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Opposition fordert Rücktritt des Bezirksleiters

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01.02.2012

Fall Chantal Opposition fordert Rücktritt des Bezirksleiters

Freistellung der zuständigen Chefin des Jugendamtes für CDU und Linke nicht ausreichend.

Hamburg – Auf der Suche nach den Verantwortlichen im Todesfall der elfjährigen Chantal gerät der zuständige Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) immer mehr ins Zentrum der Kritik. Die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und Linke forderten am Mittwoch den Rücktritt Schreibers. Statt zur Führungsverantwortung eines Bezirksamtsleiters zu stehen, verstecke sich dieser hinter anderen und versuche, sich als Opfer darzustellen. “Das ist charakterlos und lässt nur einen Schluss zu: Markus Schreiber ist als Bezirksamtsleiter nicht länger tragbar”, sagte der CDU-Familienpolitiker Christoph de Vries.

Schreiber hatte auf der Sitzung des Familienausschusses der Bürgerschaft am Dienstagabend zwar Fehler eingeräumt, allerdings hauptsächlich aufseiten des zuständigen Jugendamtes und des freien Trägers Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE). Bei den Sozialarbeitern habe in Bezug auf Chantals Pflegefamilie eine Art “Betriebsblindheit” geherrscht, sodass Hinweisen auf eventuellen Drogenkonsum der Pflegeeltern und Mängeln bei der Wohnsituation nicht ausreichend nachgegangen worden sei.

Als Konsequenz hatte Schreiber die Leiterin des verantwortlichen Jugendamtes, Pia Wolters, freigestellt. Seit Mittwoch ist sie bis auf Weiteres von ihren Aufgaben entbunden. Das Bezirksamt Mitte will nun eine neue Anstellung für Wolters finden. Sie soll unterdessen noch bei der weiteren Aufklärung des Todesfalls mitwirken. Eigentlich hat Schreiber laut seinen eigenen Angaben eine solche Freistellung bereits 2009 nach dem Tod von Lara Mia vorgehabt. Das erst neun Monate alte Mädchen war an Unterernährung gestorben, die trotz Betreuung durch Mitarbeiter des Jugendamtes monatelang nicht bemerkt wurde. “Es ist aber nun mal nicht so einfach jemanden von A nach B zu versetzen”, sagte Schreiber.

Dass der Bezirksamtsleiter aber nicht bereits 2009 personelle Veränderungen vorgenommen hat, wird jetzt mit zum schärfsten Kritikpunkt gegen ihn. “Nach dem tragischen Tod von Lara Mia hat er offensichtlich nicht die richtigen Konsequenzen gezogen. Schreibers Äußerungen und sein Umgang mit dem Tod von Chantal machen deutlich, dass er kaum in der Lage sein wird, die grundlegenden strukturellen Veränderungen umzusetzen”, sagte der Sprecher für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik der Linken-Fraktion, Mehmet Yildiz.

Die elfjährige Chantal war am 16. Januar nach der Einnahme des Heroin-Ersatzstoffes Methadon gestorben. Die Pflegeeltern nehmen seit Jahren an einem Methadon-Programm teil. Gegen sie und den leiblichen Vater des Mädchens besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung. Auch gegen die zuständigen Jugendhilfe-Einrichtungen wurde durch die Hamburger Staatsanwaltschaft am Dienstag ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Für die deutsche Kinderhilfe sind Fehler in der Kinder- und Jugendhilfe wie bei Chantal ein bundesweites Problem. Daher müsse Hamburg mit den Erfahrungen aus Ermittlungen und Aufklärung auch zu einer bundesweiten Lösung des Problems beitragen, sagte ein Sprecher der Kinderhilfe. Dafür solle sich die Hansestadt im Bundesrat einsetzen.

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