Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Taxi-Fahrer

© über dts Nachrichtenagentur

02.11.2014

Experten Mindestlohn treibt Taxigewerbe in die Schwarzarbeit

„Wer ehrlich ist, muss Stellen streichen.“

Berlin – Der ab Januar geltende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird dem Taxigewerbe bundesweit hart zusetzen: Unternehmensberater und Verbände gehen davon aus, dass die Branche nicht nur viele Stellen wird abbauen müssen, sondern dass ein großer Teil der Beschäftigten in die Schwarzarbeit abrutscht, weil sich die Firmen den Lohn nicht leisten können, berichtet die „Welt am Sonntag“.

„Unter dem Vorzeichen des Mindestlohns werden sich besonders in den Großstädten die eher halbseidenen Unternehmen durchsetzen“, sagte Thomas Krause, von der Unternehmensberatung Krause und Linne. „Die guten Betriebe dagegen werden schrumpfen. Wer ehrlich ist, muss Stellen streichen.“

Bundesweit sind rund 70.000 Taxis mit etwa 140.000 Fahrern im Einsatz, schätzt der Bundesverband. Der typische Taxifahrer verdient derzeit zwischen 6,50 und 7,50 Euro pro Stunde, schreibt die Zeitung. Selbst höhere Preise für Taxifahrten dürften das Problem kaum lösen. „Mehr als 15 bis 17 Prozent gibt der Markt nicht her“, analysiert Krause. Und das reiche nicht für 8,50 Euro Stundenlohn.

Der Grund für das Dilemma sind nicht zuletzt die langen Standzeiten vieler Taxifahrer, in denen sie auf die nächsten Fahrgäste warten müssen. Die Folge: „Notfalls muss der Unternehmer aus eigener Tasche aufstocken, sonst können ihn die Fahrer auf die Erstattung der Differenz verklagen“, warnte der Arbeitsrechtler Marc Hendrik Spielberger von der Kanzlei ReedSmith. Die Firmen kämen damit schnell an den Rand des Ruins.

Unternehmensberater Krause geht daher davon aus, dass viele Taxiunternehmer und Fahrer den Mindestlohn nur spielen werden. Die Fahrer würden wie bislang weiter nach Umsatz entlohnt, nur werde dieser dann auf 8,50 Euro Mindestlohn umgerechnet. Bislang ehrliche Taxi-Unternehmer würden damit in die Illegalität gedrängt, ihre Fahrer in die Schwarzarbeit.

„Der Mindestlohn ist die Quadratur des Kreises – auch wenn die soziale Idee dahinter richtig ist“, sagte Detlev Freutel, Berliner Taxiunternehmer und Chef des Taxi Verbands Berlin Brandenburg (TVB).

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/experten-mindestlohn-treibt-taxigewerbe-in-die-schwarzarbeit-74476.html

Weitere Nachrichten

Kaiser’s Tengelmann AG

Kaiser’s Tengelmann AG © Okfm / CC BY-SA 3.0

Verbraucher Kartellamt erwartet nach Tengelmann-Verkauf steigende Preise

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, erwartet steigende Preise, nachdem Edeka nun Kaiser's Tengelmann übernimmt. "Die vier Handelsketten ...

E.ON Ruhrgas-Zentrale Essen

© Wiki05 / Public Domain

Sparprogramm "Phoenix" Eon-Chef kündigt Stellenabbau an – vor allem in Essen

Der Energiekonzern Eon will zahlreiche Arbeitsplätze in der Verwaltung abbauen. "Eon wird dezentraler. Das heißt, dass vor allem in der zentralen ...

Sigmar Gabriel SPD 2015

© A.Savin / CC BY-SA 3.0

Bürokratiekosten Gabriel will Unternehmen um 3,9 Milliarden Euro entlasten

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) plant, Unternehmen bei Bürokratiekosten um 3,9 Milliarden Euro pro Jahr zu entlasten. "Mit der Reform der ...

Weitere Schlagzeilen