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Facebook als digitales Erbe?

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19.03.2012

Vermächtnis Facebook als digitales Erbe?

US-Staaten wollen Umgang mit Profilen verstorbener Nutzer regeln.

Lincoln/USA – Als ihr Sohn vor sieben Jahren bei einem schweren Motorradunfall ums Leben kam, wandte sich Karen Williams in ihrer Trauer an Facebook. Über das soziale Netzwerk hoffte die Amerikanerin, mehr über Loren zu erfahren, der nur 22 Jahre alt wurde. So stieß sie auf dessen Passwort. Das Internetunternehmen bat sie in einem Brief, das Konto nicht zu löschen, damit sie die Pinnwandeinträge und Kommentare von Lorens Freunden lesen könne. Aber innerhalb von zwei Stunden habe Facebook das Passwort geändert, erzählt Williams.

„Ich wollte vollen und ungehinderten Zugang – und sie haben das vereitelt. Es war herzzerreißend.“ Nach einem zweijährigen Rechtsstreit errang Williams schließlich einen Teilsieg: Facebook gewährte ihr für zehn Monate Zugriff auf die Seite ihres Sohnes. Danach wurde sein Konto gelöscht.

Williams‘ Geschichte ist kein Einzelfall. Immer mehr Internetnutzer dokumentieren ihre Lebenswirklichkeit inzwischen mithilfe sozialer Netzwerke. Damit ist die Zahl der Streitfälle über deren virtuelle Hinterlassenschaften gestiegen.

Als erster US-Staat reagierte Oklahoma im vergangenen Jahr mit einem neuen Gesetz auf den Trend: Dort müssen Facebook und weitere soziale Online-Netzwerke nun Freunden und Verwandten Zugriff auf die Konten sozialer Netzwerke verstorbener Angehöriger erlauben, sofern diese in dem Staat lebten. Damit erhob der Staat die Inhalte zum digitalen Vermächtnis einer Person.

„Andenken, Schuhschachteln mit Fotos – wie wir das weitergeben, wissen wir“, sagt der frühere Abgeordnete Ryan Kiesel, der den Gesetzesentwurf in Oklahoma ausformulierte. „Wir wollten, dass das Gesetz und die Anwälte auch den digitalen Nachlass berücksichtigen.“ Inzwischen brüten auch Abgeordnete und Anwälte in Nebraska über einem ähnlichen Entwurf.

Bislang können Todesanzeigen bei Facebook in einem Online-Dokument aufgegeben werden. Wenn die soziale Plattform vom Tod eines Nutzers erfährt, versetzt sie dessen Profil sozusagen in einen Denkmalstatus. Bestimmte Informationen werden gelöscht, private Daten können nur von Freunden eingesehen werden. Das Profil und die Pinnwand bleiben jedoch offen, damit Hinterbliebene mit Einträgen ihrer Verstorbenen gedenken können. Auf Wunsch enger Verwandter kann ein Profil auch gänzlich gelöscht werden.

Das Gesetz von Oklahoma habe Facebook überrascht, sagt Firmensprecher Tucker Bounds. Das Unternehmen arbeite mit den Abgeordneten in Nebraska nun eng an dem jüngsten Entwurf. Wie viele Bürger Zugang zu Konten von Bewohnern Oklahomas beantragt hätten, wollte Facebook nicht verraten. Das komme jedoch relativ selten vor, hieß es nur.

Als nächstes könnte nun auch Oregon dem Vorbild Oklahomas folgen. Derzeit befasst sich die Justizbehörde OSB mit dem Thema, im nächsten Jahr soll ein Gesetzesentwurf eingebracht werden. Die geplante Regelung sehe auch „einen virtuellen Nachlassbrief“ vor, der neben Online-Informationen und Passwörtern auch Anweisungen beinhalte, was bei einem Todesfall zu tun sei, sagt Anwältin Victoria Blachly. Wie viele andere habe sie sich mit dem Thema befasst, nachdem eine junge Verwandte gestorben sei. „Einige Leute sagen: ‚Wen interessiert es schon, wenn ich von einem Bus überfahren werde?'“, sagt Blachly. „Die Menschen, die dich lieben, kümmert es sehr.“

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