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Polizisten

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22.10.2012

Nach Berliner Prügelattacke Experten fordern mehr Polizeipräsenz

„Das ist ein neues Phänomen.“

Berlin – Nach der tödlichen Prügelattacke auf den 20-jährigen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz fordern Experten und Politiker mehr Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit. Heinz Buschkowsky (SPD), Bürgermeister von Berlin-Neukölln, beobachtet bei immer mehr jugendlichen Straftätern eine „latente Tötungsabsicht“. „Das ist ein neues Phänomen“, sagte der SPD-Politiker der „Welt“ (Montagausgabe).

Buschkowsky sprach sich für eine stärkere Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit aus, um Übergriffe einzudämmen. „Wenn es einen Brennpunkt gibt wie den Alexanderplatz mit ständigen Alkoholexzessen, über die seit drei, vier Jahren diskutiert wird, muss man etwas tun.“ Der Vorschlag des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU), an einem solchen Ort eine Präsenzwache einzurichten, sei „vernünftig“. Der Bernauer Jugendrichter Andreas Müller sagte dem Blatt: „Wir lassen rechtsfreie Räume zu und bekämpfen sie nicht genug.“ Mal passiere es in der S-Bahn, mal an einem international angefahrenen Ort wie dem Alexanderplatz. „Natürlich hilft hier Polizeipräsenz.“

Bei kriminellen Jugendlichen beobachtet Müller eine immer brutaler werdende Gewalt. „Die gehen heute aus Spaß einfach auf andere los, das ist erschreckend“, sagt er. Kriminologen sehen allerdings keine Zunahme bei der Gewaltkriminalität. „So schlimm die einzelnen Vorfälle sind: Wir sind in Deutschland weit entfernt von Verhältnissen wie in einigen französischen Vorstädten oder amerikanischen Großstädten“, sagt der Konstanzer Kriminologe Gerhard Spiess, der auf die Entwicklung von Jugend- und Gewaltkriminalität spezialisiert ist, der Zeitung.

Die Gefahr, Opfer von Straßenkriminalität zu werden, sei nachts und im Umfeld von Discos oder Bars am größten. Opfer und Täter würden sich dabei sowohl im Alter als auch im sozialen Hintergrund ähneln. „Täter- und Opfergruppen überlappen sich teilweise.“

Die Angst vieler älterer Menschen, von aggressiven Jugendlichen angegriffen zu werden, sei hingegen statistisch nicht begründet – ebenso wie der Eindruck, dass die Häufigkeit von schweren Gewaltdelikten in Deutschland zunehme, betonte Spiess. Die Diskrepanz zwischen den Zahlen und der Einschätzung von Gewalt erklärt der Kriminologe mit der intensiven Berichterstattung von Gewaltexzessen im öffentlichen Raum. Dies führe zu einer verzerrten Wahrnehmung.

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