an Bord zu Fehlverhalten an Bord gekommen war und dies auch der Schiffsführung anzulasten ist. Ob dies auch disziplinarrechtliche Folgen für den Kommandanten haben wird, steht noch nicht fest. Darüber wird der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, letztlich entscheiden. Nach Informationen der „Welt“ wird er noch vor der parlamentarischen Sommerpause den Verteidigungsausschuss über sein weiteres Vorgehen informieren.

Die 25 Jahre alte Offiziersanwärterin Sarah S. war im November im Hafen von Salvador de Bahia in Brasilien nach mehrmaligem Aufentern aus der Takelage gestürzt und an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben. Die Staatsanwaltschaft schickte daraufhin sofort Ermittlungsbeamte auf die Gorch Fock, die Marine ihren Havariebeauftragten. Eine weitere Kommission wurde eingesetzt, nachdem der Wehrbeauftragte von Vorwürfen einiger Kadetten berichtet hatte, sie würden an Bord unnötig gedrillt und schikaniert. Der Bericht dieser Kommission, der selbst bundeswehrintern auf Kritik stieß, wird nun ebenfalls in eine Gesamtbewertung einfließen. „Wie bereits angekündigt, wird das Ministerium nach dem Ende aller Ermittlungen einen umfassenden Abschlussbericht verfassen und veröffentlichen“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière der „Welt“.

Davon unabhängig werde bis Ende Juli eine weitere Kommission unter Leitung des Historikers Reiner Pommerin ihre Empfehlungen zur zukünftigen Ausgestaltung der seemännischen Basisausbildung in der Marine vorlegen. „Wenn man nach Abschluss aller Untersuchungen und Empfehlungen zu dem Schluss kommt, dass es für junge zukünftige Marineoffiziere auch heute in einer hochtechnisierten Marine wichtig ist, diese Form von Seefahrt, Teamwork und den Umgang mit den Naturgewalten auf einem Segelschulschiff zu erfahren, dann bleiben wir dabei“, sagte de Maizière weiter. Die Frage laute nun: „Bekommt man durch die Ausbildung ein geeignetes Werkzeug, mit dem man in seinem ganzem Berufsleben später gut zurecht kommt?“ Allein zu sagen „das war ganz nett“, sei nicht genug, betonte der Minister. „Nostalgie reicht nicht.“

De Maizière wird den Fall „Gorch Fock“ – anders als sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nicht mehr als Chefsache behandeln. „Das Ergebnis wird sicherlich mit mir besprochen werden“, sagte de Maizière der „Welt“. „Aber so etwas ist typischerweise eine Entscheidung der zuständigen Vorgesetzten. Und ich vermute, mein Vorgänger hätte das auch so entschieden, wenn wir nicht diese Bündelung an Vorwürfen gehabt hätten.“

De Maizière wies auf die „gestaffelte Verantwortung“ und das Prinzip „Führen mit Auftrag“ in den Streitkräften hin. „Eine Praxis in der Bundeswehr insgesamt ist es – und zwar nicht erst seit 15 Monaten – dass, wenn irgendetwas passiert, dies nach oben gemeldet wird und irgendwann landet es dann beim Minister“, erklärte de Maizière. Das sei nicht zielführend in dieser „Riesenorganisation“.

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