Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt newsburger.de

06.12.2009

Ganze Mannschaft von FC Oberneuland Bremen soll auf eigene Niederlage gewettet haben

Bremen – Einer der Hauptbeschuldigten in dem Verfahren der Bochumer Staatsanwaltschaft gegen eine Bande mutmaßlicher Wettbetrüger, der Kroate Marijo C., hat nach Erkenntnissen der Fahnder offenbar noch am Abend vor seiner Verhaftung versucht, ein Spiel zu kaufen. Am 18. November hielt sich C. in Lugano auf, wo das U-21-Länderspiel Schweiz gegen Georgien stattfand. Dort soll er dem Schiedsrichter dieser Partie, dem Bosnier Novo Panif, 50000 Euro übergeben haben, berichtet der „Spiegel“ in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Panif wurde vorige Woche von Schweizer Beamten zu den Vorwürfen befragt. Er behauptete, C. nicht zu kennen und bestritt, Geld erhalten zu haben. Für den „Spiegel“ war Panif nicht zu erreichen. Der Verteidiger Marijo C.s sagte auf Anfrage: „Zum derzeitigen Stand des Verfahrens will ich mich im Interesse meines Mandanten nicht äußern.“

Das Ermittlungsverfahren vermittelt eine Vorstellung davon, wie dreist im deutschen Fußballbetrieb offenbar manipuliert wird. Beim Spiel der Regionalliga Nord zwischen dem FC Oberneuland Bremen und dem FC St. Pauli II (0:2) am 19. September, so steht es in den Akten, habe „die gesamte Mannschaft“ der Gastgeber „eigene Wetten auf den Gegner platziert“. Die Geschäftsführerin des FC Oberneuland zeigte sich von den Ermittlungen wenig überrascht. Sie habe während des Spiels einen anonymen Anruf erhalten, dass die Partie verschoben sei, sagte sie dem „Spiegel“. Zwei Tage später meldete sie den Verdacht beim Deutschen Fußball-Bund, doch dort hatte das Frühwarnsystem der Wettüberwacher keine Auffälligkeiten registriert. Daraufhin ließ sie jeden Spieler eine strafbewehrte eidesstattliche Versicherung unterschreiben, nicht auf diese Partie gewettet zu haben. Derweil beschränkten sich manche der Hauptbeschuldigten wohl nicht nur aufs Wettgeschäft.

So betrieb nach Erkenntnissen der Ermittler der Türke Nürettin G., 34, auch ein illegales Spielcasino im Osnabrücker Bahnhofsviertel. In dem diskreten Spielclub, vor dem immer wieder Jaguars und Ferraris aus ganz Deutschland gesichtet wurden, herrschten offenbar rustikale Sitten: So soll G. mit Hilfe versteckter Kameras die Karten seiner Mitspieler ausgespäht haben, um diese beim Texas-Hold’em- oder Omaha-Poker zu betrügen. Die Bilder wurden den Ermittlungen zufolge in einen Nebenraum übertragen, in dem ein Komplize mit dem Spitznamen „Zocker-Toni“ saß, der über Mini-Ohrhörer mit G. und einem weiteren Glücksspieler, genannt „Zigeuner- Michel“, verbunden war. G.s Verteidiger Jens Meggers wollte sich zu den Falschspiel-Vorwürfen gegen seinen Mandanten zunächst nicht äußern. Der Jurist sagte, er wollte erst Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft nehmen. Oberneulands Geschäftsführerin Karen Micheli sagte, so lange nichts bewiesen sei, stelle sie sich vor ihre Mannschaft.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/ganze-mannschaft-von-fc-oberneuland-bremen-soll-auf-eigene-niederlage-gewettet-haben-4467.html

Weitere Nachrichten

Katja Kipping Linke

© Blömke / Kosinsky / Tschöpe / CC BY-SA 3.0 DE

Linke SPD-Gesetz zu Managergehältern nur ein kleiner Schritt

Die Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping, ist unzufrieden mit dem Gesetzentwurf der SPD zur Begrenzung von Managergehältern. "Es sind leider nur ...

Martin Schulz SPD

© Foto-AG Gymnasium Melle / CC BY-SA 3.0

CDU-Politiker Reul SPD-Kanzler-Kandidat Schulz ein „selbstverliebter Egomane“

Der Vorsitzende der CDU/CSU im Europäischen Parlament, Herbert Reul, hat massive Kritik an SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und dessen Plan geübt, die ...

Christian Lindner FDP 2013

© Gerd Seidel (Rob Irgendwer) / CC BY-SA 3.0

FDP-Chef Lindner Nur im Verdachtsfall Zugriff auf Handys von Asylbewerbern

Der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, hat den Zugriff auf Mobiltelefone von Asylbewerbern im Einzelfall befürwortet, um deren Identität besser ...

Weitere Schlagzeilen