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Linienrichter beim Fußball mit Fahne

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28.10.2017

Fußball Diskussion um Videobeweis geht weiter

„Mit dem Videobeweis verschieben wir das Problem nur.“

Heidelberg – Eine eindeutige Konsequenz aus den bislang sichtbar gewordenen Schwächen des Videobeweises im deutschen Profifußball zieht der Heidelberger Wissenschaftler Henning Plessner.

„Meine Argumentation ist, dass man den Videobeweis nur in bestimmten Situationen nutzen sollte, in denen klar messbare Ergebnisse erzielt werden“, sagte er der „Heilbronner Stimme“ (Samstagsausgabe). „Etwa bei der Frage: War der Ball über der Linie oder nicht?“

Plessner ist Professor für Sportpsychologie an der Universität Heidelberg und hat einen seiner Forschungsschwerpunkte auf das Urteilen und Entscheiden im Sport ausgerichtet.

„Mit dem Videobeweis verschieben wir das Problem nur“, sagte der Professor. Ein umfassender „Problembeseitiger“ sei dieses technische Hilfsmittel nicht. „Also würde ich da Druck rausnehmen“, sagte der Sportpsychologe der Zeitung. So wie der Videobeweis derzeit praktiziert werde, solle man ihn im Spiel eher nicht einsetzen. „Es wäre aber eine hoch spannende Sache fürs Training der Schiedsrichter“, so Plessner.

Seine Einführung sei der Idee geschuldet gewesen, das Feld zu befrieden. Die Frage, ob der Videobeweis Entscheidungen wirklich besser mache, bleibe offen. „Sollte man das viele Geld, das für die vermeintliche Gerechtigkeit ausgegeben wird, also nicht besser in die Ausbildung der Schiedsrichter stecken, um dort etwa ein noch besseres Entscheidungstraining durchzuführen?“

Der Heidelberger Sportpsychologe sieht im Versuch, mit dem Videobeweis mehr Gerechtigkeit zu schaffen, ein vom Konstrukt her schwieriges Unterfangen. „Der Glaube, dass im Videobild Wahrheit liegt, ist sehr weit verbreitet“, sagte Plessner dem Blatt. Doch wenn man die Aufzeichnungen strittiger Szenen in Zeitlupe anschaue, wirke Vieles gar nicht so eindeutig. „Gerade wenn es um Bewegungsentscheidungen geht.“ Wenn also Tempo und Dynamik eine Rolle spielen.

„Ein paar Fehler wären vermeidbar gewesen, hätte man sich intensiver mit Erfahrungen aus anderen Sportarten auseinandergesetzt“, warf Plessner den Entscheidungsträger im deutschen Fußball vor. „Der Fußball hat das ja nicht erfunden.“

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