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Windräder

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24.06.2012

Energiewende Banken sehen Finanzierung skeptisch

Studie „Konsequenzen der Energiewende“.

Berlin – Der Beitrag der Banken zur Finanzierung der Energiewende in Deutschland fällt möglicherweise geringer aus, als dies Energie- und Umweltpolitiker erwarten.

„In Kernbereichen der Energiewende ist derzeit eine Projektfinanzierung nur sehr eingeschränkt möglich“, warnte Lutz Diederichs, Vorstand der HypoVereinsbank Corporate & Investmentbanking im Gespräch mit der Tageszeitung „Die Welt“ (Montagausgabe). Diese Einschränkungen bezögen sich „auf die Hälfte der Gesamtkosten der Energiewende von rund 335 Milliarden Euro bis 2030“. Wegen der unsicheren technischen, politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen beim geplanten Umbau der Energieinfrastruktur in Deutschland könnten die Banken „ihre klassische Rolle als Kreditfinanzierer“ hier nicht mehr uneingeschränkt spielen.

Erschwerend kämen die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken nach „Basel III“ hinzu: Sie „begrenzen und verteuern die für die Energiewende typischen langfristigen, großvolumigen und mit starken Unsicherheiten behafteten Investitionen“, erklärte Diederichs. Die Banken werden daher immer stärker als Vermittler zwischen Projektsponsoren und Finanzinvestoren agieren.“

Diederichs verwies auf eine Studie zu den „Konsequenzen der Energiewende“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsinstitut (HWWI) im Auftrag der Großbank erstellt hat und die der „Welt“ vorliegt. HWWI-Studienleiter Michael Bräuninger hat darin die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung einem Plausibilitätstest unterzogen. Ergebnis: Über das gesamte Spektrum der Maßnahmen hinweg gebe es „zum Teil erhebliche Schwierigkeiten, die beschlossene Energiewende im geplanten Zeitrahmen wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen“.

„Die Diskussion über die Finanzierung der Energiewende hat gerade erst begonnen“, sagte Hypovereinsbank-Vorstand Diederichs. Zwar sei grundsätzlich ausreichend Kapital zur Finanzierung der Energiewende verfügbar. Doch seien die gesamten Rahmenbedingungen so unsicher, dass die typischen Projektfinanzierungen bei der Hälfte der Energiewende-Projekte in den kommenden zwanzig Jahren nur eingeschränkt möglich seien.

„Ein Großteil der Maßnahmen zur Erreichung der politisch gesetzten Ziele können in ihren Einnahme- und Ausgabewirkungen nicht ausreichend abgeschätzt werden, so dass der Cash Flow der Projekte schwierig zu kalkulieren ist“, sagte Diederichs. „Sollte die Politik keine Maßnahmen ergreifen, die für eine Absicherung des Cash Flow sorgen, können Banken und sonstige Investoren im Zeitplan der Energiewende nicht ausreichend Mittel bereit stellen.“

Unproblematisch zu finanzieren seien aus Sicht der HVB derzeit etwa Windkraft-Anlagen an Land („onshore“) oder Dach-Solaranlagen. Doch damit sei bestenfalls die Hälfte der Energiewende abgedeckt. In anderen Kernbereichen, wie Offshore-Windkraft, Energiespeichern, Reservekraftwerken und Netzen sei der Cash Flow für eine Kreditfinanzierung zu unsicher. Aufgrund vielfältiger Risiken sei es „häufig nicht möglich, die Kosten und Einnahmen der Projekte verlässlich zu prognostizieren“, erklärte Diederichs.

Dasselbe treffe auch auf die sogenannten „Swing Capacities“ zu: Stromspeicher oder Gaskraftwerke, die nur dazu dienen sollen, die jeweilige Über- oder Unterproduktion von erneuerbaren Energien abzupuffern.

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