Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Wer folgt Benedikt XVI. auf dem Stuhl Petri?

© dapd

10.03.2013

Favoriten und Außenseiter Wer folgt Benedikt XVI. auf dem Stuhl Petri?

Die Spannung steigt: Am Dienstag beginnt die Papstwahl – Alles offen.

Rom – Die Spannung steigt. Am kommenden Dienstagnachmittag werden 115 wahlberechtigte Kardinäle der katholischen Kirche in die Sixtinische Kapelle einziehen. Unter den prächtigen Fresken Michelangelos müssen die Purpurträger aus ihren Reihen unter strengster Geheimhaltung ein neues Oberhaupt für die Weltkirche wählen. Schon vorab hieß es, es könnte ein langwieriges Konklave werden. Seit Reform der Wahlregeln durch Benedikt XVI. braucht der neue Papst eine Zweidrittelmehrheit, bei 155 Kardinälen liegt das notwendige Quorum damit bei 77 Purpurträgern.

Streitigkeiten innerhalb der römischen Kurie, die schwierige Lage der Weltkirche und der Vatileaks-Skandal belasteten schon das Vor-Konklave. Schon vorab ließen die Kardinäle sich Zeit. Fünf Tage diskutierten sie im Kardinalskollegium, bevor sie einen Termin für den Start des Konklaves festlegten.

Wer folgt Benedikt auf den Stuhl Petri? Diese Frage interessiert nicht nur die weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken. Rund um den Erdball wird bereits spekuliert: Wird es ein Europäer? Oder doch der seit langem fällige Papst aus der „Dritten Welt“? Ein Papst weißer oder schwarzer Hautfarbe? Ein konservativer Hardliner, wie es Joseph Ratzinger war, oder der von vielen ersehnte moderate Pontifex? Das Thema ist heikel, die Spekulationen zahlreich, die Hoffnungen brennend.

Bis Palmsonntag – zum Beginn der Karwoche am 24. März, hofft der Vatikan, den Gläubigen einen neuen Pontifex präsentieren zu können. Darüber wer das sein könnte, scheiden sich bis zuletzt die Geister.

Großbritannien wettet, Rom spekuliert

In Großbritannien stiegen die Wetten. Als Favoriten wurden dabei von den britischen Buchmachern zwei Italiener und ein Afrikaner ausgemacht: Der Erzbischof von Mailand Angelo Scola (71), der umstrittene Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78) sowie Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson (64) aus Ghana.

In Rom hingegen kursierten auch andere Namen. Als Topfavoriten gaben einschlägige italienische Medien neben dem Mailänder Scola auch einen Brasilianer mit deutschen Wurzeln aus: Den 63-jährigen Erzbischof von Sao Paolo, Kardinal Odilo Pedro Scherer. Aber auch die Amerikaner könnten höher im Kurs liegen. Im Gespräch als zukünftiger Pontifex war dabei zuletzt sowohl Kardinal Sean Patrick O’Malley, der sich als Erzbischof von Boston einen Namen im Kampf gegen den Missbrauchsskandal machte. Um die Opfer mit mehr als 75 Millionen Euro entschädigen zu können, verkaufte er unter anderem das erzbischöfliche Palais.

Sein Kollege, der 72-jährige Donald William Wuerl aus Washington, ging von einem langen Konklave aus. „Viel hängt von den ersten Tagen ab, da es noch keine feste Auswahl der Kandidaten gibt“, sagte Wuerl wenige Tage vor Beginn der Papstwahl. Mit einem schon vorher ausdiskutierten Profil des neuen Kirchenführers könnte das bevorstehende Konklave am Ende doch unerwartet kurz sein, hatten Medien zuvor spekuliert.

Welchen Typ Papst braucht die Kirche?

Doch worauf kommt es an bei dem viel diskutierten Profil des neuen Pontifex? Scola ist zwar Europäer, gilt aber als kurienfern. Damit könnten ihm eventuell auch die Stimmen amerikanischer, osteuropäischer und deutscher Papstwähler zufließen, spekulierten italienische Medien. Der Brasilianer Scherer soll hingegen ein Mann der Kurie sein, würde aber den Traum eines nichteuropäischen Papstes erfüllen. Das neue Kirchenoberhaupt sollte aus einer Region kommen, wo die Kirche noch dynamisch und aktiv sei, und er sollte nicht älter als 67 Jahre alt sei, wünschte sich der südafrikanische Kardinal Wilfrid Fox Napier (72) in der Turiner Tageszeitung „La Stampa“. Es werde hoch hergehen im Konklave, spekulierte Papst-Biograph und Vatikanist Andreas Englisch vorab im Interview mit dem Magazin „Der Spiegel“.

„Auf der einen Seite sind die Italiener, die das Amt für sich zurückhaben wollen. Auf der anderen Seite steht die Globalisierungsfraktion, die sagt: Nach einem Polen und einem Deutschen muss es ebenso global weitergehen“, fügte er hinzu.

Die zahlreichen Probleme, denen sich die Kirche in der nächsten Zukunft stellen muss, vom Missbrauchsskandal über Vatileaks, von der Neuevangelisierung bis zur Christenverfolgung, scheinen einen jüngeren und starken Papst notwendig zu machen. Doch bis zuletzt war klar: Alles ist möglich und Überraschungen sind ganz und gar nicht ausgeschlossen.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/favoriten-und-aussenseiter-wer-folgt-benedikt-xvi-auf-dem-stuhl-petri-61821.html

Weitere Nachrichten

Michael Mittermeier 2009

© Smalltown Boy / CC BY-SA 3.0

Michael Mittermeier „Mein Umfeld ist heute arschlochfreie Zone“

Comedian Michael Mittermeier (50) erklärt in der aktuellen GALA (Ausgabe 44/16, ab morgen im Handel), warum er seit drei Jahren nicht mehr auf großen ...

Lena Gercke 2011

© Manfred Werner (Tsui) / CC BY-SA 3.0

Lena Gercke „Das Thema Kinder rückt näher“

Top-Model und Moderatorin Lena Gercke will wieder vermehrt in ihrer Heimat arbeiten. "Ich habe mich bewusst entschieden, dass ich mehr Zeit in Deutschland ...

Hermann Gröhe CDU 2014

© J.-H. Janßen / CC BY-SA 3.0

Behandlungen im Ausland Krankenkassen könnten 18 Milliarden sparen

328 Milliarden kosten deutsche Patienten pro Jahr - Tendenz steigend. Eine Studie zeigt: Die Krankenkassen könnten 18 Milliarden Euro sparen, wenn sie ...

Weitere Schlagzeilen