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Freispruch für Adriana Barros

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02.05.2012

VW-Affäre Freispruch für Adriana Barros

Brasilianerin Barros unschuldig – „Im Zweifel für den Angeklagten“.

Wolfsburg – In der VW-Affäre um Spesenbetrug und Sexreisen ist die Brasilianerin Adriana Barros vom Vorwurf der Untreue freigesprochen worden. Das Amtsgericht Wolfsburg folgte am Mittwoch dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“. Der Richter erklärte, es lägen „keine hinreichenden Beweise“ für eine Verurteilung vor. Die Staatsanwaltschaft kündigte Rechtsmittel gegen den Freispruch an. Barros erklärte nach Ende der Verhandlung, sie sei „sehr, sehr glücklich“. Sie denke daran, ein Buch zu scheiben.

Die Anklage hatte Barros vorgeworfen, zusammen mit ihrem Ex-Geliebten, dem früheren VW-Betriebsratschef Klaus Volkert, Volkswagen mit Scheinrechnungen und Privatreisen auf Spesen um mehrere Hunderttausend Euro geschädigt zu haben. Der Staatsanwalt forderte ein Jahr Haft auf Bewährung.

Das Gericht wies beide Anklagekomplexe zurück. Es gebe „keine hinreichenden Beweise, dass die Angeklagte wusste, dass die Reisen von VW bezahlt wurden“, sagte der Vorsitzende Richter Holger Kuhlmann. Barros hatte immer gesagt, Volkert habe sie zu den Reisen erster Klasse quer durch die Welt eingeladen.

Über umstrittene Zahlungen von 23.000 Euro pro Quartal an Barros für Filme über VW sagte der Richter, Barros habe nichts über die Abläufe bei dem Großkonzern gewusst. „Beihilfe zur Untreue erfordert aber einen Vorsatz“, sagte er. Den könne das Gericht nicht erkennen. VW hatte das Geld damals tatsächlich bezahlt, um den mächtigen Betriebsratschef Volkert bei Laune zu halten.

Volkert und die Fernsehjournalistin Barros waren von 1998 bis 2005 ein Liebespaar, bis die VW-Affäre aufflog. Volkert hatte damals die Beziehung per E-Mail beendet. Vor Gericht sahen sich die beiden zum ersten Mal wieder. Volkert stützte in seiner Aussage die Version seiner früheren Geliebten von den Einladungen zu den Reisen. Der Vorsitzende Richter äußerte daraufhin schon vergangene Woche „ernsthafte Zweifel“ an einer Verurteilung.

Barros beklagte sich nach der Urteilsverkündung bitter über das Verhalten von Volkert nach der Trennung: „Es gab nie wieder einen Kontakt.“ Sie selbst sei dann „sehr kalt“ Volkert gegenüber bei dem Treffen im Gerichtssaal vor wenigen Tagen gewesen. Sie erschien zur Urteilsverkündung in einem schwarzen Blazer der Luxusmarke Ralph Lauren, hielt ein silberfarbenes Kreuz in der Hand.

Ihr Leben unter dem Vorwurf das Liebchen von Volkert zu sein, sei „sehr schwer“ gewesen. Nicht einmal für Schreibarbeiten habe sie einen Job bekommen, nachdem die Affäre aufgeflogen war. „Immer wieder wurde schlecht über mich gesprochen“, sagte sie. Nun hofft Barros auf ein besseres Leben. Derzeit wohne sie mit ihrem neuen Lebensgefährten in London. Sie denke darüber nach, ein Buch zu schreiben.

Staatsanwalt Daniel Facca kritisierte das Urteil und kündigte Rechtsmittel an. Klare belastende Beweise habe das Gericht nicht anerkannt, sagte er. „Wir halten die Entscheidung nicht für richtig“, sagte er. So habe Barros durchaus Hinweise darauf gehabt, dass VW und nicht Volkert die Privatreisen bezahlt habe.

Der Skandal hatte den VW-Konzern 2005 erschüttert. Volkert musste als einziger der Täter in Haft. Der 69-Jährige ist aber inzwischen wieder frei. Er war wegen Beihilfe und Anstiftung zur Untreue zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden und saß davon 22 Monate ab.

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