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Frau gesteht Hungertod ihres Sohnes

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03.02.2012

Tötung Frau gesteht Hungertod ihres Sohnes

Schwerkrankes Kind bekam wochenlang nichts zu essen – Ermittlungen gegen Jugendamt.

Mannheim – Zum Auftakt des Prozesses wegen des Hungertods ihres schwerkranken Kindes hat die Angeklagte vor dem Landgericht Mannheim die Tat gestanden. In einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung räumte die sichtlich aufgewühlte 30-Jährige am Freitag die Anschuldigungen ein und machte sich schwere Vorwürfe, als Mutter des Neunjährigen versagt zu haben.

Die zum Tatzeitpunkt drogenabhängige Frau hatte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Anfang 2010 beschlossen, den an einer unheilbaren Erbkrankheit leidenden Marcel zu Hause sterben zu lassen. Sie soll dem Kind wochenlang nichts zu essen gegeben haben. Die Frau muss sich daher wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen verantworten. Außerdem wird ihr vorgeworfen, während dieser Zeit einem befreundeten Dealer ihre Wohnung für dessen Geschäfte überlassen zu haben.

Ihr Rechtsanwalt Steffen Lindberg schilderte in der Erklärung den Zustand des Jungen, der nach Ansicht der Ärzte eine geringe Lebenserwartung hatte. Die Situation mit einem Kind, das seit 2009 taub und blind war, außerdem nicht mehr laufen und essen konnte, habe die drogenabhängige Angeklagte überfordert.

So habe sie beschlossen, den Jungen in seiner gewohnten Umgebung sterben zu lassen, um sein Leiden zu beenden. Daher habe sie den Jungen, der zur Nahrungsaufnahme eine Sonde gelegt bekommen hatte, nicht mehr ernährt.

Wie die Angeklagte selbst schilderte, hätten ihr weder ihr damaliger Lebensgefährte – der Vater des Kindes – noch die Verwandten beigestanden. Da Marcel von 2009 an ans Bett gefesselt war, seien die Umstände immer schwieriger geworden. Auch die Konflikte mit dem immer wieder alkoholisierten und arbeitslosen Lebensgefährten sowie die Sorgen um den älteren Sohn hätten in dieser Zeit stark zugenommen. Auch habe sie nicht gewusst, wie sie sich gegenüber dem todkranken Kind verhalten sollte.

Zwar habe sie ihm Mut zusprechen wollen, doch dies sei schwierig gewesen. “Ich wusste gar nicht mehr, was ich ihm sagen sollte”, führte die Frau vor Gericht an. Gewusst habe sie nur, dass sie es dem Sohn “so schön wie möglich machen wollte”.

Inwiefern ein Versagen der Behörden in diesem Fall in Betracht kommt, wollte Rechtsanwalt Lindberg zum Prozessauftakt nicht kommentieren. Das Jugendamt hatte die sozial schwache Familie betreut. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache mittlerweile gegen eine Mitarbeiterin des Amtes und zwei Mitarbeiter eines freien Trägers.

Die Angeklagte befindet sich seit Anfang Juni 2011 in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen sie wird am 20. Februar fortgesetzt.

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