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Fußball: Warum der Videobeweis für Krug Mumpitz ist

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16.01.2012

Workshop Fußball: Warum der Videobeweis für Krug Mumpitz ist

Bei einem Workshop debattieren Schiedsrichter und Sportjournalisten über strittige Szenen im Fußball.

Stuttgart – Hellmut Krug hatte sich dieses Abstimmungsergebnis gewünscht: Die eine Hälfte der Sportjournalisten zeigt die Gelbe Karte, die andere greift zum roten Karton. Sie sollten nach dem ersten Fernsehbild entscheiden, welche Strafe sie für ein Tackling verhängen würden. Strittige Szenen kommen in einem Fußballspiel häufig vor, oft werden die Schiedsrichter anschließend an den Pranger gestellt – zu Recht oder zu Unrecht.

“Die Fernsehrealität entspricht nicht der Realität auf dem Platz”, sagt Krug, “wir haben keine vier Zeitlupen, um eine Entscheidung zu treffen.” Ihnen bleibt nur ein Wimpernschlag, um zu einem Urteil zu kommen. Krug weiß, wovon er spricht. Als Schiedsrichter hat er 241 Spiele in der Ersten Liga gepfiffen. Jetzt versucht er in seiner Funktion als Leiter der Schiedsrichterabteilung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), für mehr Verständnis zu werben.

In Stuttgart trafen sich am Montag bereits zum fünften Mal Sportjournalisten, um mit den Schiedsrichtern über strittige Szenen zu diskutieren. Mit dabei war auch Erstligaschiedsrichter Marco Fritz aus dem schwäbischen Korb. “Es wäre schön, wenn aus krassen Fehlentscheidungen, wie die Medien oft vorschnell urteilen, einfach nur Fehler werden würden”, sagt der 34-Jährige, “und die Entscheidungen auch aus unserem Blickwinkel bewertet werden würden.”

Technische Hilfsmittel würden dagegen ihre Arbeit nicht erleichtern, argumentieren beide. Es gebe nur eine Technik, sagt Krug, die den Schiedsrichtern wirklich etwas bringen würde: “Der Chip im Ball, denn dann würde ihnen diese Entscheidung, ob der Ball hinter der Linie ist oder nicht, abgenommen.”

Vom oft in der Öffentlichkeit geforderten Videobeweis hält er dagegen nichts: “Das ist Mumpitz und bringt uns keinen Schritt weiter”, sagt Krug. Erst am Wochenende hatten sich die Schiedsrichter getroffen, um die Vorrunde aus ihrer Sicht aufzuarbeiten. Da saßen nun viele Fachleute zusammen und schauten sich die ihnen vorgespielten Szenen aus jedem nur erdenklichen Kamerablickwinkel aufmerksam an. Das Resultat war bemerkenswert: “Es kam dabei oft zu völlig unterschiedlichen Bewertungen”, sagt Krug. Es ist auch im Schiedsrichterwesen wie so oft im Leben. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, es kommt auch auf die Schattierungen an. Oder wie Krug es formuliert: “Auch die Schiedsrichter haben einen Ermessungsspielraum.” Was also bringt der Videobeweis?

Auch die Debatte um die Einführung von Profischiedsrichtern halten sowohl Krug als auch Fritz für zu kurz gedacht. “Ich pfeife doch nicht besser, wenn ich tagsüber nicht arbeite”, sagt Fritz. Die Schiedsrichter sollten vielmehr auf andere Gedanken kommen und sich nicht andauernd mit dem Spiel beschäftigen müssen, sagt Krug. Er hebt hervor, dass die meisten von ihnen ohnehin schon ihr Arbeitspensum reduziert haben, um sich gewissenhafter dem Sport widmen zu können. “Und von der psychischen Seite her kannst du sowieso keine zwei oder drei Spiele in der Woche pfeifen.” Es gebe einfach zu viele Fragezeichen: “Was passiert, wenn wir schlecht pfeifen? Droht dann Arbeitslosigkeit? Und mit bin ich mit 47 Jahren Rentner, weil ich die Altersgrenze erreicht habe?”

Viel wichtiger als über Profischiedsrichter nachzudenken, sei deshalb die Einsicht von allen Beteiligten. Oder in Krugs Worten: “Auch Schiedsrichter sind fehlbar.” Die Journalisten in Stuttgart haben zumindest eines gelernt: Nach der vierten Zeitlupe kann aus “keinem Foul” schon mal ein klarer Elfmeter werden.

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