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Johanna Wanka

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19.01.2015

Forschung Wanka will gegen schlechte Arbeitsbedingungen vorgehen

Die Möglichkeit, Forschern befristete Verträge zu geben, werde „teilweise ausgenutzt“.

Berlin – Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will gegen die miserablen Arbeitsbedingungen vieler Nachwuchswissenschaftler vorgehen. Die Möglichkeit, Forschern befristete Verträge zu geben, werde „teilweise ausgenutzt“, sagte die CDU-Politikerin in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe).

„Es ist indiskutabel, dass mehr als die Hälfte der Wissenschaftler bei ihrem ersten Vertrag kürzer als ein Jahr beschäftigt werden.“ Bei Doktorarbeiten müsse sich die Vertragsdauer daran orientieren, wie viel Zeit für eine Promotion normalerweise nötig sei. „Das wird selten unter drei Jahren gehen“, so Wanka.

Die Ministerin kündigte an, hierzu das Wissenschaftszeitvertragsgesetz zu überarbeiten. 84 Prozent der rund 160.000 Nachwuchswissenschaftler an deutschen Hochschulen haben laut dem jüngsten offiziellen Bildungsbericht mittlerweile Zeitverträge, ihr Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen, schreibt die SZ. Auch ein großer Teil der etwa 30.000 Mitarbeiter an Forschungseinrichtungen außerhalb der Hochschulen wie den Fraunhofer-Instituten arbeite befristet.

Nachwuchsforscher und die Bildungsgewerkschaft GEW beklagen seit Jahren eine Ausbeutung und Unsicherheit der Beschäftigten, die gerade Forscherinnen mit Kindern benachteilige. Sogar der Wissenschaftsrat als wichtigstes Beratergremium der Bildungspolitik warnte 2014 davor, die Karriere als Nachwuchswissenschaftler werde immer unattraktiver. Zeitverträge reihten sich aneinander, die sich oft erst spät als Sackgasse erwiesen, schrieb das Expertengremium.

Einer der Ursachen ist, dass Hochschulen Forschung immer häufiger über Drittmittel finanzieren – also Geld von außen, das oft nur ein paar Jahre fließt. Häufig sind die Verträge der beteiligten Forscher jedoch noch deutlich kürzer, zum Teil laufen sie nur wenige Monate. Auch dagegen will Wanka vorgehen. „Hier sollten die Verträge so lange laufen wie das Projekt, also in der Regel über mehrere Jahre“, sagte sie. Zudem dürften dauerhafte Aufgaben an Unis nicht über Zeitverträge erledigt werden.

Starre Mindestzeiten für alle Wissenschaftler lehnt sie jedoch ab. Dies wäre kontraproduktiv und würden nur Stellen kosten.

Die Koalitionsfraktionen Union und SPD verhandeln derzeit über Änderungen am Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Bisher gibt es jedoch keine Einigung.

Wanka dämpfte Erwartungen, sie werde demnächst vernachlässigte Hochschulen fördern. „Der Bund ist nicht der Ausputzer der Länder. Die Länder dürfen ihre Hochschulen nicht vernachlässigen, das ist und bleibt ihre Aufgabe“, sagte sie.

Seit einer Grundgesetzänderung Ende Dezember kann der Bund Hochschulen dauerhaft fördern. Dies war wegen der Zuständigkeit der Länder bisher nur befristet möglich. Wanka hatte zugesagt, nicht nur Spitzeninstitute zu unterstützen. Viele Unis erhoffen sich nun eine Linderung ihrer Finanznöte.

Die Ministerin verwies jedoch darauf, dass der Bund das Bafög allein übernimmt und so die Länder jedes Jahr um 1,2 Milliarden Euro entlaste. Das Geld „liegt auf dem Tisch der Länder und muss dauerhaft eingesetzt werden.“

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