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EU-Kommissionspräsident Barroso warnt eindringlich vor Pleite Griechenlands

© UN Photo / Aliza Eliazarov

09.10.2011

Griechenland EU-Kommissionspräsident Barroso warnt eindringlich vor Pleite Griechenlands

Brüssel – Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso hat eindringlich vor einer Pleite Griechenlands gewarnt. In einem Interview der „Bild-Zeitung“ sagte Barroso, die Folgen einer Pleite seien „unabsehbar“. Der Wohlstand im gesamten Euroraum sei in Gefahr. Zugleich kritisierte Barroso, dass viele Euro-Länder seit der Einführung der gemeinsamen Währung zu viele Schulden gemacht hätten. Es habe eine „Orgie des Konsums“ gegeben.

„Wenn wir Griechenland aufgeben, gibt es die große Gefahr, dass die Krise auf andere Länder übergreift“, warnte Barroso im „Bild“-Interview. Die Eurozone habe bisher keine Erfahrungen mit der Überschuldung und der drohenden Pleite eines Mitgliedslandes, betonte er. „Wir bewegen uns auf Neuland und diskutieren Lösungen, von denen keine wirklich erprobt ist.“ Aber die EU sei überzeugt, dass eine Pleite Griechenlands „für alle Beteiligten nicht billiger als die jetzt aufgespannten Rettungsschirme“ sei. Die Folgen einer möglichen Pleite und eines Austritts Griechenlands aus dem Euro seien dagegen unabsehbar.

Barroso: „Es gibt die große Gefahr, dass die Krise auf andere Euro-Länder übergreift. Dann könnte der ganze Euroraum – die Wirtschaft und der Wohlstand aller – ins Wanken geraten.“ Deshalb versuche die EU, „Barrieren gegen eine Ansteckung anderer Länder“ aufzubauen. „Es geht längst nicht mehr allein um Griechenland. Es geht darum, den Euro als Ganzes zu sichern. Es geht darum, wie Europa insgesamt in der Welt gesehen wird: als ein Kontinent, der an Problemen scheitert, oder als ein Kontinent, der Probleme löst.“

Kritik übte der EU-Kommissionspräsident an den langsamen Fortschritten der Reformen in Griechenland. Die griechische Regierung habe umfangreiche Sparprogramme in Angriff genommen und auch erste Erfolge erzielt. „Aber es ist noch nicht gelungen, sich aus der Schuldenfalle zu befreien“, sagte Barroso. „Die Reformen müssen schneller kommen. Sonst verliert Griechenland seine Glaubwürdigkeit.“

Zugleich verteidigte Barroso den Euro. Die Währung als Ganzes dürfe man nicht in Frage stellen, „nur weil einige Länder Probleme mit ihren Schulden haben“. Der Euro habe sich seit seiner Einführung bewährt. „Er ist die zweitwichtigste Währung in der Welt, die Inflation ist niedriger als zu D-Mark-Zeiten und das Wegfallen von Wechselkursrisiken hat Unternehmen mehr Sicherheit in ihren Geschäftsbeziehungen und damit Wachstumsmöglichkeiten und Beschäftigungssicherheit beschert.“

Allerdings warf der EU-Kommissionspräsident den Schuldenländern im Euroraum vor, zu leichtfertig Schulden gemacht zu haben. Der Wohlstand in vielen Ländern seit der Einführung des Euro sei „zu einem beachtlichen Teil mit Schulden erkauft“ worden , sagte Barroso. „Es gab plötzlich eine starke Währung mit niedrigen Zinsen. Das führte zu einer Illusion von Reichtum, einer Orgie des Konsums in vielen Ländern. Das müssen wir jetzt korrigieren.“

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