Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Verletzte Demonstrantin

© Boris Roessler/dpa

18.03.2015

Frankfurt Massiver Gewaltausbruch bei Blockupy-Protesten

Polizeibeamte wurden von Demonstranten mit Steinen beworfen.

Frankfurt/Main – Brennende Barrikaden, Autos in Flammen, vermummte Steinewerfer: Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung und der Polizei sind in Frankfurt mehr als 220 Menschen verletzt worden.

Anlass für die Proteste, die bereits am Morgen in Gewalt umschlugen, war die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke gegen Randalierer ein und nahm 15 Personen fest. Politiker und Polizeigewerkschaften reagierten mit Entsetzen auf die Krawalle.

Am Nachmittag versammelten sich Tausende Menschen zu einer Kundgebung, anschließend war ein Demonstrationszug mit mindestens 10 000 Teilnehmern geplant. Für die Sicherheitsbehörden könnte der Umgang mit den Protesten eine Art Generalprobe für zu erwartende Aktionen gegen das Treffen der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) im bayerischen Schloss Elmau Anfang Juni sein. Am Donnerstag will sich der Bundestag mit den Krawallen befassen.

Die Proteste begannen am frühen Morgen im Umkreis der hermetisch abgeriegelten EZB-Türme und schlugen schnell in massive gewaltsame Auseinandersetzungen um – Stunden vor einem Festakt zur offiziellen Eröffnung des imposanten EZB-Baus. Demonstranten warfen Pflastersteine und Böller gegen Polizisten und Wasserwerfer. Überall in dem Stadtteil brannten Mülltonnen, Reifen oder Polizeiautos. Der Verkehr kam zum Erliegen, viele Geschäfte waren geschlossen.

Rauchschwaden zogen über das Mainufer, in der Luft lag der beißende Geruch von Tränengas. Feuerwehrwagen und Straßenbahnen seien mit Steinen attackiert, die Feuerwehr, die zu dutzenden Einsätzen ausrückte, am Löschen gehindert worden, teilte die Polizei mit. Am Mittag beruhigte sich die Lage rund um die EZB.

Nach Angaben der Polizei versuchten rund 3000 Demonstranten, das EZB-Gelände zu stürmen, wurden aber von den Beamten gestoppt. Auch ein Polizeirevier wurde angegriffen. Insgesamt waren laut Blockupy etwa 6000 Aktivisten unterwegs, davon 1000 aus dem Ausland.

Nach Polizei-Angaben wurden bis zum Nachmittag mindestens 94 Polizisten verletzt, die meisten davon durch Reizgas. Das Blockupy-Bündnis teilte mit, beim Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken durch die Polizei seien mehr als 130 Demonstranten verletzt worden.

Blockupy-Anmelder Ulrich Wilken (Linke), der einen „bunten Protest“ angekündigt hatte, zeigte sich „entsetzt und bestürzt“ angesichts der Gewalt. „Das ist nicht das, was wir geplant haben“. Gleichzeitig äußerte er Verständnis „für die Wut und die Empörung“ der Demonstranten auf die EZB-Politik. Die Zentralbank ist einer der entscheidenden Akteure bei der Bewältigung der Finanz- und Schulden-Krise, die in vielen Euro-Ländern hohe Jugendarbeitslosigkeit und wirtschaftliche Probleme zur Folge hatte.

Polizeigewerkschaften sehen in den Ausschreitungen eine neue Dimension der Gewalt. Auch viele Politiker kritisierten das Verhalten der Demonstranten. „Alle, die sich hier missbräuchlich auf Freiheitsrechte berufen, müssen mit der vollen Härte des Rechtsstaats rechnen“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). „Das Ausmaß der Gewalt spricht dafür, dass solche Aktionen seit langem geplant waren.“ Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte: „Das sind Straftäter, die da unterwegs waren.“

Bei einer vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) veranstalteten Demonstration mit rund 1000 Teilnehmern sagte der Frankfurter DGB-Vorsitzende Harald Fiedler: „Das ist total kontraproduktiv, wenn Randale gemacht wird und Polizisten angegriffen werden.“

