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Ermittlungen gegen Mutter nach Kinderleichen-Fund

© dapd

23.04.2012

Erkner Ermittlungen gegen Mutter nach Kinderleichen-Fund

Jugendamt wollte Kontakt zur Tatverdächtigen aufnehmen.

Erkner – Nach dem Fund eines toten Kleinkinds in Erkner südöstlich von Berlin steht die Mutter im Verdacht, ihre Tochter umgebracht zu haben. Gegen die 20-Jährige wird wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Ulrich Scherding, am Montag auf dapd-Anfrage sagte.

Die Polizei hatte am Samstag die 20-Jährige in ihrer Wohnung mit der Leiche des vier Jahre alten Mädchens entdeckt. Das Jugendamt des Landkreises Oder-Spree hatte offenbar wenige Tage vor dem Tod des Kindes mehrmals versucht, mit der aus Norddeutschland stammenden jungen Mutter in Kontakt zu treten.

Bislang konnte die Beschuldigte noch nicht vernommen werden, wie Scherding sagte. „Die Frau ist in einem sehr labilen Zustand.“ Auf richterliche Anordnung sei sie am Sonntag in eine psychiatrische Einrichtung gebracht worden. Worunter sie leide, könne noch nicht gesagt werden. Einen Vorabbericht der „Bild“-Zeitung, wonach die Frau manische Depressionen habe und drogen- sowie medikamentenabhängig sei, bezeichnete Scherding als Spekulation.

Polizisten waren auf die Kinderleiche gestoßen, weil von der Großmutter des toten Mädchens ein Hinweis eingegangen war. Die in Norddeutschland wohnende Frau hatte die Beamten alarmiert, nachdem sie von ihrer Tochter angerufen worden war, wie Scherding sagte.

Ob die Tatverdächtige – wie von der „Bild“ berichtet – das Kind mit einem Kissen erstickte, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Auch zu den Angaben der Zeitung, wonach die Frau offenbar versuchte, sich selbst umzubringen, machte er keine Angaben.

Die Frau lebte Scherding zufolge alleine mit ihrer Tochter und ist derzeit nicht berufstätig. Ihr aktueller Lebenspartner sei nach bisherigem Ermittlungsstand nicht der Vater des Mädchens.

Nach Angaben des Landkreises wollte das Jugendamt mit der 20-Jährigen reden, weil der in Woltersdorf (Kreis Oder-Spree) lebende Großvater väterlicherseits sich einen besseren Umgang mit ihr gewünscht habe. Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Kindeswohls habe es nicht gegeben, hieß es. Weder Großvater noch Nachbarn, Kita oder Jugendämter hätten mögliche Missstände erwähnt.

In den vergangenen Jahren habe das Kind zeitweise bei den Großeltern in Woltersdorf gewohnt – seit November 2011 lebe die Mutter in Erkner, davor unter anderem in Rostock.

Die Untersuchungen laufen indessen weiter, wie der Staatsanwaltschaftssprecher sagte. Es würden Zeugen aus der Nachbarschaft und dem familiären Umfeld der Beschuldigten befragt. Auch Jugendämter sollen hinzugezogen werden.

Erst im Februar war in Hohen Neuendorf nördlich von Berlin ein totes Baby gefunden worden. Die 28 Jahre alte Mutter räumte damals ein, das Neugeborene auf dem Grundstück ihrer Eltern versteckt zu haben. Im Dezember 2011 war in Potsdam ein totes Neugeborenes in einem Garagenkomplex entdeckt worden. Die Mutter ist bisher unbekannt.

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