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Apotheker und Industrie streiten um Lieferengpässe

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16.02.2013

Arzneimittel Apotheker und Industrie streiten um Lieferengpässe

ADKA: Vor allem unzureichende Lagertiefen verantwortlich.

Berlin – Arzneimittelhersteller und Krankenhausapotheker streiten um die Auswirkungen und Gründe des Medikamentenmangels. Nach einer Erhebung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vom November 2012 unter 100 Krankenhäusern standen innerhalb eines Monats 25 der 400 bis 600 von den Kliniken verwendeten Medikamente nicht zur Verfügung. Davon betroffen seien vor allem Krebsmedikamente und Antibiotika.

Während der Branchenverband der Generika- und Biosimilarunternehmen Pro Generika darin „keinen systematischen Versorgungsengpass“ erkennen kann, hält der Verband der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker die Lage für „durchaus prekär“. Es gebe Fälle, in denen „Therapien von Krebspatienten unterlassen oder verändert werden mussten“, weil Arzneimittel nicht zur Verfügung gestanden hätten, sagte ADKA-Geschäftsführer Klaus Tönne der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Dies sei „im Einzelfall durchaus dramatisch“.

Für den ADKA sind für die Lieferengpässe vor allem unzureichende Lagertiefen verantwortlich. Es gebe inzwischen nur noch eine geringe Zahl von Herstellern für bestimmte Produkte und Wirkstoffe, sodass Probleme bei der Produktion in einem Werk sich sofort auf die weltweite Versorgung auswirkten. „Deshalb müssen die Hersteller von essenziellen Arzneimitteln, die die Welt braucht, ihre Kapazitäten so gestalten, dass sie mindestens ein Dreivierteljahr lang den Bedarf decken können ohne nachzuproduzieren“, sagte Tönne.

Dies bestreitet Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer. Im dapd-Interview sagte er, jeder Hersteller hat Sicherheitsbestände für mehre Wochen beziehungsweise Monate. Das Grundproblem sei eine „Marktverengung“, die entstanden sei, weil es „aufgrund des erheblichen Kostendrucks, unter dem die Hersteller mit den geltenden Rabattverträgen stehen“, nur noch wenige Hersteller gebe, die diese Medikamente anbieten würden. Untersuchungen aus den USA hätten einen Zusammenhang von Lieferfähigkeit und Preisniveau gezeigt. „Es läuft etwas schief, wenn ein Cappuccino am Hauptbahnhof mehr kostet als bestimmte Generika zur Behandlung von Krebs.“

Die Krankenhausapotheker halten diese Argumentation für vorgeschoben: Zwar seien die Pharmaunternehmen in den in den vergangenen Jahren unter Preisdruck geraten, sagte Klaus Tönne, „sie verdienen aber immer noch mehr als genug Geld“.

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