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Gauck soll mit Vorwürfen offensiv umgehen

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25.02.2012

Medienforscher Gauck soll mit Vorwürfen offensiv umgehen

Kepplinger: „Bei Gauck kommt die Gefahr vor allem aus dem Internet.“

Berlin/Mainz – Der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, sollte nach Ansicht des Mainzer Medienwissenschaftlers Hans Mathias Kepplinger alle kritisierten Passagen aus seinen Reden und Interviews mit weiterführenden Verweisen im Internet dokumentieren. „Bei Gauck kommt die Gefahr vor allem aus dem Internet. Das ist ein Spezialproblem, denn hier kommt eine kaum fassbare Wolke von Verdrehungen auf ihn zu“, erklärte Kepplinger im dapd-Interview. Nur ein offensiver Umgang mit allen Vorwürfen könne wirksam verhindern, dass sich diese zu einem Skandal auswüchsen, sagte er.

In Bezug auf die Kritik an Gaucks Privatleben sieht Kepplinger einen engen Zusammenhang mit dem Wulff-Skandal. „Immer wieder wurde behauptet, der Präsident müsse ein Vorbild sein. Das ist ein törichter Anspruch. Da hat eine Reihe von Wulff-Kritikern ein Fass aufgemacht, dessen Untiefe ihnen offenbar nicht bewusst ist“, sagte der Wissenschaftler. Es gebe darüber hinaus seit langem einen latenten Machtkampf zwischen Politikern und Journalisten, der in der Wulff-Affäre manifest geworden sei. Einige Medien hätten ihn gewonnen, sagte Kepplinger. „In Deutschland droht immer die größte Gefahr, wenn es um Geld oder geldwerte Vorteile geht. Gauck sollte sorgfältig prüfen, ob er sich hier in der Vergangenheit eine Blöße gegeben hat. Und falls das der Fall ist, sollte er offensiv damit umgehen“, führte Kepplinger aus.

Der Mainzer Medienwissenschaftler fand bei seinen Forschungen heraus, dass die Skandalisierung einer in der Öffentlichkeit stehenden Person immer gleichen Mechanismen folgt. Das gelte auch für den Fall Wulff. „Die Empörung beruht auf der Überzeugung, dass die Skandalisierten aus eigennützigen Motiven gehandelt haben, sie konnten frei entscheiden und mussten auf besondere Umstände keine Rücksicht nehmen“, sagte Kepplinger.

Für Politiker und Prominente aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens gibt es nach den Worten des Medienwissenschaftlers eine Erfolg versprechende Strategie, um sich wirksam zur Wehr zu setzen. Der Betroffene müsse vor allem versuchen, Glaubwürdigkeit zu behalten oder wieder zu erlangen. Richtig sei es, möglichst schnell eine sinnvolle und nachvollziehbare Interpretation der kritisierten Fehler zu liefern. „Ein gutes Beispiel dafür ist das Verhalten von Joschka Fischer, nachdem herauskam, dass er derjenige auf einem Foto ist, der einen Polizisten verprügelt. Er hat zugegeben, was nicht zu bestreiten war. Genau das machen viele Skandalisierte falsch“, erklärte Kepplinger.

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