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Finanzexperte: Ratings nicht blind vertrauen

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17.01.2012

Ratingagenturen Finanzexperte: Ratings nicht blind vertrauen

Ehemaliger Chef der Bundesfinanzagentur will Investoren stärker in die Pflicht nehmen.

Frankfurt/Main – Anstatt sich auf Ratingagenturen blind zu verlassen, sollten Investoren stärker selbst prüfen. Das forderte der frühere Chef der Bundesfinanzagentur, Gerhard Schleif, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Die Kosten einer neu geschaffenen europäischen Ratingagentur würden dagegen aus seiner Sicht ihren Nutzen übersteigen. “Wer soll die bezahlen”, fragte Schleif und fügte hinzu: “Und in der bisherigen Form brauchen wir sie eigentlich auch nicht mehr, denn ihre Rolle wird sich verändern müssen. Das gilt weltweit, denn auch das amerikanische Modell hat sich überlebt.”

Die Ratings von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch hätten “einfach zu viel Gewicht. Bei der Finanzagentur des Bundes haben wir immer interne Ratings gehabt und die der drei Großen als zusätzliche Information hinzugezogen”, sagte Schleif, der die Agentur, die für den Bund am Kapitalmarkt jährlich Hunderte Milliarden Euro aufnimmt, bis 2007 geleitet hatte. “Hätte man das überall so gemacht und sich nicht nur auf die Ratingagenturen verlassen, wären wesentliche Teile der Finanzkrise zu verhindern gewesen.”

Dafür hat Schleif zwei Argumente: Zunächst sind eigene Prüfungen teuer für diejenigen, die Geld anlegen wollen. Schon deshalb würden sich Investoren besser überlegen, wo sie investieren. Hätten die Investoren gewusst, welche Hypotheken hinter den toxischen Immobilienkrediten in den USA steckten, wäre es 2007 nie zu einer Blase gekommen.

Außerdem wäre für diejenigen, die Geld einwerben wollen, das Geschäft riskanter geworden, weil sich die Haftung ändert. “Dann hätte es nicht so viele toxische Papiere gegeben”, sagte Schleif. Die Ratingagenturen in die Haftung zu nehmen, ist aus Sicht des Finanzexperten jedoch schwierig.

Zu den zahlreichen Prozessen, die Anleger in Deutschland gegen die Bonitätsprüfer angestrengt haben, sagte er: “Ich denke, dass sie keine Ratingagentur erwischen werden. Die Ratingagenturen ziehen sich auf die Position zurück, dass sie ja die Sicht des Investors und Gläubigers vertreten, nicht die des gerateten Schuldners.”

So wie die Banken durch regulatorische Anforderungen, etwa die Erhöhung der Kernkapitalqoute, mehr tun müssen, sollen aus Sicht des Finanzexperten auch die Investoren stärker in die Pflicht genommen werden. “Den kreditgewährenden Institutionen wird mehr Verantwortung und Kapital abgefordert werden, und das sollte auch in ähnlichen Formen für Investoren gelten”, sagte Schleif.

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