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Der Kampf geht weiter

© dapd

12.02.2013

Financial Times Deutschland Der Kampf geht weiter

Mediator soll vermitteln.

Hamburg – Dick eingepackt in wärmende Jacken, mit Mützen und Handschuhen, stehen rund 20 Mitarbeiter der „Gruner + Jahr“-Wirtschaftsmedien früh am Morgen Spalier. Links und rechts aufgereiht, in den Händen große Plakate mit Aufschriften wie „kein Härtefallfonds“ oder „kein Kinderzuschlag“. Mit der Aktion „Hindernislauf“ wollen gekündigte Mitarbeiter der eingestellten „Financial Times Deutschland“ (FTD) auf die anstehenden Sozialplanverhandlungen aufmerksam machen. Vor kurzem wurde bekannt, dass Mediator Roland Lukas zwischen Verlagsleitung und Betriebsrat vermitteln soll.

Jeder der von der U-Bahnstation Baumwall zum Verlagsgebäude möchte, passiert die Protest-Tore und wird mit Flugblättern versorgt. In dem „Gruner + Jahr“-Hauptquartier sitzen auch gut laufende Magazine wie „Stern“ oder „Geo“. Die meisten der Protestler tragen zusätzlich über ihren Mänteln eine lachsfarbene Regenjacke mit dem Schriftzug der FTD. Sie fordern eine faire und gerechte Lösung, wie vom Verlag ursprünglich versprochen. „Wir sind enttäuscht vom Vorstand. Die Versprechungen, die im November gemacht wurden, hat der Verlag nicht eingehalten“, sagt Betriebsratsmitglied Falk Heunemann.

Journalisten finden keinen neuen Job

Nach und nach schließen sich immer mehr Mitarbeiter der verlagseigenen Wirtschaftsmedien dem Protest an. Auf Plakaten benennen sie die Hindernisse, die bei den Verhandlungen überwunden werden müssen: kein Härtefallfonds, kein Kinderzuschlag und nur ein halbes Monatsgehalt pro Betriebsjahr als Abfindung. Ein weiteres halbes Gehalt soll bekommen, wer auf eine Kündigungsklage verzichtet. Das sei aber zu wenig, sagt ein Mitglied des Betriebsrates. Der Betriebsrat sieht sich übergangen: Die Verlagsleitung habe nicht mal über dessen Forderungen reden wollen. Die Sozialplanverhandlungen seien deswegen Anfang Februar gescheitert.

Nach Angaben der Verlagsleitung wurde den Angestellten ein gesondertes Angebot außerhalb der Sozialplanverhandlungen gemacht. Dieses lehnt der Betriebsrat jedoch ab. Der Vorstand versuche damit nur, die Belegschaft zu spalten.

„Wir befinden uns in der größten Krise der Medienbranche. Ein Großteil der Kollegen wird keinen Job mehr im Journalismus finden“, sagt Betriebsratsmitglied Matthias Schulz.

Nicht nur die früheren Mitarbeiter der FTD sind betroffen. Gruner + Jahr hatte in den vergangenen Monaten seine Wirtschaftsblätter umstrukturiert. Im Januar verkaufte der mehrheitlich zu Bertelsmann gehörende Verlag auch das Monatsmagazin „Impulse“ und das Anlegermagazin „Börse Online“. Die Magazine „Capital“ und „Business Punk“ bleiben erhalten und werden nach Berlin verlegt. Mehr als 350 Journalisten und Verlagsmitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Betriebsrat will Druck auf Verlag mit Klagen erhöhen

Auch am Dienstag wurde wieder verhandelt. Während die Gespräche zwischen Betriebsrat und Verlag im Hauptgebäude angefangen haben, stampfen die lachsfarben gekleideten Protestler mit den Füßen auf den Boden. Sie versuchen, sich warm zu halten. Die Hände sind blau und die Nasen rot. „Aber eines ist klar“, sagt ein Mitarbeiter, „der Kampf geht weiter.“ Nächste Woche Montag werde sich die ehemalige FTD-Belegschaft beim Arbeitsgericht treffen und jeder wolle eine Kündigungsschutzklage einreichen. So soll der Druck auf den Verlag erhöht werden.

Wie es für die Angestellten weiter geht, ist noch unklar. Jetzt ruht die Hoffnung der Mitarbeiter auf dem Mediator. Der ehemalige Arbeitsrichter muss versuchen, zwischen den zerstrittenen Parteien zu schlichten und eine Einigung zu erzielen. Sollte es jedoch zu einem Patt kommen, entscheidet am Ende die Stimme des Mediators. Doch vielleicht, so wünscht es sich Schulz, fängt der Verlag an, über die Forderungen zu reden.

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