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Frisst die Revolution ihre Kinder?

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26.04.2012

Piratenpartei im Erfolgsrausch Frisst die Revolution ihre Kinder?

Weisband, Nerz und Co. stürzten sich in die Arbeit – Nun sind viele Spitzenkräfte ausgebrannt.

Berlin – Auf dem Piratenschiff knarzt es ordentlich im Gebälk. Die von einem Umfragehoch zum nächsten Wahlerfolg hetzende Partei droht zu implodieren. Der Kahn der Freibeuter hat eine derart rasante Fahrt aufgenommen, dass manche Spitzenkräfte völlig überlastet die Segel streichen. Rund um die Uhr klingelt das Handy, dauernd drängeln Neumitglieder auf Diskussionen. Jetzt wird die Forderung laut, die bislang ehrenamtlichen Spitzenämter zukünftig zu entlohnen – doch das könnte die Basis auf die Barrikaden bringen.

Beim Parteitag am kommenden Wochenende in Neumünster wird sich die allseits präsente politische Geschäftsführerin Marina Weisband aus der Parteispitze verabschieden. Ausgezehrt und urlaubsreif will die 24-Jährige mehr Zeit für ihre Diplomarbeit haben. Auch Schatzmeister Rene Brosig zog seine erneute Kandidatur zurück. Job, Partei und Familie gingen nicht mehr unter einen Hut.

Nun erkennen viele: Ohne bezahlte Kräfte im Vorstand und der Verwaltung wird es nicht auf Dauer gehen. Parteichef Sebastian Nerz und Weisband unterstützen diese Überlegung. „Es ist einfach zu viel, um sich mal eben nachmittags nach der Arbeit hinzusetzen“, sagt Weisband und ergänzt: „Natürlich kommen wir nicht drum herum, irgendwann einen Bundesvorstand zu haben, der das voll bezahlt machen kann.“ Eine konsequente und kluge Entscheidung – aber damit riskiert die Spitze einen Aufstand der Mitglieder. Denn viele halten an der Meinung fest: Politik ist eine Lebensaufgabe, kein Beruf.

Doch die ehrenamtliche Parteiarbeit auf der Kommandobrücke zehrt an den Kräften. Es rechnete schlicht niemand mit einem so rasanten Wachstum. Tausende neue Mitglieder kamen innerhalb weniger Wochen dazu, Umfragen sehen die Piraten bundesweit als drittstärkste Partei. Zudem bricht fast jeden Tag eine neue Debatte auf den Bundesvorstand ein. Zuletzt musste sich die Parteispitze gegen den Vorwurf stemmen, Rechtsextreme in den eigenen Reihen zu dulden.

Nerz spricht angesichts dieses Rummels von „emotionalen Belastungen, die einen runterziehen“. Schnell wird der 28-Jährige konkret: „Wir haben jetzt alle keine Hobbys mehr, wir geben das Familienleben und das ganze soziale Leben auf.“ Seine Frau habe erst neulich gesagt: „Ich sehe dich häufiger im Fernsehen als direkt.“ Einen „Termin“ mit ihr blockt Nerz mittlerweile Wochen im Voraus in seinem Kalender.

Sowohl er als auch Weisband und Brosig haben nach eigenen Angaben locker 100-Stunden-Wochen, wenn man Beruf, Parteiarbeit und Talkshow-Auftritte zusammennimmt. Weisband erzählt, dass sie sich manchmal mit Freunden im heimischen Münster aus diesem Hamsterrad verabschiedet. In Rollenspielen flüchtet sie sich dann in Fantasiewelten. Gemeinsam säßen sie dann an einem Tisch und erzählten sich einfach etwas. „Das Schöne am Rollenspiel ist ja, dass man in Welten ist, wo es keine Piraten gibt“, sagt Weisband.

Brosig sieht in den neuen Forderungen nach professionelleren Strukturen gar kein Widerspruch zur bisherigen Linie. Wichtig sei, dass Abgeordnete in den Parlamenten es sich nicht jahrelang auf ihren Posten gemütlich machen. An bezahlten Kräften innerhalb der Partei geht auch nach Brosigs Meinung kein Weg vorbei. Er selbst wolle aber kein Geld mit der Parteiarbeit verdienen. Seine wirtschaftliche Situation solle nicht von der politischen Meinung abhängen, sagt Brosig.

Doch so schnell wird es auch keine Vollzeitkräfte geben können. Denn noch sind die Piraten nur in zwei Landesparlamenten vertreten. Die Einnahmen aus staatlichen Quellen betragen nur einen Bruchteil dessen, was etablierte Parteien erhalten. „Aber von uns wird trotzdem erwartet, dass wir Ähnliches leisten“, sagt Nerz.

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