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Afrika-Cup: Europa entsendet seine Stars nach Afrika

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17.01.2012

Fußball Afrika-Cup: Europa entsendet seine Stars nach Afrika

Auch einige Bundesliga-Klubs von Afrika-Cup-Abstellungen betroffen.

Köln – Der FC Augsburg scheint Glück zu haben: Nando Rafael wird voraussichtlich in den nächsten Tagen zu seinem Verein zurückkehren und nicht für Angola beim Afrika-Cup in Äquatorialguinea und Gabun (21. Januar bis 12. Februar) antreten. Rafael weilt zwar beim Team, dürfte aber wohl nicht mehr rechtzeitig vor Turnierbeginn eine Spielgenehmigung der FIFA erhalten. Weil der 28-Jährige zwar für die deutsche U21, nie aber für das A-Team gespielt hat, sollte die Spielgenehmigung des Bürgerkriegswaisen, der mit acht Jahren in die Niederlande flüchtete, eigentlich kein Problem sein. Doch Angolas Fußballverband reichte erst am Montag einen formalen Antrag bei der FIFA ein – unter Umständen zu kurzfristig.

Während der FC Augsburg in den kommenden Wochen also mutmaßlich auf seinen Offensivspieler zurückgreifen kann und nur unter der Abwesenheit von Marokkos Nationalkeeper Mohamed Amsif leiden wird, geht es dem VfB Stuttgart da etwas schlechter. Die Schwaben müssen – je nach Verlauf des Afrika-Cups – möglicherweise bis zum 13. Februar auf gleich drei Spieler verzichten. Am schwersten wiegt dabei wohl der Ausfall des Ivorers Arthur Boka, der den Schwaben nach 2008 und 2010 zum dritten Mal wegen des Afrika-Cups nicht zur Verfügung steht. Ibrahima Traore und Mamadou Bah kamen dagegen in der Hinrunde kaum zum Einsatz. Sie wurden von Trainer Michel Dussuyer für Guinea nominiert, das dank des 2:2-Ausgleichstreffers von Traore gegen Nigeria zum Cup reist.

Die Elfenbeinküste mit Hannovers Didier Ya Konan hat es in der Gruppe B mit dem Sudan, Burkina Faso und Angola zu tun. Während Guinea eher zu den Außenseitern zählt und die Spieler mutmaßlich bereits frühzeitig wieder zu ihren Klubs zurückkehren dürften, geht Bokas und Ya Konans Heimatland als Topfavorit ins Turnier. Es ist damit zu rechnen, dass die Spieler des Teams um Leitwolf Didier Drogba vom FC Chelsea erst nach dem Endspiel am 12. Februar ihren Klubs wieder zur Verfügung stehen werden.

Unter den Bundesligisten wird wohl vor allem der SC Freiburg unter dem Afrika-Cup leiden. Mit Papiss Demba Cisse und Garra Dembele fällt beim Tabellenletzten ein Großteil der Sturmbesetzung aus. Toptorjäger Cisse gehört zum Aufgebot des Geheimfavoriten Senegal, dem auch der ehemalige Hoffenheimer Demba Ba angehört. Dembele wird in der Startformation Malis erwartet, das mit einem jungen, aber sehr talentierten Team zum Afrika-Cup reist. Beim Vorrundenspiel gegen Guinea gibt es ein Wiedersehen der Bundesliga-Kollegen.

In England sind die Klagen wegen der hohen Zahl an Abstellungen dagegen – wie gewohnt – erheblich lauter. Etliche Topspieler der Premier League fehlen ihren Vereinen bereits seit dem 7. Januar, dem Beginn der von der FIFA vorgeschriebenen Abstellfrist. Vor allem der FC Chelsea hadert erneut mit den tiefen Einschnitten in seinem Spielerkader. Als vor zwei Jahren mit Didier Drogba, Salomon Kalou, John Obi Mikel und Michael Essien gleich vier Schlüsselspieler fehlten, bangten die Londoner wochenlang um ihre Titelchancen. Am Ende reichte es aber doch – nicht zuletzt dank Drogbas 29 Saisontoren.

Profitieren könnte Manchester United, das erneut keinen Spieler beim Afrika-Cup dabei hat, denn Manchester City, Uniteds Hauptrivale im Kampf um die englische Meisterschaft, beklagt einen starken Aderlass. Abwehrchef Kolo Toure ist ebenso für die Elfenbeinküste dabei wie sein Bruder Yaya. Vor allem Yaya Toures Ausfall wird City nicht so leicht wegstecken können. Der Mittelfeldchef der Citizens, der im Dezember zu Afrikas Fußballer des Jahres gekürt wurde, wies in der Hinrunde der Premier League die beste Statistik aller Akteure in punkto Zweikampfstärke und Passsicherheit auf. “Solche Ausfälle kann vielleicht der FC Barcelona über Wochen verkraften. Wir können das noch nicht”, klagte City-Coach Roberto Mancini.

Dem französischen Klub Olympique Marseille fehlen derweil in den kommenden Wochen nicht weniger als fünf Stammspieler. Vor allem der Ausfall der Ayew-Brüder Andre und Jordan wird für die Südfranzosen nicht aufzufangen sein, zumal die beiden Söhne von Abedi Pele im Kader von Mitfavorit Ghana stehen.

Vor allem in England, wo die Spieler bis zu acht Liga- und Pokalspiele verpassen, wird seit langem gefordert, den Afrika-Cup in die europäische Sommerpause zu verlegen. Dieses Ansinnen lehnt der afrikanische Fußballverband CAF aber unverändert ab, weil in vielen Ländern Afrikas im Sommer die Regenzeit Einzug hält. Nur zu einem Eingeständnis an den weltweiten Fußballkalender ließ sich die CAF überreden: Der Afrika-Cup wird ab der nächsten Auflage nur noch in den ungeraden Kalenderjahren stattfinden, um ihn nicht bei jeder zweiten Auflage in einem WM-Jahr ausrichten zu müssen. Bedeutet: Auch im nächsten Winter wird es wieder Diskussionen um Abstellungen zum Afrika-Cup geben. Dann findet er im Januar und Februar 2013 in Südafrika statt.

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