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Erste Anhörung zu Untergang

© AP, dapd

04.03.2012

Costa Concordia Erste Anhörung zu Untergang

Vorverhandlung vor Gericht in Grosseto – Experten zur Auswertung von Stimmenrekorder benannt.

Grosseto – Unter großem Andrang Betroffener hat am Wochenende die gerichtliche Aufarbeitung des dramatischen Untergangs der „Costa Concordia“ begonnen. Zu einer Vorverhandlung in Grosseto kamen am Samstag hunderte Anwälte von Passagieren sowie Überlebende der Schiffskatastrophe vom 13. Januar. Der Andrang war so stark, dass die nichtöffentliche Anhörung in einem Theater statt dem Gerichtsgebäude abgehalten wurde.

Der Tag war Verfahrensfragen gewidmet. Das Gericht benannte vier Sachverständige zur Analyse aufgezeichneter Daten und Gespräche sowie weiteren Beweismaterials. Sie sollen ihre Erkenntnisse bei einer Anhörung am 21. Juli vorlegen. Staatsanwalt Francesco Verusio hatte bereits erklärt, die Auswertung des Stimmenrekorders der „Costa Concordia“ könne mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Bei der Auswertung dürften die Gespräche von Kapitän Francesco Schettino mit seinen Offizieren und mit der Küstenwache besondere Aufmerksamkeit erfahren. Sie sollen Aufschluss über die Ursache und den Verlauf des Unglücks bringen. Bekannt wurde bereits ein Streit zwischen Schettino und der Küstenwache, in dem der Kapitän wiederholt aufgefordert wurde, auf sein Schiff zurückzukehren.

Schettino wird vorgeworfen, für den Tod von Passagieren verantwortlich zu sein und die „Costa Concordia“ verlassen zu haben, als sich noch zahlreiche Urlauber und Besatzungsmitglieder an Bord befanden. Der Kapitän, der in seiner Wohnung nahe Neapel unter Hausarrest steht, war bei der Anhörung am Samstag nicht anwesend. Seine Anwälte gelangten durch eine Hintertür in den Saal.

Die Staatsanwaltschaft muss letztlich darüber entscheiden, ob sie einen Prozess gegen Schettino, weitere Schiffsoffiziere und Vertreter des Kreuzfahrtunternehmens Costa Crociere beantragt. Entscheidend dafür könnten Erkenntnisse der Experten zur Geschwindigkeit des Schiffs, seiner exakten Route und den von Kapitän und Offizieren erteilten Kommandos sein.

„Heute ist erst der Anfang“, sagte Francesco Compagna, der einige Passagiere und ein verletztes Besatzungsmitglied vertritt. Er erwarte keine schnellen Entscheidungen, doch müssten die Ermittlungen in alle Richtungen geführt werden.

Entschieden wurde am Samstag auch darüber, welchen betroffenen Parteien es gestattet wird, zivilrechtliche Klagen mit den strafrechtlichen Ermittlungen zu verbinden. Abgewiesen wurden entsprechende Anträge unter anderem von Einwohnern der Insel Giglio und von Umweltgruppen. Der Anwalt der Einwohner von Giglio, Pier Paolo Lucchesi, kritisierte, die Entscheidung von Richterin Valeria Montesarchio teile die Betroffenen „in Oberliga und Unterliga“.

Die „Costa Concordia“ war mit etwa 4.200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen und gekentert. Schettino soll vom vorgeschriebenen Kurs abgewichen und zu nah an die Küste von Giglio gefahren sein. 32 Menschen wurden nach der Havarie tot aufgefunden oder gelten als vermisst.

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