In seiner Rede beim Festakt vor rund 100 ausgewählten Gästen ging EZB-Präsident Mario Draghi auch auf die Demonstranten und die vielen unzufriedenen Menschen im Euroraum ein, die in den vergangenen Krisenjahren Einkommen und Wohlstand verloren hätten. Als eine Institution der Europäischen Union, die eine zentrale Rolle in der Krise gespielt hat, sei die EZB in den Fokus der Frustrierten geraten, sagte Draghi. „Möglicherweise ist dieser Vorwurf nicht fair. Denn unser Handeln zielte genau darauf ab, die wirtschaftlichen Schocks abzufedern.“

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dpa / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/frankfurt-angriffe-auf-polizei-bei-blockupy-protesten-80546.html

Weitere Nachrichten

Alice Schwarzer

© Itu / CC BY-SA 3.0

Alice Schwarzer Sexuelle Belästigung Mittel der Macht

Von sexueller Belästigung sind nach Einschätzung von Alice Schwarzer vor allem Frauen betroffen, die in sogenannte Männerberufe drängen und dann als ...

Miesepeter

© vasakna - Fotolia

Ratgeber Warum man manche Menschen meiden sollte

Einige Leute bauen andere auf und pushen sie. Dann gibt es aber auch die „Exemplare“, die ihre Mitmenschen runterziehen und in ihren Vorhaben bremsen. Von ...

Aiman Mazyek - Zentralrat der Muslime 2015

© Christliches Medienmagazin pro / CC BY 2.0

Mazyek Neue Dimension von Islamhass und Rassismus

Der Zentralrat der Muslime (ZdM) hat vor einer neuen Dimension von anti-muslimischem Rassismus gewarnt. Rechte Webseiten seien mitverantwortlich für eine ...

Kardinal Marx Staat darf Begriff der Ehe nicht umdefinieren

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, mahnt "Respekt vor der Schöpfung" an. "Die Ehe sollte auf die Beziehung zwischen ...

Medienforscher „Kommunikation wird zum Dauerzustand“

Kommunikation unter Jugendlichen dauert immer länger. "Die Grenzen zwischen Kontakt und Nichtkontakt verflüssigen sich, Konversationen spinnen sich über ...

Experte Hochschulen zum Ort für islamische Reformation machen

Zum Reformationsjubiläum hat der liberale Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi dazu aufgerufen, die Hochschulen in Deutschland zu einem Ort der ...

Umfrage Jugendliche bevorzugen Kommunikation per Messenger oder SMS

Junge Deutsche kommunizieren laut einer Umfrage lieber per Messenger oder SMS, statt zu telefonieren. In der Erhebung des Branchenverbands Bitkom gaben 77 ...

Journalistin Himmelreich Aufschrei-Aktion war wirkungsvoll

Die Journalistin Laura Himmelreich empfindet Sexismus-Debatten, die überwiegend im Internet geführt werden, als wirkungsvoll. Die sogenannte ...

Bericht Emden ist Scheidungs-Hauptstadt Deutschlands

Emden in Ostfriesland ist Scheidungs-Hauptstadt Deutschlands. Wie die "Bild" (Mittwoch) unter Berufung auf Daten der Statistikämter des Bundes und der ...

Berlin Katholische Kirche für muslimischen Feiertag

Nach harscher Kritik aus der Union erhält Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Rückendeckung aus der Katholischen Kirche für seinen Vorstoß zu ...

Umfrage Begriff „Heimat“ für Deutsche positiv besetzt

Der Begriff Heimat ist für die Deutschen durchweg positiv besetzt. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid für das ...

Studie Kluft zwischen Stadt und Land wird nicht größer

Anders als in den Wochen nach der Bundestagswahl vielfach behauptet, wird die Kluft zwischen Stadt und Land in Deutschland nicht größer: Das ist das ...

Fehlerhafte Eheurkunden Gleichgeschlechtliche Paare zögern

Die Ehe für alle beschert vielen Standesämtern im Land Überstunden. Gleichzeitig geht der Städtetag Baden-Württemberg davon aus, dass viele ...

Statistisches Bundesamt Zahl der Verfahren zur Kindeswohlgefährdung 2016 gestiegen

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2016 rund 136.900 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls durchgeführt: Dies bedeutet einen ...

Studie Bevölkerung in Deutschland wächst bis 2035 auf über 83 Millionen

Die Bevölkerung in Deutschland wird bis zum Jahr 2035 auf mehr als 83,1 Millionen Menschen anwachsen, rund eine Million mehr als im Jahr 2015. Zu diesem ...

