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Freiburg bejubelt „ersten Streich im Abstiegskampf

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22.01.2012

Fußball Freiburg bejubelt „ersten Streich“ im Abstiegskampf

Der neue Cheftrainer hat gleich ein glückliches Händchen.

Freiburg – Als Freiburgs erst 18 Jahre alter Siegschütze Matthias Ginter nach dem Schlusspfiff von einer Traube seiner Mitspieler beinahe erdrückt worden wäre, hatte sich der neue Cheftrainer Christian Streich schon in die Kabine zurückgezogen. “Ich wollte unseren Sieg zumindest für einen kurzen Moment in Ruhe genießen”, sagte der 46-Jährige wenig später. Das war leichter gesagt als getan. Denn draußen wartete eine Schar von Journalisten und im Stadion feierten die Fans des SC Freiburg das 1:0 (0:0) im Kellerduell gegen den FC Augsburg, als sei der Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga schon geschafft.

Auf jeden Fall haben sich die Freiburger nach dem radikalen Umbruch in der Winterpause wieder zurückgemeldet und neuen Mut geschöpft im nervenzehrenden Abstiegskampf. “Das war der erste Streich”, sagte Präsident Fritz Keller und konnte sich im Glücksgefühl ein Wortspiel auf den neuen Trainer nicht verkneifen.

Streich hatte mit seinem goldenen Händchen erheblichen Anteil am Erfolg. In der 69. Minute hatte er Ginter eingewechselt, der zwei Minuten vor dem Ende zum hochverdienten 1:0 köpfte. So wurde der Debütantenball zum rauschenden Fest. Ginter erzielte zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag in seinem ersten Bundesligaspiel gleich sein erstes Tor und bescherte Streich einen Einstand nach Maß.

Es passte zur bescheidenen Freiburger Art, dass Ginter im Anschluss eine Art “Welpenschutz” bekam und ein Interviewverbot auferlegt wurde. “Der Junge hat in drei Monaten Abitur, man sollte ihn in Ruhe lassen. Wir haben auch einen Erziehungsauftrag”, begründete Streich die Maßnahme und stellte lieber das Kollektiv in den Vordergrund: “Ich freue mich, dass die Mannschaft geschlossen aufgetreten ist und mutig gespielt hat. Wichtig ist, dass wir als Gemeinschaft eng zusammen stehen.”

Dieses Wir-Gefühl ist das neue Credo, nachdem sich der Sport-Club in der Winterpause von Trainer Marcus Sorg und sechs Profis um Kapitän Heiko Butscher getrennt sowie Top-Torjäger Papiss Demba Cisse an den englischen Premier-League-Klub Newcastle United verkauft hat. “Das Feuer ist da”, stellte Keller mit einer Mischung aus Genugtuung und Erleichterung fest.

Ein Feuer, das nicht zuletzt Streich in der kurzen Vorbereitung auf die Rückrunde wieder entfacht hat. 90 Minuten verfolgte er die Begegnung stehend und gestikulierend an der Seitenlinie, beorderte seine Spieler vor 19.600 Zuschauern immer wieder nach vorne. Nur beim Tor blieb er ganz ruhig. “Ich wollte nicht, dass die Mannschaft in diesem Augenblick die Konzentration verliert”, erklärte Streich.

Mit dem neuen Cheftrainer setzt Freiburg trotz der brisanten Situation auch auf den Nachwuchs. “Wir hatten sechs Eigengewächse auf dem Platz”, sagte Keller stolz. Streich schenkte Debütant Oliver Sorg auf der rechten Abwehrseite von Beginn an das Vertrauen und tätigte mit der Einwechslung von Ginter schließlich einen Glücksgriff. “Er ist ein ruhiger und mutiger Bursche”, sagte Streich über Ginter. Es ist von Vorteil, dass er die jungen Spieler als langjähriger Leiter der eigenen Fußballschule bestens kennt.

Den Freiburgern ist aber auch bewusst, dass der Sieg gegen Augsburg nur ein erster Schritt zur erhofften Rettung war. “Wir sind nicht mehr Tabellenletzter und haben einen Platz gut gemacht, aber wir stehen noch immer unten drin”, sagte Torhüter Oliver Baumann: “Nächsten Sonntag müssen wir nachlegen.” Dann gastiert der SC beim FSV Mainz 05.

Beim neuen Schlusslicht Augsburg machte Trainer Jos Luhukay aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, und Manager Andreas Rettig fand nach der zweitligareifen Vorstellung im so wichtigen Spiel gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten deutliche Worte. “Wir haben alles vermissen lassen und keine Leidenschaft gezeigt”, sagte Rettig und übte nach der Schmach an seiner ehemaligen Wirkungsstätte schonungslose Kritik an der eigenen Mannschaft. Vor dem Heimspiel am nächsten Wochenende gegen den 1. FC Kaiserslautern ist der Druck auf die Augsburger noch mehr gewachsen. “Da müssen wir uns ganz anders präsentieren”, sagte Rettig: “Mit dieser Leistung werden wir keine Chance haben.”

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