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„Es sah aus wie im Krieg

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25.01.2012

Grubenunglück „Es sah aus wie im Krieg“

Explosion in Grube Luisenthal vor 50 Jahren.

Völklingen – Mit ernster Miene schaut Armin Schmitt auf die lange Liste mit den Namen jener Bergleute, die am 7. Februar 1962 ums Leben kamen. An diesem schwarzen Mittwoch ereignete sich tief unter der Oberfläche von Saarbrücken und Völklingen der verheerendste Unfall in der rund 250-jährigen Geschichte des industriellen Bergbaus an der Saar. Eine gewaltige Grubengas- und Kohlenstaubexplosion erschütterte am frühen Morgen die Grube Luisenthal und tötete 299 Bergmänner.

“Wie in jedem Jahr werden wir auch in dieses Mal eine Gedenkveranstaltung organisieren”, sagt Schmitt, der Vorsitzender des “Bergmannvereins Glück Auf 1963 Luisenthal” ist. “Dafür haben wir unseren Verein gegründet. Nur wird die Veranstaltung dieses Mal etwas größer ausfallen.”

Schmitts Vater war als Mitglied der Gas- und Grubenschutzwehr am Unglückstag pausenlos im Einsatz, um Kameraden zu retten. Später berichtete er seinem Sohn von diesen dramatischen Stunden und Tagen. Das Grubenunglück, das schwerste Nachkriegsdeutschlands, erregte weltweites Aufsehen. “Von überall kamen damals die Kondolenzschreiben”, sagt Schmitt, der beruflich seinem Vater folgte und 32 Jahre als Bergmann in der Grube schaffte, wie es im Saarland heißt.

Zur zentralen Gedenkveranstaltung des Luisenthaler Bergmannvereins am 7. Februar werden dieses Jahr mindestens tausend Teilnehmer am 1965 errichteten Mahnmal der Heiligen Barbara erwartet, darunter Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) sowie Vertreter der RAG-Konzernspitze.

“Ab 7.45 Uhr werden wir für jeden verstorbenen Kameraden ein rotes Grablicht entzünden, dazu wird der Trompeter aufspielen”, schildert Schmitt den Ablauf. “Es folgt ein ökumenischer Gottesdienst in der Christkönig-Kirche, ein Trauermarsch durch den Völklinger Stadtteil Luisenthal und die abschließenden Kranzniederlegungen am Barbara-Denkmal. Eines ist ganz wichtig, es ist keine Gedenkfeier. Es gibt dabei nichts zu feiern.”

Schmitts Kollege und Freund Aloys Zimmermann räumt mit einem bis heute im Saarland kursierenden Gerücht auf. “Bei 300 Toten hätte es einen Staatstrauertag gegeben, aber es waren entgegen anderer Meldungen genau 299 Opfer. Die Liste mit allen Namen wurde doch in der Werkszeitung im März 1962 veröffentlicht. Nicht auszudenken, wenn dabei einer gefehlt hätte”, sagt er.

Zimmermann, der 35 Jahre im Bergbau tätig war und bis heute Vorsitzender der Vertrauensleute der Gewerkschaft IG BCE ist, war am Tag des Unglücks sieben Jahre alt. “Ich ging nach der Schule nach Hause und überall in Altenkessel lagen diese Gullideckel auf der Straße. Ein Freund meinte im Scherz, dass wohl die Grube in die Luft geflogen sei. Und dann ist genau das passiert.” Fast in jedem Haus seiner Saarbrücker Nachbarschaft hatte einer der verstorbenen Männer gewohnt. “Und auf dem nahen Friedhof hob ein Radlader Massengräber aus. Es sah hier damals aus wie im Krieg.”

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