Statistisches Bundesamt Ältere Menschen leben mehrheitlich in einer Partnerschaft

Ältere Menschen ab 65 Jahren, die in einem privaten Haushalt leben, wohnen in der Regel mit einer Partnerin oder einem Partner unter einem Dach. Das teilte ...

Forscher Akademiker trinken zu viel Alkohol

Neuen Untersuchungen über das Trinkverhalten der Deutschen zufolge bilden Akademiker eine neue Risikogruppe. "Die Gebildeten sehe ich in der größten ...

Umfrage Jeder Zweite fürchtet zu geringe Absicherung im Pflegefall

Jeder zweite Deutsche hat Angst, im Fall von Pflegebedürftigkeit nicht genügend abgesichert zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag ...

Studie Frauen im Süden und Nordwesten bekommen die meisten Kinder

In ländlichen Regionen Süddeutschlands und im nordwestlichen Niedersachsen werden überdurchschnittlich viele Kinder geboren. Das geht aus einer bisher ...

Studie Zusammenhang zwischen Lehrer-Duzen und Rechtschreibung

Ob Grundschüler ihre Lehrer duzen oder siezen, ist offenbar vom Bundesland abhängig und zugleich ein Indikator für die Leistungsorientierung der Pädagogen. ...

Bundesregierung Altersarmutsrisiko in NRW deutlich gestiegen

Die Gefahr der Altersarmut hat im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen nach Daten der Bundesregierung deutlich stärker zugenommen als im ...

Ex-Ufa-Chef Bauer „Fernsehen hat eine heilsame Wirkung“

Der ehemalige Ufa-Chef Wolf Bauer glaubt an die gesellschaftliche Bedeutung von unterhaltenden TV-Formaten: "Das Fernsehen hat eine heilsame Wirkung", ...

"Familienreport" Immer mehr Kinder in armen Familien

In Deutschland leben laut des neuen "Familienreports 2017" immer mehr Kinder in armen Familien. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet über das Papier in ...

Studie Bedeutung von Lehrern mit Migrationshintergrund wird überschätzt

Der Einfluss von Lehrern mit Migrationshintergrund auf Migrantenkinder wird offenbar überschätzt. Darauf weist eine bislang unveröffentlichte Untersuchung ...

Islamexperte Terroristen werden meist in Gefängnissen radikalisiert

Für den Islam-Experten Olivier Roy ist nicht eine gescheiterte Integration die Ursache für die Radikalisierung islamischer Jugendlicher. Auch würden diese ...

Studie Homosexuelle haben andere Lebenssituation als Heterosexuelle

Die Lebenssituation von Schwulen, Lesben und Bisexuellen in Deutschland unterscheidet sich zum Teil deutlich von der Lebenslage heterosexueller ...

Umfrage Mehrheit teilt Aussage „Islam gehört zu Deutschland“ nicht

60 Prozent der Bundesbürger sind laut einer Umfrage nicht der Meinung, dass der Islam zu Deutschland gehört. In der Erhebung des ...

Statistisches Bundesamt Zahl der Inobhutnahmen 2016 um 8,5 Prozent gestiegen

Im Jahr 2016 haben die Jugendämter in Deutschland 84.200 vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen durchgeführt: Das waren 6.600 ...

Statistisches Bundesamt 14 Prozent der Erwerbstätigen nutzen öffentliche Verkehrsmittel

Im Jahr 2016 sind rund 14 Prozent der Erwerbstätigen regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit gefahren. Damit hat sich der Anteil seit dem ...

Bericht Zahl rechter Musikveranstaltungen steigt weiter an

Die Zahl rechter Musikveranstaltungen in Deutschland steigt weiter an. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der ...

Bericht Statistiker melden neuen Krippenrekord

Die Statistiker melden einen neuen Krippenrekord: Am 1. März dieses Jahres wurden rund 763.000 Kinder unter drei Jahren in einer Einrichtung oder von einer ...

Statistisches Bundesamt Kinderlosigkeit in Deutschland nicht weiter gestiegen

Die endgültige Kinderlosenquote in Deutschland ist in den letzten Jahren nicht weiter angestiegen. Die Kinderlosigkeit habe sich bei den späten 1960er- und ...

Verfassungsschutz Maaßen warnt vor Erstarken der linksextremen Szene

Nach dem G20-Gipfel hat der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, vor einem Erstarken der linksextremen Szene gewarnt. "Wir haben in ...