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ESA fordert mehr Geld

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15.02.2013

Frühwarnsystem für Asteroiden ESA fordert mehr Geld

Programm Space Situational Awareness (SSA) wird vorangetrieben.

Darmstadt – Dass der erdnahe Vorbeiflug des Asteroiden 2012 DA14 für viel Aufsehen sorgt, war der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) bewusst. „Aber nachdem nun die überraschenden Meteoriteneinschläge in Russland für große Zerstörungen gesorgt haben, werden wir von Anfragen überschüttet“, sagt ein ESA-Sprecher in Darmstadt. Abgesehen von der Hektik, die sich am Freitagmorgen im ESA-Raumflugkontrollzentrum (ESOC) ausgebreitet hat, sehen die Forscher langfristig durchaus positive Aspekte der zwei Ereignisse.

Denn auch wenn aus Sicht der ESA beide nichts miteinander zu tun haben, zeigen beide Ereignisse auf drastische Weise, wie gering der Schutz vor den Himmelskörpern ist.

Mindestens 950 Menschen sollen im Ural nach Behördenangaben durch die enorme Druckwelle verletzt worden sein, die bei dem Meteoriteneinschlag entstand. Plötzlich geht es also nicht mehr nur um die mögliche Gefahr für Satelliten durch den Einschlag von Himmelskörpern; plötzlich ist es eine sehr reale Bedrohung.

In der Tat kommt etwa der Asteroid 2012 DA 14 mit knapp 28.000 Kilometern durchaus in eine Nähe, die für Laien besorgniserregend sein dürfte. Aber wie der Leiter der Abteilung für Raumfahrtrückstände, Heiner Klinkrad, sagt, besteht keine ernst zu nehmende Gefahr. Auch habe es schon in der Vergangenheit ähnliche Ereignisse gegeben.

Dass es konkrete Risiken gibt, belegen Forschungsanstrengungen bei der ESA. Der deutsche Standort in Darmstadt hat zunehmend mit dem Programm Space Situational Awareness (SSA) zu tun – also mit der Beobachtung von Weltraumschrott und Asteroiden, die auf der Erde oder in Satelliten einschlagen könnten. ESA-Raumfahrtingenieur Rainer Kresken sagt, dass es in der Regel einmal im Jahr irgendwo einen vergleichbaren Meteoritenregen gibt, wie er sich am Freitag in Russland ereignete. „Oftmals gehen solche Niederschläge aber im Pazifik oder in einem anderen Ozean nieder, sodass sich niemand dafür groß interessiert“, berichtet er. Das bedeute indes nicht, dass solche Einschläge nicht auch in dicht besiedelten Gebieten herunterkommen könnten, wie ja das jüngste Beispiel auf russischem Gebiet zeige.

Daher diskutierten die Raumfahrtexperten der ESA auch, inwieweit sich ein größerer Himmelskörper im Ernstfall womöglich von seiner Laufbahn abbringen lassen könnte. So gebe es verschiedene physikalische Ansätze, zu denen unter anderem gehöre, dass der Himmelskörper durch eine von Menschen verursachte Explosion seine Flugbahn ändert. „Eine andere Möglichkeit wäre es, ein Flugobjekt parallel zu einem Asteroiden oder Meteoriten fliegen zu lassen, sodass der Himmelskörper durch die Massenanziehung von seiner Flugbahn abgebracht werden kann“, sagt Kresken. Auch wäre es eventuell möglich, ein Sonnensegel auf einem solchen Himmelskörper aufzupflanzen, was aufgrund der freigesetzten Energie ebenfalls zu einer Änderung der Laufbahn führen könnte.

7.600 Himmelskörper unter ständiger Beobachtung

Schöne Ideen, deren Erforschung aus Sicht der ESA aber auch eine finanzielle Aufstockung erfordern. Das durchschnittliche Jahresbudget für ESOC liegt aktuell bei 170 Millionen Euro. Insgesamt hat die ESA, an der 19 europäische Länder beteiligt sind, ein Jahresbudget von vier Milliarden Euro. Davon fließen momentan nur 46 Millionen Euro in das SSA-Projekt, nachdem wichtige ESA-Staaten wie Spanien oder Frankreich im vergangenen Jahr ausgestiegen waren.

Gefordert waren für die aktuell laufende zweite Phase des Projektes 74 Millionen Euro, die zum Aufbau eines Frühwarnsystems notwendig wären, wie der Projekt-Controller von SSA, Andreas Ottenbacher, sagt. „Wenn man bedenkt, dass DA14 erst vor anderthalb Jahren mehr oder weniger zufällig entdeckt wurde, wird das Dilemma klar“, sagt der 50-jährige Meteorologe. Hätte sich der Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde befunden, wäre die Zeit viel zu kurz zum Handeln gewesen.

Zwar kenne man dank steter Beobachtung mittlerweile 7.600 Himmelskörper, die die Erdumlaufbahn kreuzten, berichtet Ottenbacher. Allerdings hätten diese eine gewisse Größe; kleinere Asteroiden wie etwa DA 14 könne man momentan nicht ohne weiteres erkennen. Daher müsse das SSA-Programm ausgebaut werden, betont der Wissenschaftler. Eine langfristige Planung sei der einzige Weg, mögliche Gefahren auszuschalten.

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