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Erkenntnis: „Stecken in der Scheiße

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23.02.2012

FC Bayern München Erkenntnis: „Stecken in der Scheiße“

Bayern München taumelt in Basel tiefer in die Krise – Rummenigge appelliert an Teamgeist.

Basel – Es war mucksmäuschenstill, als um exakt 00.01 Uhr am frühen Donnerstagmorgen im Ballsaal „Sydney“ die bittere Wahrheit alle verschönenden Erklärungsversuche zunichtemachte. „Wir müssen jetzt alle zusammen hart arbeiten, um aus der Scheiße, die wir uns selbst eingebrockt haben, herauszukommen“, sagte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Manuel Neuer schluckte, Kapitän Philipp Lahm blickte zu Boden: Nach dem 0:1 (0:0) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel schrillen die Münchner Alarmglocken immer lauter.

„Ihr müsst wach werden, böse werden. Und am Sonntag geht es los, meine Herren“, forderte Rummenigge in seinem fünfminütigen Appell an Team- und Kampfgeist. In der Vorstandsetage geht die berechtigte Angst um, dass der Rekordmeister nach dem Meistertitel im Rückspiel am 13. März nun auch der Traum vom großen Heimfinale „verbaselt“. „Ihr habt den Fans etwas versprochen. Es macht keinen Sinn, zu glauben, die Dinge regulieren sich von selbst“, erinnerte Rummenigge die zerknirschte Mannschaft, die beim traditionellen Mitternachtsbankett weder geräucherte Bodenseefelchen noch Roastbeef Swiss Gourmet mit Rahmschwarzwurzel wieder aufrichten konnten.

Es dauerte keine 15 Minuten nach der deutlichen Rede, bis der letzte Spieler das Weite gesucht hatte – die bittere Erkenntnis im Gepäck. „Wenn wir unsere Probleme nicht lösen, werden wir keine Erfolge feiern“, sagte Mario Gomez und nahm als einziger Spieler das K-Wort in den Mund: „Naja, wenn wir jetzt keine Krise haben, wann dann?“, fragte der Nationalspieler. Die Jubel-Bayern der Hinserie haben sich binnen weniger Wochen in eine taumelnde Truppe verwandelt. Rummenigge, dessen Wutrede unter der Woche die Wirkung deutlich verfehlt hatte, konnte sich selbst nicht erklären, „was passiert ist zwischen Weihnachten und heute. Man macht sich so seine Gedanken.“

Es brodelte an jeder Ecke. In der Kabine wurde es wenige Minuten nach Abpfiff laut. Gegenseitigen Schuldzuweisungen, frustrierte Superstars: „Ja, aber das bleibt in der Kabine“, kommentierte Toni Kroos lediglich. Franck Ribery hatte seinen Unmut über die erneut unkreative und keineswegs souveräne Leistung bereits Luft gemacht, als er Trainer Jupp Heynckes bei seiner Auswechslung den Handschlag verweigerte. „Ja mein Gott, sind wir denn hier im Mädchenpensionat?“, schimpfte Uli Hoeneß auf „Sky“. Die von Franz Beckenbauer geforderte „Explosion“ ist bis Sonntag ist wohl eher neben dem Platz zu erwarten. Von Rummenigges in Erinnerung gerufenem „Einer für alle, alle für einen“ fehlt momentan jede Spur.

Heynckes wirkte bei einem Gläschen „Dolcetto D’Alba“ in der Nacht zum Donnerstag, als grüble er weiterhin, wie „Selbstverständnis und Leichtigkeit“ (Kroos) zurückkommen sollen. Nach dem zweiten Rückschlag binnen vier Tagen gerät vor dem Prestigespiel am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Schalke 04 auch der 66-Jährige zunehmend unter Druck. Noch richtet sich die Kritik der Bosse ausschließlich an die Mannschaft. Droht im kommenden „Höllenvierteljahr“ (Hoeneß) aber die zweite titellose Saison in Folge, wird auch er in Frage stehen.

Momentan zumindest eint den strauchelnden Rekordmeister die Hoffnung. „Es geht weiter“, sagte Lahm, Sportdirektor Christian Nerlinger zeigte sich „nichtsdestotrotz zuversichtlich, dass wir das Viertelfinale erreichen“. Wie schnell es vorbei sein kann, hatte der Basler Reservespieler Valentin Stocker vor 36.000 frenetisch feiernden Schweizern mit seinem Last-Minute-Tor (86.) gezeigt.

„Immerhin besser als gegen Freiburg“, sagte Kroos, Lahm hatte „vom Engagement bis Leidenschaft alles gesehen“. Nur Neuer versuchte sich nicht an der kollektiven Beschönigung der bitteren Pleite: „Wir müssen selbstkritisch sein. Fußball stelle ich mir anders vor.“

Zuhause sei man „immer gut für ein, zwei Tore“, führte Lahm fort. Dass zwei Tore gegen den Schweizer Meister keine Leichtigkeit sind, wissen die Bayern spätestens seit Mittwoch. Das Basler Märchen soll nach dem historischen Einzug ins Achtelfinale weiter gehen: „Aber es wird unglaublich schwer, denn Bayern München ist einer der besten Klubs der Welt“, sagte der ehemalige Bundesliga-Spieler Marco Streller. Er musste selbst lachen bei seiner Aussage.

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