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Facebook macht interaktiven Lebenslauf zur Pflicht

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25.01.2012

Medien Facebook macht interaktiven Lebenslauf zur Pflicht

Datenschützer befürchtet Gefahr für die Privatsphäre der Nutzer.

Berlin/Hamburg – Facebook lässt seinen gut 20 Millionen deutschen Nutzer keine Wahl mehr: Das soziale Netzwerk macht seine interaktiven Lebensläufe “Chronik” (englisch “Timeline”) zur Pflicht. Am Mittwoch bestätigte eine Sprecherin von Facebook in Hamburg, dass in den nächsten Wochen alle klassischen Profile mit der neuen Darstellung ersetzt werden. Datenschützer sind alarmiert und warnen vor Gefahren für die Privatsphäre der Nutzer.

In der “Chronik” können Nutzer die Einträge ihrer Freunde auch über Jahre zurück abrufen – und dabei gezielt in Jahren oder auch Monaten nachschlagen. Stellt ein Nutzer die Möglichkeit nicht ab, so wird unter anderem auch sichtbar, wann er sich mit anderen Nutzern via Facebook “befreundet” hat. Außerdem versucht Facebook, über die interaktiven Lebensläufe an historisches Material seiner weltweit gut 800 Millionen Nutzer zu gelangen: Sie haben nun die Möglichkeit, Fotos aus ihrer eigenen Vergangenheit nachzutragen – bis zur Geburt.

Die deutsche Facebook-Sprecherin Tina Kulow betonte, “jede und jeder hat sieben Tage, um sich mit der Chronik hoffentlich anzufreunden”. Dahinter steht, dass die Plattform die klassischen Profile nicht von einer Sekunde auf die andere umstellt, sondern jedem Nutzer per Vorwarnung eine Woche Zeit gibt, seine persönliche “Chronik” zu bearbeiten. Nutzer können Einträge dabei bewusst verbergen und haben auch nachträglich die Option, Elemente in der “Chronik” auszublenden.

Daten- und Verbraucherschützer hatten bereits vor der “Chronik” gewarnt, als Nutzer diese noch freiwillig aktivieren konnten. Mit der jetzt angekündigten Pflicht schwillt die Kritik erneut an. “Die Hauptgefahr besteht wohl darin, dass der Nutzer angeregt oder angeleitet wird, aus seiner Vita Daten preiszugeben, die er zuvor nicht preisgegeben hätte”, sagte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar der Nachrichtenagentur dapd. Damit werde der Nutzer immer transparenter.

Mit Blick auf den Umstand, seine Daten innerhalb von sieben Tagen bearbeiten zu können, sagte Caspar, “da Facebook nun offenbar selbst den Zeitpunkt bestimmen wird, wann für einen Nutzer die Timeline-Ansicht aktiviert wird, muss ein deutlich längerer Übergangszeitraum eingeräumt werden”. Statt sieben Tage wie bei der freiwilligen Umstellung seien “mindestens vier Wochen erforderlich”.

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