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Bald eine Billion Euro in EZB-Angstkasse

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31.01.2012

Finanzkrise Bald eine Billion Euro in EZB-Angstkasse

Commerzbank-Aufsichtsratschef Müller spricht von gigantischer Subvention ausländischer Banken.

Frankfurt/Main – Die nächste Welle der Geldschwemme kommt: Die Europäische Zentralbank (EZB) plant, den Banken der Eurozone eine weitere Rekordleihe zu gewähren. Die für Ende Februar terminierte Aktion könnte aus Sicht vieler Beobachter die knappe halbe Billion Euro übertreffen, die im Dezember verliehen worden war. Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen, dass die Institute mit dem Geld der Wirtschaft helfen, wie es eigentlich gedacht war.

Das Geld fließt ständig zur EZB zurück. Zahlen der Notenbank von Dienstag zeigen, dass die Banken nur rund neun Milliarden Euro angelegt haben. Der Rest, rund 480 Milliarden Euro, floss in die Angstkasse der EZB zurück. Dort hinterlegen die Banken das Geld nachts, weil sie es nur bei der EZB für sicher halten, und bekommen auch noch einen kleinen Zins von 0,25 Prozent dafür.

Marktbeobachter erwarten, dass mit der nächsten Leihe Ende Februar die Billionen-Euro-Marke der Angstkasse zum ersten Mal gesprengt werden könnte. Die Wirtschaft dürfte hingegen wenig von der Summe haben. “Wo wollen wir denn mit der ganzen Kohle hin?”, fragte ein Frankfurter Geldhändler, dessen Haus wegen der hohen Kundeneinlagen ohnehin selten über Liquiditäts-Mangel klagen muss.

Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller kritisiert die Geldschwemme-Politik der EZB inzwischen offen als riesige Subvention kränkelnder Geldhäuser außerhalb Deutschlands. Während die “honorigen” deutschen Banken vorgesorgt hätten, würden jetzt diejenigen belohnt, die nicht so gut gewirtschaftete hätten, sagte er am Montagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main. Das Geld sei überproportional an Banken außerhalb Deutschlands geflossen.

Die Banken horten das Geld, sind sich Währungshüter, Banker und Beobachter einig. Mit dem Wasserbett aus Liquidität wollen die rund 520 Institute, die sich das Geld im Dezember besorgt hatten, sicherstellen, dass sie zu jederzeit über genügend Liquidität verfügen. Besonders bei Großaufträgen, bei denen etwa Staaten oder Industrieunternehmen Rechnungen begleichen, sei das wichtig. Seit Beginn der Finanzkrise leihen sich die Banken untereinander fast nichts mehr, so dass die EZB diese Lücke mit enormen Geldspritzen nun schließen musste.

Für die Operation am 29. Februar erwarten auch die Währungshüter eine weitere Zunahme der Liquidität im Bankensystem. Offen sprechen wollen sie darüber nicht. Hinter vorgehaltener Hand verweisen sie aber auf eine Besonderheit der Aktion: Nicht nur sollen die Banken soviel Geld wie sie wollen für bis zu drei Jahre zu einem Prozent Zins bekommen – die Sicherheiten, die sie dafür hinterlegen müssen, sind auch von schlechterer Bonität.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte bereits Anfang Dezember angekündigt, dass die Liste der zugelassenen Sicherheiten auf solche mit besonders schlechter Bonität ausgeweitet werde. “Dadurch steigt der Anreiz, alle problematischen Kredite bei der EZB zu hinterlegen”, sagte ein Geldmarkthändler in Hannover. Dadurch werde die EZB zur ultimativen Bad Bank in der Eurozone.

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