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Geschäft ohne Kasse und Preisschilder

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15.01.2012

Umsonstläden Geschäft ohne Kasse und Preisschilder

In Umsonstläden in Mecklenburg-Vorpommern können Dinge kostenlos abgeben und mitgenommen werden.

Anklam – In Anklam gibt es ein Geschäft, das ohne Kasse auskommt. Plüschtiere, Oberhemden und Keramiktassen haben keine Preisschilder, denn sie kosten nichts. Im Umsonstladen in der Friedländer Straße 3 können Gegenstände abgegeben und mitgenommen werden – gratis. Zehn solcher Läden gibt es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Sie heißen “Gib und Nimm”, “Rumpelkammer” oder einfach Umsonstladen. Der bundesweit erste dieser Läden öffnete 1999 in Hamburg, der erste in Mecklenburg-Vorpommern 2004 in Rostock.

Petra Hilke kommt fast jeden Wochentag in den Umsonstladen im Stadtzentrum von Anklam. Die 52-Jährige lebt von Hartz IV. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet sie im Laden, sagt die frühere Köchin und Verkäuferin. Nach vielen Jahren Arbeitslosigkeit sei die Tätigkeit im Umsonstladen einfach eine willkommene Abwechslung, begründet sie ihr Engagement.

In dem weißen Flachbau sortiert Hilke Teller, Bücher und Hosen in die Regale, gibt Waren an Interessierte weiter, registriert sorgfältig Wareneingang und -ausgang. Dafür bekommt sie kein Gehalt. Sie ist eine von zwei Ehrenamtlichen, die in dem von der Caritas betriebenen Umsonstladen arbeiten.

Dass das Laden-Team aus Ehrenamtlichen besteht, ist nicht ungewöhnlich. Die meisten dieser besonderen Geschäfte sind auf private Initiative von gesellschaftlich interessierten Menschen entstanden. In Anklam betreiben Mitarbeiter des Freiwilligenzentrums der Caritas Vorpommern den Umsonstladen. Ein Mitarbeiter habe die Idee aus Greifswald mitgebracht, erzählt Ute Brandt, Koordinatorin im Freiwilligenzentrum. Seit fünf Jahren gebe es den Laden schon. Die Verbindung zur Caritas bestehe darin, “den Menschen zu helfen und zu unterstützen”, sagt Ute Brandt, “eben das Karitative”.

Das heißt aber nicht, dass sich jeder beliebig viele Dinge holen kann. Der Umsonstladen hat Regeln – etwa die Drei-Teile-Richtlinie: “Ein Besucher darf pro Tag maximal drei Teile mitnehmen”, erklärt Hilke, die auf die Einhaltung der Vorschriften achtet. Aus Platzgründen können keine großen Möbel angenommen werden. Ein Zettelaushang im Geschäft hilft aber dabei, dass die Couch oder der Tisch doch den Besitzer wechseln.

Viele der Laden-Besucher haben ein ähnliches Schicksal wie die Ehrenamtlichen, müssen von Hartz IV leben. Dennoch reicht die Bandbreite der Nutzer vom Lehrer bis zum Sozialhilfe-Empfänger. Der Besuch in Umsonstläden ist in der Regel nicht an einen Status gebunden. Niemand muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Hilke beobachtet, dass viele junge Menschen das Angebot nutzen: “Bei uns holen sie sich die Erstausstattung für ihre Wohnung – zum Beispiel Geschirr”, sagt sie. Auch Raritätensammler und Kirchengemeinden gehören zu den Nutzern.

Stammgäste sehen den Umsonstladen nicht nur als Möglichkeit, Dinge zu bringen und zu holen, sondern suchen den sozialen Kontakt. Im Anklamer Laden, der durchschnittlich 20 Besucher pro Tag zählt, gibt es dafür eine Sitzecke mit Tisch. Die Miete für die Räume zahlt die Caritas, ergänzt durch Spenden. So steht auf der Theke eine Schatulle, in die Besucher beim Verlassen des Ladens Geld einwerfen. “Natürlich haben wir auch Leute, die nichts geben können”, sagt Hilke.

Eine Übersicht zu weiteren Umsonstläden gibt es im Internet unter: http://coforum.de/index.php?Umsonstladen

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