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Flagge zeigen für die FDP

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19.04.2012

Lindner Flagge zeigen für die FDP

Christian Lindner stürzt sich in den NRW-Wahlkampf.

Köln – Helga Sassel erkennt Christian Lindner erst auf den zweiten Blick. Der FDP-Hoffnungsträger in NRW ist gerade schnellen Schrittes an der Honigverkäuferin und ihrem Stand auf dem Marktplatz von Mülheim vorbeigegangen. Gerne wäre die jahrzehntelange FDP-Wählerin mit dem 33-Jährigen für einen kurzen Augenblick ins Gespräch gekommen. An Themen hätte es ihr nicht gemangelt.

„Die kriegen meine Stimme nicht mehr. Feierabend“, sagt sie. Inhaltlich und personell seien die Liberalen derzeit so schlecht aufgestellt, dass Sassel am 13. Mai gar nicht mehr wählen gehen will.

Lindner tut in diesen Wochen alles daran, um an solchen Meinungen etwas zu ändern und die Nichtwähler zurück zur FDP zu holen. In Interviews geht der 33-Jährige auf Distanz zur Bundespartei, in Reden fordert er, den Staat aus den „Fesseln der Märkte“ zu befreien. Über Steuersenkungen – das Lieblingsthema der FDP in den vergangenen Jahren – verliert Lindner kein Wort. Damit enttäuschte FDP-Anhänger wieder zurückgeholt werden und die Liberalen auch nach der Wahl im Düsseldorfer Landtag vertreten sind, absolviert Lindner bis zum Wahltag über 50 Termine.

Auf dem Mülheimer Marktplatz gelingt es ihm an diesem Donnerstagmorgen allerdings nicht, das Stimmenkonto der FDP aufzubessern. Anstatt den direkten Kontakt zu Helga Sassel und den Marktbesuchern zu suchen, informiert er sich über einen bevorstehenden Bürgerentscheid in der Stadt. Es gibt Politiker im Land, die mit der Gemüseverkäuferin auf dem Markt ins Gespräch kommen würden oder sich bei dem älteren Ehepaar am Metzgerstand über deren Lebensalltag informieren. Lindner, der eher für seinen Intellekt als seine menschliche Wärme bekannt ist, lässt die Gelegenheit verstreichen.

Sichtlich wohler fühlt sich Lindner wenige Stunden später bei einem Termin in Köln. Zusammen mit jungen Unternehmensgründern diskutiert der FDP-Politiker dort über die Chancen und Risiken eines Start-ups. Bei solch einem Thema ist Lindner in seinem Element. Nicht nur, dass den Liberalen noch immer das Klischee einer wirtschaftsfreundlichen Partei anhaftet. Lindner gründete schon zu Studentenzeiten ein Internetunternehmen und kennt sich in der Materie aus. So begrüßt er die versammelten Jung-Unternehmer mit einem lockeren „Hi zusammen“ und lobt deren Mut, „ohne den Gang zur Wirtschaftsförderung und ohne Subventionen“ eine Firma aufzubauen.

Teil dieser „Wirtschaft 2.0“, wie es Lindner selbst nennt, ist Thorsten Lüttger. Er betreibt eine Internetseite, die frei verfügbare Lieder im Netz in einem Musikplayer bündelt. Lindner ist von dem Projekt so begeistert und bohrt Lüttger mit Detailfragen, dass das Gespräch irgendwann ruckartig beendet werden muss: „Wir quatschen uns hier gerade fest. Eigentlich muss ich weiter“, sagt Lindner und verabschiedet sich zum nächsten Termin.

Anders als auf dem Marktplatz hat Lindner hier überzeugen können. „Im persönlichen Gespräch kommt er wirklich sehr sympathisch rüber“, sagt Lüttger, der trotz einer „personell schwach besetzten FDP“ am 13. Mai sein Kreuzchen bei den Liberalen machen will.

Es sind momentan solche Termine, die Lindner im Wahlkampf wahrnimmt. Im Gespräch mit den jungen Unternehmensgründern, Forschern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt oder Galeristen auf der Kunstmesse ArtCologne – Lindner zeigt stellvertretend für die FDP Flagge und macht deutlich, dass die Liberalen trotz schlechter Umfragewerte noch da sind.

Zum Ende des Tages gelingt es Lindner doch noch, den Kontakt zu den Menschen auf der Straße zu suchen. Bei der Eröffnung des Kölner Straßenwahlkampfes steigt der 33-Jährige nach einer kurzen Rede von der Bühne und mischt sich unter das Volk. Auf den Vorwurf eines Hartz IV-Empfängers, die FDP kümmere sich nicht um die Armen, entgegnet Lindner: „Wir wollen, dass sie wieder Arbeit bekommen!“ Während sich eine Sozialexpertin der FDP weiter um den Mann kümmert, steigt Lindner in ein Taxi und fährt zum nächsten Termin. Kölner Arbeitgeber erwarten den FDP-Politiker zu einer Podiumsdiskussion.

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