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Fünf Amerikanern droht Überprüfung

© AP, dapd

04.03.2012

Koran-Verbrennung Fünf Amerikanern droht Überprüfung

Widersprüchliche Ermittlungsergebnisse – Lage im Norden ruhig.

Kabul – Mindestens fünf Mitarbeitern der US-Streitkräfte in Afghanistan droht wegen der Koranverbrennungen auf einem US-Militärstützpunkt eine disziplinarische Überprüfung. Eine westliche Gewährsperson erklärte am Samstag in Kabul, afghanische und amerikanische Militärvertreter seien in einer gemeinsamen Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass eine Entweihung des Korans nie beabsichtigt gewesen sei. Eine Serie von Fehlern habe zu den Verbrennungen geführt. Ein weiterer afghanischer Ermittler unterstellte den Amerikanern hingegen Vorsatz.

Der Zwischenfall vom 20. Februar löste Unruhen aus, die mehr als 30 Afghanen und sechs US-Soldaten das Leben kosteten. US-Präsident Barack Obama und andere US-Vertreter entschuldigten sich und erklärten, es habe sich um ein Versehen gehandelt.

Zu diesem Urteil kam auch eine gemeinsame afghanisch-amerikanische Untersuchungskommission. Die Bücher seien aus einer Gefängnisbibliothek entfernt worden, weil der Verdacht bestand, dass die Häftlinge sich über Notizen in den Büchern austauschten. 1.652 Schriftstücke seien aus der Bibliothek entfernt und in Kartons verstaut worden. Bevor sie korrekt entsorgt werden konnten, hätten drei für die Abfallbeseitigung zuständige Soldaten bereits damit begonnen, sie zu entsorgen, sagte die Gewährsperson. Den Soldaten sei nicht bewusst gewesen, was sich in den Kartons befand, als sie sie ins Feuer warfen.

Der vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ebenfalls mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragte ranghohe Geistliche Maulawi Chalik Dad widerspricht dieser Darstellung allerdings. Afghanische Angestellte hätten Offiziere der afghanischen Streitkräfte über die Kartons mit den religiösen Büchern informiert. Diese hätten sich bei ihren US-Kollegen erkundigt und die Auskunft erhalten, dass sie sicher verstaut würden. „Sie haben die afghanischen Arbeiter belogen und die Offiziere der afghanischen Streitkräfte, indem sie ihnen gesagt haben, sie würden die Bücher in einem Container verstauen und sie dann verbrannt haben. Wenn es nicht absichtlich war, hätten sie nicht gelogen“, sagte Dad.

Unterdessen beruhigte sich die Lage im Norden Afghanistans nach Einschätzung des neuen deutschen ISAF-Regionalkommandeurs Erich Pfeffer deutlich. Nach den Koranverbrennungen durch US-Soldaten habe es zwar viele Demonstrationen gegeben, sagte Pfeffer am Samstag im Sender MDR Info. Diese seien aber meistens friedlich geblieben und nur selten eskaliert. Der Generalmajor lobte in diesem Zusammenhang die afghanischen Sicherheitskräfte. Sie hätten „eine große Bewährungsprobe“ bestanden. Pfeffer sagte, er habe den Eindruck, dass „die Menschen müde sind vom Krieg. Sie wollen in Ruhe leben.“ Die vielen friedlichen Demonstrationen zeigten sehr deutlich eine positive Entwicklung.

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