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03.10.2009

Gamer sind laut einer Studie Fremden gegenüber aggressiver

Gamer sind fremden Mitspielern gegenüber aggressiver eingestellt als Mitspielern aus ihrem Freundeskreis. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die unter der Leitung von David Geary an der University of Missouri durchgeführt und kürzlich veröffentlicht wurde. Im Konkreten wurde festgestellt, dass männliche Spieler im Falle eines Siegs über Fremde einen höheren Testosteronspiegel aufweisen als bei einem Sieg über Freunde. Das Sexualhormon Testosteron ist im menschlichen Körper unter anderem für die Körperbehaarung, für den Muskelaufbau sowie für gesteigerten Sexualtrieb verantwortlich – und eben auch für Aggressionen. Der Körper schüttet das Hormon vornehmlich nach anstrengenden Betätigungen aus.

Die Studie des Forscherteams aus Missouri wurde im netzwerkbasierten Mehrspielermodus Onslaught des Shoot-em-Up-Spiels „Unreal Tournament 2004“ durchgeführt – einem Videospiel, in dem man sich seinen Weg durch eine postapokalyptische Welt mit Maschinengewehren, Raketenwerfern und anderen schweren Geschützen freischießen muss. Die 42 Teilnehmer der Untersuchung, die sich alle vorher nicht kannten, wurden dabei in 14 Dreiergruppen eingeteilt und mussten sich in einer „Kampf um die Flagge“-Mission mit den anderen Teams duellieren. In einem weiteren Untersuchungsmodus, dem „Death Match“, wurde den Teilnehmern die schlichte Devise „Jeder gegen jeden“ ausgegeben. Um bereits im Vorfeld eine Beziehung zwischen den einzelnen Teammitgliedern aufzubauen, mussten die Teams im Zeitraum von einer Woche sechs Stunden trainieren. Als zusätzlichen Anreiz haben die Forscher den Gewinnerteams im Modus „Kampf um die Flagge“ 45 Dollar, den Verlierern hingegen nur 15 Dollar an Preisgeld ausgezahlt. Auch der Gewinner eines Death-Match-Wettkampfs durfte sich über 45 Dollar freuen, seine zwei Teamkollegen wurden nur mit 15 Dollar abgespeist.

Wie die Wissenschafter herausfanden, sind die Testosteronspiegel der Mitglieder eines Gewinnerteams unmittelbar nach dem Wettkampf in die Höhe geschnellt – speziell bei jenen Spielern, die maßgeblichen Anteil am Sieg hatten. Wenn sich ein Team im Death Match allerdings untereinander bekriegen musste, haben die jeweiligen Gewinner sogar weniger Testosteron als ihre unterlegenen Teamkollegen produziert. „In einem ernsthaften Duell mit einer fremden Gruppe kann man alle Rivalen einfach umbringen und sich dadurch einen Vorteil verschaffen“, sagt Geary. Im Gegensatz dazu mache das „Niedermetzeln“ von Freunden oder Verwandten wenig Sinn, „da man sich sie nicht einfach zum Feind machen kann, weil man sie ja schließlich braucht“, so der Evolutionspsychologe. Wenn es gegen eine Gruppe von Fremden geht, gibt es für Gamer anscheinend wenig Gründe, sich zurückzuhalten.

Aus den Ergebnissen der Studie ließe sich schließen, dass Mehrspieler-Games ähnlichen Mechanismen wie die Kriegsführung unterliegen, bei der ein hoher Testosteronspiegel gepaart mit gesteigertem Aggressionslevel für die Beteiligten ebenfalls als vorteilhaft erachtet wird. Thomas Inmann, Sprecher des eSport Verband Österreich (esvö), lehnt derlei Vergleiche jedoch kategorisch ab. Bei Wettkämpfen im Mehrspielermodus eines Computerspiels gehe es viel mehr um das sportlichen Wettstreit, Aggressionen hätten dabei keinen Platz. Allerdings komme es natürlich vor, dass es bei Duellen zwischen zwei starken „Clans“ vorm Bildschirm und auf den Zuschauerrängen mitunter brisanter zugeht, so Inmann. „Beim Spielen durchläuft eine Gamer alle möglichen Gefühle, das reicht von grenzenloser Freiheit bis hin zu Ärger. Feindseligkeiten oder Handgreiflichkeiten sind mir auf Turnieren aber überhaupt noch nie untergekommen“, widerspricht Inmann den möglichen Befürchtungen, wonach Videogames aggressiv machen würden, vehement.

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