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Angst vor Rückkehr der Islamisten nach Gao

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22.02.2013

Mali Angst vor Rückkehr der Islamisten nach Gao

Einwohner glauben noch nicht an das Ende der Schreckensherrschaft.

Gao – Die Straßen sind leer in der malischen Stadt Gao. Denn zwei Granaten schlugen am Freitag morgen gegen 8 Uhr ein, vermutlich abgefeuert von Islamisten. Der Markt ist niedergebrannt. Noch werden nicht explodierte Geschosse unter den Trümmern vermutet. Die französische Armee will der malischen bei der Räumung helfen.

Die Menschen haben Angst vor neuen Angriffen der Islamisten. Am Donnerstagmorgen hatten ihre Kämpfer vorübergehend das Rathaus und den Justizpalast besetzt. Nach Art einer Stadtguerilla lieferten sich die Extremisten stundenlange Kämpfe mit malischen und französischen Soldaten. 15 Tote Islamisten vermeldete Paris am Freitag, vier verletzte malische Soldaten und zwei französische. Vermutlich kamen die Kämpfer in der Nacht aus dem wüstenartigen Norden.

Die Einwohner von Gao erinnern sich gut an die monatelange Schreckensherrschaft der islamistischen Gruppierung Mujao, die von den französischen Truppen erst Ende Januar aus der Stadt vertrieben wurde. „Es war hart für uns“, sagt Aicha. „Die Frauen konnten nicht allein aus dem Haus, sonst wären sie geschlagen worden. Natürlich mussten wir den Ganzkörper-Schleier tragen, und die Mädchen konnten nicht nur Schule gehen.“

Den Niqab, den Schleier, hat die rundliche Frau auch nach dem Rückzug der Islamisten nicht weggeworfen. Bereits die Selbstmordanschläge und der erste Überfall eines Islamisten-Kommandos vor zwei Wochen haben ihr gezeigt, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist.

Mujao will Gao „befreien“

Die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao), die aus dem nordafrikanischen Al-Kaida-Ableger Aqmi hervorging, könnte sich mit weiteren spektakulären Aktionen zurückmelden. „Wenn der Feind stärker wird, werden wir zurückweichen, um stärker zurückzukommen – bis zur Befreiung Gaos.“ Das kündigte die Gruppierung schon am Mittwoch an.

Doch Experten warnen davor, die Gefahr der islamistischen Angriffe in Gao zu übertreiben. Die Aktionen der Mujao seien sporadisch, sagte der Reserve-Offizier Pierre Servent am Freitag dem Radiosender France Info. „In Paris sieht man ein Zerrbild.“ Die Phase der Guerilla-Angriffe sei in einem Konflikt wie in Mali „klassisch“. Doch klar ist, Frankreich kontrolliert nach dem schnellen Vormarsch in die wenigen Städte noch nicht das ganze riesige Wüstengebiet im Norden und Osten Malis.

Islamisten verboten Musik

Die Menschen in Gao hoffen, dass die Mujao sich nicht dauerhaft in der 90.000-Einwohner-Stadt zurückmeldet. Ali erinnert sich wie Aicha mit Schrecken an die Islamisten, die sogar die Musik verboten. Mit 40 Peitschenhieben wurde jeder bestraft, der Musik hörte oder spielte. Sogar die Telefone mussten auf stumm geschaltet werden.

„Viele Musiker sind aus Gao geflohen“, sagt der Malier, der selbst einer ist. „Früher konnte man hier an jeder Ecke der Stadt Musik hören.“ Doch inzwischen verzichteten die Bewohner darauf, aus Angst, dass die Mujao-Kämpfer zurückkommen. „Musik in Mali zu verbieten, das ist, also ob man die Seele des Landes töte.“

Die Hochzeit von Alis Schwester musste wegen der Islamisten abgesagt werden. Denn für die Zeremonie, mit der die Eheschließung angekündigt werden sollte, war natürlich Musik vorgesehen. „Das war verboten, deshalb konnte die Hochzeit nicht stattfinden.“ Doch Ali ist sich sicher, dass für Gao alles gut werden wird: „Bald werden die Leute wieder rausgehen, und es wird wieder Musik zu hören sein.“

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