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24.03.2010

EMI will Musikrechte an Konkurrenz vermieten

London – Der strauchelnde Musikriese EMI kämpft verzweifelt gegen die drohende Insolvenz. Nun will das Major-Label offenbar auch das hauseigene Tafelsilber verpfänden. Bisher unbestätigten britischen Medienmeldungen zufolge plant der Konzern, die Rechte an Künstlern wie den Beatles, Blondie oder Norah Jones zu verleihen. Gegen eine „Gebühr“ von 400 Mio. Pfund (444,7 Mio. Euro) würde ein Konkurrent den umfangreichen Nordamerika-Musikkatalog fünf Jahre lang managen. Mit dem Geld könnte die EMI-Mutter Terra Firma eine Zwangsübernahme durch den Gläubiger Citigroup verhindern.

„Ein Tonträger-Produzent finanziert sich hauptsächlich über den Tonträger-Verkauf. In dieser Struktur ist es schwierig, angemessen auf die Marktverhältnisse zu reagieren. Die Labels stellen sich dieser Herausforderung jeden Tag“, meint Beat Högger, Sprecher des Verbands der Schweizer Musikwirtschaft IFPI. Von illegalen Downloads und Filesharing sei die gesamte Branche massiv betroffen. Die herrschende Gratismentalität sei ein gewichtiger Faktor. „Die Musikindustrie ist aber sehr agil und nimmt die Herausforderung an“, betont Högger.

Künstler-Zustimmung nicht erforderlich

Mindestens 120 Mio. Pfund müsste Terra Firma von Investoren auftreiben, um Kreditverpflichtungen bei der Citigroup erfüllen zu können. Andernfalls könnte die Bank die Kontrolle über die EMI schon Mitte Juni übernehmen. Die Rechte an dem Musikkatalog spielen Angaben der Times zufolge allein in Nordamerika jährlich rund 100 Mio. Pfund ein. Das betroffene Repertoire ist vom wirtschaftlich gesunden EMI-Verlag getrennt. Dieser habe die Rechte an den Songs selbst inne, nicht jedoch an deren Aufnahmen.

Sollte die EMI einen Mieter für den Musikkatalog finden, würde sich das Label mit dem bestehenden Portfolio teilweise vom weltweit größten Musikmarkt zurückziehen. Mit den drei anderen Major-Labels Universal, Sony und Warner Music seien bereits Gespräche aufgenommen worden. Vonseiten der Künstler benötigt Terra Firma offenbar keine Zustimmung, um ihre Werke zu lizenzieren. Angesichts der Finanzprobleme der EMI hatten einige Musiker und Bands jedoch ohnehin bereits erwägt, das Label zu verlassen.

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