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„Glückliche Besucher sind unser Ziel

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12.01.2012

Museumsbund „Glückliche Besucher sind unser Ziel“

Berlin – Trotz steigender Besuchszahlen plagen viele Museen finanzielle Sorgen.

Schüler sollen, viele Ältere wollen ins Museum gehen. Seit Jahren steigt die Zahl der Besuche; 2010 wurden knapp 110 Millionen Eintrittskarten gelöst. Trotzdem haben viele Häuser Probleme insbesondere finanzieller Art.

„Es gibt gut ausgestattete Häuser, aber insgesamt hat sich in den vergangenen Jahren die schwierige Lage der öffentlichen Haushalte auch auf die Museen niedergeschlagen, und das macht uns große Sorgen“, sagt der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Volker Rodekamp, im dapd-Interview.

Dass von der öffentlichen Hand in den kommenden Jahren mehr Geld zu erwarten ist, damit rechnet er nicht. „Aber es gibt andere Stellschrauben, die in unserer Verantwortung liegen“, betont er. So könne für attraktive Sonderausstellungen, wenn sie interessant und spannend genug gemacht seien, auch ein entsprechender Eintritt genommen werden. Der Ausbau der Zusammenarbeit mit privaten Partnern sei ebenfalls eine Möglichkeit. „Vor einigen Jahren haben wir uns mit privaten Geldgebern noch schwergetan“, sagt er. Heute sei kaum noch ein Projekt ohne Drittmittelgeber umsetzbar. „Das ist heute schon fast Normalität“, auch weil damit bisher gute Erfahrungen gemacht worden seien.

Man biete potenziellen Partnern auch einen guten Gegenwert: „Museen sind großartige Orte, die ein begeistertes Publikum empfangen und auch international in den Feuilletons eine Rolle spielen.“ Die Museumslandschaft in Deutschland sei so vielfältig wie in wenigen anderen Ländern, sagt Rodekamp, der Direktor des Stadthistorischen Museums in Leipzig ist. „Wir sind groß und klein, international bedeutend oder auch lokal orientiert, arbeiten professionell, aber auch ehrenamtlich, sind in Metropolen und in der Region angesiedelt. Aber was uns alle verbindet, ist unser gemeinsamer Anspruch, ein attraktiver Ort für kulturelle Bildung zu sein.“

Das Ergebnis muss vor allem dem Besucher gefallen. Schüler, so berichtet Rodekamp, „kommen oftmals erstmals im Rahmen des Unterrichts ins Museum. Was wir erreichen wollen ist, dass sie mit einem Museumsprojekt ein Erlebnis verbinden, dass im besten Fall auch einen Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellt, damit sie das Museum nachhaltig und positiv in Erinnerung behalten und später ohne eine schulische Verpflichtung wiederkommen möchten.“

Aber auch hier bläst den Museen der Wind ins Gesicht: Es werde Schulen immer schwerer gemacht, solche Exkursionen zu organisieren, und immer häufiger fehle auch die Zeit, sagt Rodekamp. Um dem entgegenzuwirken, entwickeln viele Museen inzwischen gemeinsam mit Schulen Bildungsformate, die auch in den Lehrplan passen.

Um die Generation der 20- bis 30-Jährigen muss besonders geworben werden. „Wir befinden uns hier in einer großen Konkurrenzsituation mit zahlreichen anderen Angeboten“, erklärt der Museumsexperte. „Das Interesse kommt allerdings wieder“: Spätestens wenn eine Familie gegründet worden sei, gewännen die Museen wieder an Attraktivität.

Menschen jenseits der 50 Jahre zählen zum Stammpublikum der Museen. Aber es seien andere „Ältere“ als früher, betont Rodekamp. „Sie haben Erwartungen und Ansprüche an die Museen, sie kennen sich aus, sind mobil und haben Vergleichsmöglichkeiten.“ Angesichts der größer gewordenen Mobilität müsse sich auch ein Museum in der Region dem Wettbewerb stellen. „Sie können heute mit unattraktiven Angeboten nicht mehr punkten.“

Wenn nicht kurzfristig, so doch langfristig hat der Gedanke an die immer älter werdende Gesellschaft auch etwas Beunruhigendes, sagt Rodekamp. So will man sich eine neue Zielgruppe erobern – die Nichtbesucher. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Jugendliche jenseits der Schule und Menschen mit ausländischen Wurzeln. Bei ersteren zum Beispiel müsse das Museum sein Selbstverständnis, was ein kultureller Bildungsauftrag bedeute, neu justieren. „Viele Kenntnisse, die früher selbstverständlich waren, können heute nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden.“

Menschen ausländischer Herkunft wiederum könnten oft nicht erkennen, was die Museen mit ihrer eigenen Identität zu tun hätten, berichtet Rodekamp und erinnert sich an ein Gespräch mit einer Kollegin aus Amsterdam: „Für wen beschäftigen wir uns eigentlich mit Stadtgeschichte, wenn nur noch 30 Prozent der Amsterdamer hier geboren sind“ habe sie gefragt. Hier seien neue Ansatzpunkte und ein neues offenes Verständnis notwendig.

Trotz aller Erfolge in den vergangenen Jahrzehnten sei der Begriff des Museums immer noch ambivalent, meint der Verbandspräsident. In Teilen der Gesellschaft wird das Museum immer noch als langweilig und beharrlich, nicht aber als offen und serviceorientiert betrachtet. „Das wollen wir ins Positive drehen. Glückliche Besucher sind unser Ziel.“

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