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Fragen nach „Tempelrittern im Zentrum

© AP, dapd

18.04.2012

Fall Breivik Fragen nach „Tempelrittern“ im Zentrum

Breivik lehnt detaillierte Auskünfte ab – Hält Todesstrafe oder Freispruch für angemessen.

Oslo – Nach seinem selbstbewussten Prozessauftritt am Vortag ist Anders Behring Breivik am Mittwoch zusehends in die Defensive geraten. Sichtlich gereizt wies er Fragen der Anklage zu seiner angeblichen antimuslimischen Organisation „Tempelritter“ zurück. „Es ist nicht in meinem Interesse, über Einzelheiten Auskunft zu erteilen, die zu Festnahmen führen könnten“, sagte der geständige Attentäter Breivik vor dem Osloer Bezirksgericht.

Gleichzeitig warf er der Polizei bei ihren Ermittlungen zu der Gruppe, in deren Namen er im vergangenen Jahr 77 Menschen getötet haben soll, Versagen vor. Zweifel der Staatsanwaltschaft an der Existenz der „Tempelritter“ seien lediglich ein Zeichen, dass die Polizei nicht ausreichend nach ihr gesucht habe, sagte Breivik.

„Auf was wollen Sie eigentlich hinaus?“, fragte Breivik Staatsanwältin Inga Bejer Engh, als sie weitere Details über die „Tempelritter“, ihre Treffen und ihre Mitglieder erfahren wollte, und antwortete dann selbst: „Sie wollen Zweifel an der Existenz des ‚Tempelritter‘-Netzwerks säen.“ Er räumte ein, es handele sich bei der Gruppe nicht um „eine Organisation im konventionellen Sinn“. Sie bestehe aus „unabhängigen Zellen“ und werde daher langfristig „eine führerlose Organisation“ sein.

„Glorifizierung gewisser Ideale“

Breivik erklärte bei der Befragung zu der Gruppe, er habe bei einer Reise nach Liberia im Jahr 2002 einen „serbischen Kriegshelden“ getroffen, der dort im Exil lebte. Einen Namen nannte er jedoch nicht.

Breivik lehnte es auch ab, Einzelheiten zu einer von ihm in seinem sogenannten Manifest beschriebenen Gründungssitzung der „Tempelritter“ 2002 in London zu nennen. Er räumte aber ein, dass er mit seiner Beschreibung der Teilnehmer als „brillante politische und militärische Taktiker Europas“ ein wenig schöngefärbt habe. Er habe eine „bombastische“ Sprache gewählt. Tatsächlich habe es sich um „Menschen von hoher Integrität“ gehandelt.

Staatsanwältin Bejer Engh fragte nach, ob er das Treffen nicht vielleicht erfunden habe. „Ich habe gar nichts erfunden. Was in dem Kompendium steht, ist korrekt.“ Allerdings müsse der Zusammenhang beachtet werden, in dem es stehe. „Es ist eine Glorifizierung gewisser Ideale“, sagte Breivik.

Frage um „Tempelritter“ entscheidend für psychischen Zustand

Die Frage um die Existenz der „Tempelritter“ – einer laut Breivik militanten nationalistischen Gruppe, die sich gegen die muslimische Kolonisierung Europas stellt – ist eine der wichtigsten in dem Fall. Sie könnte darüber entscheiden, ob er für psychisch krank erklärt wird und bei einem Schuldspruch in eine geschlossene psychiatrische Anstalt oder in ein Gefängnis eingewiesen wird.

Nach Breiviks eigener Einschätzung wäre die logische Konsequenz aus seiner Tat entweder die Todesstrafe oder ein Freispruch. Die in Norwegen geltende Höchststrafe von 21 Jahren bezeichnete er am Mittwoch als „armselig“.

Ein erstes psychiatrisches Gutachten hatte Breivik eine Psychose und Wahnvorstellungen attestiert, in einem zweiten wurde er für geistig gesund und schuldfähig erklärt.

Folgt das Gericht dem zweiten Gutachten, droht Breivik die Höchststrafe von 21 Jahren Haft in einem Gefängnis oder auch in einer anderen Einrichtung und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem er nicht mehr als Gefahr für die Gesellschaft angesehen wird. Im Falle der Unzurechnungsfähigkeit würde er so lange in eine Anstalt kommen, bis er als geheilt angesehen wird.

Breivik hat gestanden, am 22. Juli 2011 zunächst eine Bombe im Regierungsviertel von Oslo gezündet und dann auf der Insel Utöya unter den Teilnehmern eines Jugendcamps ein Massaker angerichtet zu haben.

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