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Erstes Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen eröffnet

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16.01.2012

Theologie Erstes Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen eröffnet

Bildungsministerin Schavan betont Bedeutung für Dialog zwischen den Religionen.

Tübingen – Das bundesweit erste Zentrum für Islamische Theologie ist am Montag an der Universität Tübingen offiziell eröffnet worden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) betonte bei der Eröffnungsfeier dessen Bedeutung für die Verständigung zwischen den Religionen. Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland begrüßte das neue Institut als “Meilenstein” für die muslimische Religionsgemeinschaft.

Schon seit Beginn des Wintersemesters sind 23 Frauen und 13 Männer im Bachelor-Studiengang “Islamische Theologie” eingeschrieben. Geplant sind auch ein Master- und ein Lehramts-Studiengang. So sollen an dem Zentrum auch erstmals an deutschen Universitäten Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Nach Plänen des Bundesbildungsministeriums bekommen in den nächsten Jahren rund 700.000 Schüler islamischen Religionsunterricht. Dafür würden knapp 2.000 Lehrer benötigt. In Deutschland leben etwa vier Millionen Muslime.

Bei der Eröffnungsfeier sagte Bildungsministerin Schavan: “Heute ist ein guter Tag für die Eberhard-Karls-Universität, für den Forschungsstandort Deutschland, vor allem aber für den Dialog der Religionen, für die Theologie im Haus der Wissenschaft und für den internationalen Austausch der Religionen und der Wissenschaft.”

Nach Tübingen sollen auch an anderen Universitäten Zentren für Islamische Theologie entstehen. Als nächstes ist ein Institut in Münster/Osnabrück geplant, Frankfurt/Gießen und Nürnburg-Erlangen sollen folgen. Die insgesamt vier Zentren werden vom Bund gefördert. In Tübingen beteiligt er sich mit vier Millionen Euro in den ersten fünf Jahren. Die Restsumme zahlen die Universität und das Land Baden-Württemberg.

Leiter des Instituts ist der Koranwissenschaftler Omar Hamdan. Eine Professorin und zwei Juniorprofessoren unterrichten Islamische Glaubenslehre, Islamisches Recht sowie Geschichte und Gegenwartskultur des Islam. Die Professur für Islamische Religionspädagogik ist noch nicht besetzt.

Bundesbildungsministerin Schavan betonte, die Religionen würden heute noch gebraucht. “Auch die moderne Gesellschaft lebt aus ihren kulturellen und spirituellen Quellen.” Die Religionen würden jedoch vielfältiger. Umso wichtiger sei es, “zu verstehen, was dem Anderen heilig ist”. Die Gesellschaft solle die “religiöse Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung empfinden”, sagte Schavan.

Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, Bekir Alboga, sagte, in Deutschland würden Muslime “von rechtsradikaler Gesinnung als fremd und Feind verfolgt und abgelehnt, aber auch von der Mehrheit schief beäugt, ja oft diskriminiert”. Das “negative Bild vom Islam und Muslimen” ergebe sich auch daraus, “dass wir juristisch noch nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt werden”.

Alboga begrüßte daher das neue Zentrum für Islamische Theologie. Es zeige “die Anerkennung des Islam als Religion auf Ebene der vielfältigen Universitätslandschaft”.

Lob kam auch von Baden-Württembergs Bildungsministerin Theresia Bauer (Grüne). Sie sagte, das Zentrum sei “so etwas wie ein Quantensprung” und “eine einmalige Chance zu zeigen, wie sehr es uns ernst ist mit der Teilhabe unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger”. Islamischer Religionsunterricht zeige “Kindern und Jugendlichen muslimischen Glaubens auch, dass sie mit ihrem Glauben gleichberechtigter Teil des schulischen Lebens hier im Land sind”.

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