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EURO 2012 in der Ukraine vor leeren VIP-Tribünen?

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02.05.2012

Fall Timoschenko EURO 2012 in der Ukraine vor leeren VIP-Tribünen?

Nach Barroso sagen auch die österreichische Regierung und die niederländische Königsfamilie ab.

Kiew – Die EURO 2012 in der Ukraine droht zur Fußballeuropameisterschaft der leeren VIP-Tribünen zu werden. Reihenweise hagelt es Absagen. Nachdem EU-Präsident José-Manuel Barroso Anfang der Woche sein Fernbleiben bekannt gab, folgten am Mittwoch die Regierungen Österreichs und der Niederlande.

Auch die niederländische Königsfamilie wird nicht nach Kiew oder gar Charkiw reisen. Ursprünglich war geplant, dass Königin Beatrix zum Spiel Deutschland gegen die Niederlande am 13. Juni ins ostukrainische Charkiw reisen wollte. Daraus wird nun nichts. „Jede Regierung muss auf die Menschenrechte achten. Die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und andere Oppositionspolitiker sollten medizinisch versorgt werden“, zitiert die Zeitung „Ukrainska Prawda“ den niederländischen Außenminister Uri Rosenthal.

Wie die Royals aus Dänemark und England reagieren werden, ist noch nicht bekannt. Beide Teams absolvieren ihre Gruppenspiele in der Ukraine.

Auch die österreichische Regierung wird im Juni nicht in die Ukraine reisen. Obwohl Wien traditionell gute Verbindungen zur Ukraine hat, möchte man sich nicht mit der Regierung aus Kiew in die VIP-Lounge setzen.

„Der Ministerrat verständigte sich auf ein Zeichen der Solidarität mit der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko“, schreibt die Tageszeitung „Die Presse“. Mit dem Boykott solle ein Signal gegen den Umgang der ukrainischen Justiz mit der Oppositionspolitikerin gesetzt werden. Timoschenko fehle der Zugang zur Gesundheitsversorgung, auch stehe der Vorwurf der „politischen Justiz“ im Raum. Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann sprach von einem „sichtbaren Signal“, um Besorgnis auszudrücken und erklärte, dass Österreich die deutsche Vorgangsweise unterstütze.

Nach den VIP-Absagen wird der Ruf nach einem allgemeinen Fan-Boykott immer lauter. Doch das wollen die ukrainischen Gastgeber mit aller Macht abwenden. „Ich fände es traurig, wenn man uns den Rücken zukehren würde. Wir einfachen Leute können an der politischen Großwetterlage eh nichts ändern“, sagt Raissa Malenko. Die 49-Jährige ist Lehrerin und besucht gerade ihre Tochter in Kiew. Viele Ukrainer haben sich auf das große Fußball-Fest mit hunderttausenden Gästen gefreut. „Dann wäre hier auch mal was los“, sagt der 16-jährige Dennis.

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hält einen politischen und sportlichen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine für nicht sinnvoll. Wichtiger sei, dass diejenigen, die ins Land reisen, auf die Menschenrechtssituation aufmerksam machen, fordert Wolfgang Grenz, Generalsekretär von Amnesty International Deutschland. Dabei sollten sie nicht nur die Freilassung Timoschenkos pochen. Auf Polizeistationen gebe es regelmäßig gewaltsame Übergriffe von Beamten. Im AI-Jahresbericht heißte es, dass das ukrainische Innenministerium sogar Quoten aufstelle, wieviele Verhaftete pro Monat die örtlichen Polizisten präsentieren müssen.

Deutsche Politiker sollten ihren Ukraine-Besuch dazu nutzen, um in Interviews und Gesprächen mit ukrainischen Politikern die Menschenrechtssituation im Land anzuprangern, rät Amnesty. Zudem sollten sie sich mit Menschenrechtsverteidigern treffen und sich die Lage im Land aus deren Sicht schildern zu lassen.

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