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Gewerkschaft der Flugsicherung unter Druck

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01.03.2012

Schadenersatz Gewerkschaft der Flugsicherung unter Druck

Fluggesellschaften halten an alten Schadenersatzforderungen fest.

Frankfurt/Main – Nach dem Ende des Vorfeldstreiks auf dem Frankfurter Flughafen nimmt der Druck auf die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) zu. Wegen des Ausstands drohen ihr Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe von der Lufthansa und dem Flughafenbetreiber Fraport. Zudem sieht sich die Gewerkschaft weiter mit Forderungen verschiedener Fluggesellschaften wegen Streikdrohungen der Fluglotsen im vergangenen Jahr konfrontiert. Ein Gütetermin in dieser Sache scheiterte am Donnerstag vor dem Frankfurter Arbeitsgericht.

Lufthansa, Air Berlin und Ryanair halten an Schadenersatzforderungen in Höhe von insgesamt 3,2 Millionen Euro fest. Die drei Fluggesellschaften verklagen die GdF wegen eines im vergangenen Sommer angekündigten, dann aber abgesagten Fluglotsenstreiks. Allein durch die Ankündigung des Ausstands sei es zu Umbuchungen, Stornierungen, Verspätungen und höheren Personalkosten gekommen, argumentieren die Kläger. Das Gericht wird nun am 16. August (12.00 Uhr) verhandeln.

Die GdF sehe in der Klage einen Angriff auf ihre Existenz, sagte ihr Sprecher Matthias Maas. Sollten die Airlines ihre Klage nicht zurückziehen, werde es durch alle Instanzen gehen.

Noch weitaus höhere Schadenersatzforderungen drohen der Gewerkschaft allerdings wegen des diese Woche gerichtlich gestoppten Streiks der Mitarbeiter auf dem Vorfeld. Um welche Summe es dann geht, ist noch offen. Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz sagte, es sei ein „substanzieller zweistelliger Millionenschaden“ entstanden. Er sagte aber nichts dazu, ob der Schaden auch in voller Höhe geltend gemacht werde.

Auch Fraport prüft nach Angaben eines Sprechers die Geltendmachung juristischer Ansprüche. Die entstandenen Umsatzeinbußen belaufen sich für den Flughafenbetreiber demnach auf bisher fünf bis sechs Millionen Euro. Im Klagefall erwartet GdF-Sprecher Maas die Forderung einer „fast dreistelligen Millionensumme“.

Weitere Streiks am Frankfurter Flughafen drohen indes vorerst nicht. „Im Moment denkt keiner an Streik“, sagte Maas. Die Zeichen stünden zunächst auf Aufarbeitung. Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hatte am Mittwoch den bis dahin laufenden Vorfeldstreik auf dem größten deutschen Flughafen verboten. Bereits am Dienstag hatte es einen geplanten Solidaritätsstreik der Fluglotsen für unrechtmäßig erklärt.

Nach dem gerichtlichen Stopp des Ausstands normalisierte sich der Flugbetrieb am Donnerstag weitgehend. Nach Fraport-Angaben wurden bis zum Nachmittag 35 Flüge annulliert. Die Streichungen müssten aber nicht alle streikbedingt sein, hieß es.

In dem Tarifkonflikt geht es um Beschäftigte der Verkehrszentrale, der Vorfeldkontrolle und der Vorfeldaufsicht. Für sie fordert die GdF unter anderem mehr Lohn. Knackpunkt ist das letzte Angebot der Fraport, in dem die Berufsgruppe der Follow-Me-Fahrer unberücksichtigt blieb. Beide Seiten signalisierten am Donnerstag ihren Willen zur friedlichen Einigung, hielten aber zugleich an ihren Positionen fest.

Die GdF sieht sich in der Auseinandersetzung stellvertretend für Spartengewerkschaften unter Druck. Die Arbeitgeber wollten ein Exempel statuieren und kleine Gewerkschaften bändigen, sagte Maas. Tatsächlich ist mit dem Streik auf dem Vorfeld die Debatte um die Macht kleiner Gewerkschaften neu ausgebrochen. Am Donnerstag forderte der hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) eine Änderung des Streikrechts.

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