Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Sport - newsburger.de

Gladbacher Talentschmiede: Drei Sterne für einen neuen Star

© dapd

20.01.2012

Mönchengladbach Gladbacher Talentschmiede: Drei Sterne für einen neuen Star

Höchste Auszeichnung für den “Fohlenstall” – Hoffnung auf einen neuen Reus.

Mönchengladbach – Im Eingang hängt eine schwarz-weiße Tugend-Raute. Attribute wie “Fleiß und Geduld sowie Entschlossenheit und Wille” begrüßen die Talente, die ihre 20 Quadratmeter großen Zimmer in Borussia Mönchengladbachs Jugendinternat beziehen. Großformatige Bilder von Profis, die es geschafft haben, zieren die Wand und sollen die neuen “Fohlen” daran erinnern, was möglich ist: Der Sprung in den Profikader. Doch der ist ein gewaltiger, denn statistisch gesehen erfüllt sich nur jeder 100. seinen großen Traum.

Umso mehr hofft man bei der Borussia nach dem Weggang von Marco Reus, der im Sommer zum deutschen Meister Borussia Dortmund wechselt, auf einen neuen Shootingstar “Made in Gladbach”. Die Voraussetzungen dafür sind besser denn je, denn den Nachwuchs überhaupt in den Borussia-Park zu locken, ist nicht mehr so schwer. “Wenn wir die Jungs einmal zum Gespräch hier haben, dann haben wir eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sie auch kommen”, sagte Nachwuchsdirektor Roland Virkus im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Dass sich die Ausbildung im Internat, das sich im Stadion über drei Ebenen erstreckt und in dem derzeit zwölf Talente leben, lohnt, bekommt der Nachwuchs Woche für Woche zu sehen: U21-Nationalspieler Patrick Herrmann entstammt dem “Fohlenstall” und hat sich unter Trainer Lucien Favre inzwischen einen Stammplatz erkämpft.

Mit Favre arbeitet Virkus, der seit mehr als drei Jahren an der Spitze der Talentschmiede steht, eng zusammen. Virkus, seit 1990 im Verein und früher selbst Jugendtrainer, beerbte 2008 den heutigen Sportdirektor Max Eberl. Der Ex-Profi hatte die Entwicklung der Gladbacher Nachwuchsarbeit seit 2004 vorangetrieben, nachdem mit dem Umzug vom Bökelberg in den Borussia-Park eine neue Ära in Sachen in Nachwuchsarbeit eingeläutet wurde.

Inzwischen hat man ein ausgeklügeltes Scouting-System aufgebaut, in dem ein Rädchen ins andere greift, um bei der Jagd auf den Nachwuchs schneller zu sein als die Konkurrenz. “Wir tauschen uns regelmäßig, also mindestens einmal die Woche, über unsere Toptalente aus”, sagte Virkus. Die akribische Arbeit zahlt sich inzwischen aus: Das Gladbacher Internat erhält von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) regelmäßig drei Sterne, die höchstmögliche Bewertung für die Nachwuchsarbeit in Deutschland. Zum Spitzenplatz fehlen bei über 500 zu bewertenden Kriterien nur Nuancen.

Dem Nachwuchs wird der harte Weg ins Profigeschäft inzwischen so einfach wie möglich gemacht. Waren die Talente früher noch mitten in der Stadt untergebracht, finden sie direkt im Borussia-Park professionelle Bedingungen vor. Ob Medienschulung, Hausaufgabenbetreuung oder Familienersatz durch Internatsmama Birgitt Lintjens – den Talenten fehlt es an fast nichts. Nur spielen müssen sie selbst. “Man muss den Spielern zeigen, dass es eine Durchlässigkeit nach oben gibt. Die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie das schaffen, hoch ist”, sagte Virkus.

Manchmal helfen aber auch die besten Argumente nicht. So war man beispielsweise an einem gewissen Mario Gomez dran, oder auch an Toni Kroos. Ob nun aber Geld oder die Karriereplanung, “die Jungs gucken heute danach, wo sie dieses Ziel eher erreichen als woanders. Bei uns ist es so, dass wir Spieler entwickeln wollen. Irgendwann muss es unser Ziel sein, die Spieler, die wir entwickelt haben, auch im Verein halten zu können”, sagte Virkus.

Das funktionierte in der jüngeren Vergangenheit nicht immer. Vor allem Abgänge wie die des gebürtigen Gladbachers Marcell Jansen, des klassischen Internatsschülers Marko Marin oder jüngst der von Marco Reus seien schmerzhaft gewesen, gibt Virkus zu. Im Fall von Reus sogar trotz des derzeitigen Höhenflugs, der als Lockangebot allerdings auch kein Muss ist. “Ich hab ja auch Talente bekommen, als wir Letzter waren. Du musst unabhängig vom Tabellenplatz argumentieren. Es wird immer mal ein gutes und ein schlechtes Schuljahr geben, aber wichtig ist, dass du das Abitur schaffst”, sagt Virkus. Ziel sei es, die beste Jugendabteilung Deutschlands zu werden. “Wir sind nah dran. Noch nicht ganz, aber fast”, sagte Virkus. Die Hausaufgaben hat die Borussia zumindest schon gemacht.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/gladbacher-talentschmiede-drei-sterne-fur-einen-neuen-star-35161.html

Weitere Nachrichten

Olympia IOK Lausanne

© FreeMO / gemeinfrei

DOSB Medaillenkandidaten sollen schon in Grundschulen gesucht werden

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) soll künftig schon in Grundschulen nach Talenten suchen. Im Entwurf des sogenannten "Eckpunktepapiers zur ...

Weserstadion Bremen

© Daniel FR / gemeinfrei

1. Bundesliga Werder Bremen beurlaubt Trainer Viktor Skripnik

Der SV Werder Bremen hat Cheftrainer Viktor Skripnik und die beiden Co-Trainer Florian Kohfeldt und Torsten Frings mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das ...

DFB-Zentrale Fussball

© Chivista / gemeinfrei

Grindel DFB fällt es schwer Ehrenamtler zu finden

Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB) hat bekräftigt, sich weiter um Transparenz bei der Aufklärung der noch offenen Fragen rund ...

Weitere Schlagzeilen