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14.07.2010

Experten klagen gegen Hessen wegen Lottospielens per Internet

Frankfurt – Ein neues Projekt zum Lottospielen per Internet bereitet dem Land Hessen großen Ärger. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, hat der von den Ländern selbst eingesetzte Fachbeirat Glücksspielsucht das hessische Innenministerium vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden verklagt. Er hält die in Hessen noch für diesen Monat geplante Möglichkeit, Lottoscheine über den neuen E-Postbrief der Deutschen Post anzufordern und zu verschicken, für „suchtanreizend und verboten“. Sie verstoße gegen das Internetverbot im Glückspielstaatsvertrag. Außerdem habe es Hessen versäumt, die Meinung des Fachbeirat einzuholen.

Die sieben Experten bewerten das hessische Projekt als äußerst riskant, weil es die Gefahr der Spielsucht erhöhe. Dank des E-Briefes müsse „ein Spielsuchtgefährdeter nur noch einmal seine gewohnte und sichere Umgebung verlassen“, um sich in einer Postfiliale anzumelden, heißt es in der Klage. Anschließend kann er regelmäßig allein am heimischen Computer tippen. Dadurch werde „eine leichte Flucht aus der Realität ermöglicht“. Der Kontakt zu Mittippern oder Lottoverkäufern entfalle, und damit auch Hemmschwellen. Verfasst hat die Klage der Hannoveraner Juraprofessor Ulrich Haltern. Er spricht von einem „offenkundigen Rechtsverstoß“. Auch die meisten anderen Bundesländer wundern sich über die einsame Entscheidung in Wiesbaden.

Den Chef von Hessen Lotto, Heinz-Georg Sundermann, hat die am Dienstag eingereichte Klage überrascht. „Ich halte es für völlig ausgeschlossen, dass durch unser Angebot eine erhöhte Suchtgefahr entsteht“, sagt er der Zeitung. Schließlich werde das Tippen per E-Brief zwischen 23 und 6 Uhr in der Nacht gesperrt. Jede Woche dürften nicht mehr als 250 Euro gesetzt werden. Generell handele es sich nur um eine kleine Änderung am bisher üblichen Verschicken von Tippscheinen auf Papier. Die Post will ihren E-Postbrief an diesem Mittwoch präsentieren. Das hessische Projekt soll dann unmittelbar starten.

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© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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