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Experten kritisieren Steinbach wegen Aussage zu Kriegsschuld

Oldenburg/Gießen – Der Vertriebenen-Experte Samuel Salzborn und der Osteuropa-Historiker Hans Henning Hahn haben die Äußerungen von Erika Steinbach (CDU) zu Polen und der Kriegsschuld scharf kritisiert. Bei der Aussage der Vertriebenen-Chefin handele es sich um eine Auffassung, „die in rechtsradikalen Kreisen verbreitet ist“, sagte Hahn, Professor für osteuropäische Geschichte an der Uni Oldenburg, der „Frankfurter Rundschau“. Hahn nannte es einen „Skandal“, dass diese Form des historischen Revanchismus nun auf höchster politischer Ebene der Republik auftauche.

Steinbachs Äußerungen zeigten, „auf welchem intellektuell-wissenschaftlichen Niveau sich die Vertriebenenverbände befinden“, sagte Samuel Salzborn, Politologe an der Universität Gießen. „Man muss sich vor Augen halten, dass da nicht irgendeine beigeordnete Politikerin spricht, sondern die Chefin des Bundes der Vertriebenen und Menschenrechtssprecherin der Unionsfraktion. Sie spricht etwas aus, das „wie ich fürchte in ihrem Verband sogar mehrheitsfähig ist: Nämlich den Gedanken, dass die Kriegsschuld nicht allein und eindeutig bei Deutschland liegt.“

Laut Salzborn drücken sich die organisierten Vertriebenen seit Jahrzehnten darum herum, klar zu sagen, dass Flucht und Vertreibung das Ergebnis des Nationalsozialismus und des deutschen Angriffskrieges seien. „Stattdessen wird ständig nach Schuld und Verantwortung bei den osteuropäischen Nachbarn gesucht“, sagte Salzborn.

Zur Rolle der Vertriebenen-Chefin beim Streit um die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ sagte Salzborn: „Man kann nicht wirklich offen und ernsthaft über die gemeinsame Vergangenheit sprechen, wenn man denen, die mit am Tisch sitzen, das Ergebnis des Gesprächs diktiert. Und das will der Bund der Vertriebenen. Das hat mit Versöhnung nichts zu tun.“

09.09.2010 © dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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