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Emden setzt Zeichen gegen Selbstjustiz und Hass

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11.04.2012

Mordfall Lena Emden setzt Zeichen gegen Selbstjustiz und Hass

Solidaritätsveranstaltung mit allen Opfern und Betroffenen – Lenas Familie begrüßt Aktion.

Emden – Emden will sein durch den Mordfall Lena entstandenes Image als Stadt des Hasses und der Lynchjustiz gerade rücken. Mehrere Tausend Menschen werden am Freitag auf einer Solidaritätsveranstaltung für alle Opfer und Betroffenen des Verbrechens in der ostfriesischen Stadt erwartet. „Es soll ein Tag des Zeichens gegen Selbstjustiz und Vorverurteilung werden“, sagte Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) am Mittwoch.

Emden sei nicht die Stadt der Gewalt, sondern der gegenseitigen Hilfe. „Die Emder werden zeigen, dass sie anders sind als ihr Bild in der Öffentlichkeit“, kündigte Bornemann an. Zu der Veranstaltung, die direkt vor dem Rathaus abgehalten wird, riefen Stadtverwaltung, Kirchen, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und Stadtsportbund gemeinsam auf.

Geplant ist den Angaben zufolge eine schlichte und würdevolle Kundgebung, die an die Tragödie erinnern und den Weg zurück in den Alltag weisen soll. „Es ist keine politische Veranstaltung. Das Menschliche steht im Vordergrund“, sagte Bornemann. „Wir sind betroffen. Das wollen wir zeigen“, ergänzte Stadtschülersprecher Leon Lichtenborg.

Lenas Familie begrüße die Aktion ausdrücklich, sagte der reformierte Pastor Manfred Meyer. Er hatte das elfjährige Mädchen beerdigt und steht in engem Kontakt zu den Angehörigen. „Die Familie möchte ins Leben zurück“, sagte er. Zudem erhoffe sie sich eine Perspektive für ihr Leben in Emden und ein „deutliches Nachvorneschauen“. Angedacht sei, dass der Oberbürgermeister im Namen der Familie einige Worte an die Teilnehmer richte.

Lena war am 24. März in einem Emder Parkhaus tot aufgefunden worden. Sie wurde nach Angaben der Polizei Opfer einer Sexualstraftat. Gegen einen 18-jährigen Tatverdächtigen wurde am 1. April Haftbefehl erlassen. Er hat die Tötung gestanden. Zuvor war ein damals 17-Jähriger zu Unrecht beschuldigt worden. Gegen ihn hatte es Lynchaufrufe im Internet und vor dem Polizeirevier gegeben.

Bereits am Donnerstag (12. April) ist an der Grundschule des getöteten Mädchens eine Gedenkveranstaltung geplant. Zum Schulbeginn nach den Osterferien wollen 140 Mitschüler sowie deren Eltern und Lehrkräfte der Viertklässlerin gedenken, die vor den Ferien noch dort zur Schule gegangen war.

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