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1 Million Kinder leiden unter Sprachstörungen

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31.01.2012

Gesundheit 1 Million Kinder leiden unter Sprachstörungen

Neuer Arztreport – Psychosozial bedingte Krankheitsbilder im Kommen.

Berlin – Jedes dritte Kind im Vorschulalter leidet unter Sprachstörungen. Dies zeigt der neue Arztreport der Barmer-GEK, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Rund 1,1 Millionen Kinder bis 14 Jahren waren demnach 2010 deswegen in Behandlung. Das sind bundesweit 10,3 Prozent aller Kinder. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen, die im Kindergartenalter besser sprechen lernen.

Bei den sechsjährigen Jungen leiden sogar 38 Prozent an einer “Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache”. Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es 30 Prozent. Hintergrund der hohen Störungs-Quote in diesem Alter ist die anstehende Einschulung, vor der Eltern und Kinderärzte besonders auf sprachliche Fähigkeiten achten.

Eine Sprech- oder Sprachstörung wird nicht durch organische oder mentale Störungen verursacht. Sie liegt vor, wenn ein Kind nicht in der Lage ist kurze, vollständige Sätze mit angemessenen Worten zu bilden oder zu verstehen. Seit 2004 hat dieses Krankheitsbild nach Aussage der Wissenschaftler um rund 20 Prozent zugenommen.

Die Ursachen finden sich an unterschiedlichen Stellen. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, führt vor allem “soziale Umstände” an, benennt diese aber nicht genauer.

Der Studie zufolge sind neue Kinderkrankheiten im Kommen. Die “Klassiker” wie Scharlach, Röteln oder Windpocken hat man laut Report im Griff. Dafür machen sich neue, oft psychosozial bedingte Krankheitsbilder unter Deutschlands Kindern breit. Neben den Sprachstörungen gehören dazu auch die unter der Abkürzung ADHS bekannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und die Hautkrankheit Neurodermitis. Dabei fällt auf, dass mittlerweile jeder zehnte neunjährige Junge zum Neurologen oder Psychiater geht. In 60 Prozent der Fälle wird dann die Diagnose ADHS gestellt. Bei den neunjährigen Mädchen sind es sechs Prozent, davon rund 40 Prozent mit ADHS-Diagnose.

Neurodermitis, ein stark juckendes Hautekzem, tritt häufig bei Kindern auf, die auch schon an ADHS leiden. Neurodermitis wird zum Teil durch genetische Veranlagung begünstigt. Der Anstieg von Neurodermitis-Erkrankungen besonders im Kleinkindalter sei jedoch auf Umweltfaktoren zurückzuführen. Die Barriere-Funktion der Haut ist bei Kindern noch nicht vollständig ausgeprägt, sodass Umweltbelastungen zu einer Immunreaktion führen. Auch Atemwegserkrankungen nehmen in Folge von Staubbelastung und Industrie-Emissionen weiter zu.

Besonders im Osten der Republik tritt Neurodermitis gehäuft auf. Spitzenreiter sind Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dort leiden zwischen 16 und 17 Prozent der Kinder an dieser Krankheit. Dies widerspricht der sogenannten “Hygiene-Hypothese”. Diese ging lange Zeit davon aus, dass allergische Erkrankungen aufgrund eines verstärkten Hygienebewusstseins vor allem in den alten Bundesländern vermehrt auftreten. Diese neuen Entwicklungen seien ein Zeichen dafür, dass sich der Stand allergischer Erkrankungen in Ost und West weitgehend angeglichen hat.

Schenkt man der Studie Glauben, steht es um die Kindergesundheit in Deutschland insgesamt jedoch sehr gut. Besonders die sogenannten U-Untersuchungen werden als allgemein erfolgreich eingestuft. Fast alle Kinder in Deutschland nehmen die Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 bis zum Ende des fünften beziehungsweise Anfang des sechsten Lebensjahres in Anspruch. So können viele Probleme schon frühzeitig erkannt werden. Grundlage für den Erfolg sei das strikte Einladungswesen der Krankenkassen. Die meisten Kassen laden Eltern und Kinder persönlich zu den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen ein.

Im Durchschnitt geht dem Arztreport zufolge jeder Deutsche achtmal im Jahr zum Arzt. Die Behandlungsquote ist damit im Vergleich zu 2009 konstant geblieben. 91 Prozent der Versicherten suchten 2010 mindestens einmal einen Arzt auf.

Zur häufigsten Einzeldiagnose schaffte es 2010 der Bluthochdruck. Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass eine Krankheit selten allein kommt. Wer Bluthochdruck hatte, der litt meist auch an einer Fettstoffwechselstörung oder Bluthochdruck.

Grundlage der Studie waren Daten von insgesamt 8,3 Millionen Versicherten der Barmer GEK aus dem Jahr 2010. Diese repräsentieren gut zehn Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Die Daten von mehr als einer Million Kinder flossen in die Untersuchung ein.

Als nächstes legt die Kasse am 24. April den Zahnreport vor. Im Arztreport 2013 soll eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild ADHS erfolgen.

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