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Münchner Pragmatismus

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29.01.2012

1. Bundesliga Münchner Pragmatismus

Gomez nach Systemkritik diesmal Matchwinner beim 2:0 gegen Wolfsburg.

München – Matchwinner Mario Gomez verschwand wortlos mit einer roten Mütze auf dem Kopf. Nach dem Wirbel wegen seiner öffentlichen Kritik am Spielsystem von Trainer Jupp Heynckes unter der Woche ließ der sonst immer auskunftsfreudige Torjäger in seinem 200. Ligaspiel nur sein 17. Saisontor sprechen. Zu schematisch und wenig variabel, wie von Gomez angeprangert, war der Auftritt seines FC Bayern München auch diesmal gewesen – doch es reichte trotzdem zu einem mühsamen 2:0-Arbeitssieg gegen den VfL Wolfsburg.

Die Erleichterung ob der verteidigten Tabellenspitze im Meisterschafts-Vierkampf war spürbar, aber Zufriedenheit sieht anders aus. “Wir sind noch nicht die Bayern, die wir sein müssen”, sagte Ivica Olic. Er war nach 75 Minuten für Gomez eingewechselt worden, der die Gastgeber eine Viertelstunde vorher mit seinem Treffer aus dem Gewühl erlöst hatte. Bis dahin “war ein bisschen Angst und ein bisschen Stress” spürbar gewesen, wie es Franck Ribery formulierte.

“Wir haben die Woche viel mitgemacht. Wir sind Tabellenführer. Trotzdem wurde gesprochen, als ob wir im Mittelfeld irgendwo rumdümpeln würden. Da war selbst bei einem Verein wie uns die Selbstverständlichkeit ein bisschen weg”, erklärte Thomas Müller und beendete verstimmt das Gespräch mit den Journalisten: “Und wenn ihr noch eine Woche über Krise reden wollt, dann könnt ihr das machen.”

Der nach dem 1:3-Fehlstart gegen Borussia Mönchengladbach aufgebaute Druck fiel erst langsam ab. “Mit ein bisschen mehr Mumm”, wie es Gäste-Trainer Felix Magath formulierte, hätte Bayerns Lieblingsgegner Wolfsburg durchaus mehr als die 14. Pleite im 15. Auswärtsspiel in München mitnehmen können. Deshalb wussten auch die Gastgeber durchaus realistisch einzuschätzen, dass diese mäßige Vorstellung im Kampf gegen die drei zurzeit glanzvoll aufspielenden Herausforderer aus dem Westen nicht zum Meistertitel reichen wird.

“Das war ein verdienter Sieg, aber sicher keine glanzvolle Vorstellung”, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. “Wir hatten noch nicht das Kombinationsspiel, wie wir uns das wünschen”, meinte Toni Kroos. Und Arjen Robben ergänzte: “Wir müssen noch schneller spielen, besser das Spiel verlagern. Es war gegen Wolfsburg schon ein bisschen besser als letzte Woche – das war aber auch nicht so schwer.”

Dem Niederländer wurde das 2:0 in der Nachspielzeit gutgeschrieben. Olic hatte VfL-Torhüter Diego Benaglio überlupft, der Ball war nicht vollständig über der Linie, als Robben vom Wolfsburger Verteidiger Felipe angeschossen wurde. “Das war klar das Tor von Ivi”, sagte Robben allen Egoismus-Debatten zum Trotz: “Ich freue mich für ihn. Er ist eine super Persönlichkeit, der immer alles für die Mannschaft gibt.”

Dieser Satz war ein Ausdruck dafür, dass die Bayern nach der öffentlichen Kritik offenbar zusammengerückt sind. Immerhin das war eine positive Erkenntnis an diesem frostigen Nachmittags vor 69.000 Zuschauern, die nach 30 Minuten schon mit einem gellenden Pfeifkonzert begonnen hatten.

“Mir hat die Einstellung der Mannschaft gut gefallen. Schließlich haben wir nach dem 1:3 in Gladbach nicht vor Selbstvertrauen gestrotzt. Das gibt uns Sicherheit für die nächsten Wochen”, kommentierte Jupp Heynckes. Der Trainer sah die offensichtlichen Parallelen zur Hinrunde, in der man nach einer Auftaktpleite gegen Gladbach mit einem mühsamen Arbeitssieg gegen Wolfsburg (1:0 in der 90. Minute) die Wende geschafft hatte. Und anschließend eine Serie von acht Bundesliga-Spielen ohne Gegentor folgen ließ.

“Es sieht ähnlich aus. Und es wäre schön, wenn wir jetzt acht, neun, zehn Spiele in Folge gewinnen würden”, meinte Robben dazu: “Aber so einfach geht es leider nicht. Man kann nicht so einfach von 0 auf 100 durchstarten.”

Immerhin gab es nach dem Sieg schon mal einen Rekord zu vermelden. Jupp Heynckes feierte seinen 456. Sieg als Spieler und Trainer in der Bundesliga und überholte damit Otto Rehhagel als erfolgreichsten Akteur in der Eliteklasse. “Ich musste 66 Jahre alt werden, um den Rekord von Otto Rehhagel zu brechen”, sagte Heynckes bei Sky: “Es macht mir sehr großen Spaß, unabhängig davon, dass es nicht so einfach ist, bei Bayern München Trainer zu sein.”

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