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Keine Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige

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22.02.2013

Einstimmiger Protest Keine Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige

Arme nicht der „Müllschlucker der Nation.“

Berlin – Einen Proteststurm hat der Vorschlag des CDU-Abgeordneten Hartwig Fischer ausgelöst, Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige zu verteilen. „Auch arme Menschen dürfen nicht zum Müllschlucker der Nation gemacht werden“, sagte die Verbraucherpolitikerin der Linken, Karin Binder, am Freitag im Bundestag. Auch Wohlfahrtsverbände und Verbraucherministerium reagierten mit Skepsis. Auf jeden Fall müsse sichergestellt werden, dass das falsch deklarierte Pferdefleisch nicht auch noch mit Arzneimittel-Rückständen belastet sei.

Der CDU-Politiker Fischer hatte der „Bild“-Zeitung gesagt: „Ich kann nicht ertragen, dass hochwertige Lebensmittel einfach so vernichtet werden. Einwandfreie Produkte, deren Mindesthaltbarkeit noch nicht abgelaufen ist, sollten bedürftigen Bürgern zur Verfügung gestellt werden.“ Allerdings müsse die Ware richtig gekennzeichnet sein. „Wenn auf den Lebensmitteln eindeutig ausgewiesen ist, dass sie Pferdefleisch enthalten, kann jeder entscheiden, ob er das essen will“, meinte Fischer.

Das Bundesverbraucherministerium sieht ebenso wie die Tafeln und andere Hilfsorganisationen die Weitergabe kritisch. „Verkauft oder verschenkt werden dürfen nur Lebensmittel, die von einwandfreier Qualität und Herkunft sowie korrekt gekennzeichnet sind“, erklärte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Ein neues Etikett alleine reiche aber nicht aus. „Der Lebensmittelunternehmer muss auch dafür Sorge tragen, dass der Inhalt einwandfrei ist, nachweislich frei von jedweden Rückständen, und dass in jedem einzelnen Fall lückenlos geklärt ist, woher alle einzelnen Zutaten stammen.“

Erwerbslose kritisieren Fischers Menschenbild

Das Erwerbslosen Forum Deutschland kritisierte das „verquere Menschenbild“, das der CDU-Politiker von armen Menschen habe. „Es scheint ihm auch nichts auszumachen, wenn in Kauf genommen wird, dass unter anderem auch schadstoffhaltiges Fleisch über den Weg der Umetikettierung so nur an bestimmte Personengruppen gelangen soll, sagte Sprecher Martin Behrsing in Bonn.

Christian Bakemeier, Chef der Bahnhofsmissionen, sagte der „Bild“-Zeitung: „Es ist ‚bedürftigen‘ Menschen nicht zuzumuten, sich von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zu ernähren.“ Auch Ralph Allgaier vom Hilfswerk Misereor meinte: „Eine Weitergabe an Bedürftige ist nicht zu verantworten.“ Widerstand gibt es auch im Handel: Die aus dem Verkauf genommene Lasagne werde nicht verschenkt, sondern „umgehend vorschriftsmäßig entsorgt“, erklärte ein Real-Sprecher.

Matthias Gröbner, Sprecher der Tafeln in Sachsen-Anhalt, sagte dem Sender MDR INFO, angeblich seien auch kranke Pferde verarbeitet worden. „Die Tafeln haben die Pflicht, ordnungsgemäße Lebensmittel auszugeben.“ Er würde eine Verteilung ablehnen, sagte Gröbner.

Piraten werfen Fischer Scheinheiligkeit vor

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erklärte, es sage viel über das Menschenbild des CDU-Politikers Fischer aus, dass er die „umetikettierten und gegebenenfalls sogar Schadstoffe enthaltenden Produkte“ gezielt an Bedürftige verteilen wolle. „Zudem wird durch Fischers Positionierung die zu Recht besorgniserregende Intransparenz der verschlungenen und undurchschaubaren Wege der Billig-Inhaltsstoffe vieler Fertiggerichte verharmlost“.

Der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, nannte Fischers Vorschlag „an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten“. Er behaupte, er könne es nicht übers Herz bringen, dass gute Lebensmittel einfach vernichtet werden. „Seit vielen Jahren wird ungefähr die Hälfte aller Lebensmittel, die unsere Gesellschaft produziert, weggeworfen, ohne dass diese verdorben oder nicht für den Verzehr geeignet wären.“

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