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Eine Glaubensfrage namens Tim

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13.01.2012

Tebow Eine Glaubensfrage namens Tim

Broncos-Quarterback Tebow setzt auf Gottes Hilfe – Denver träumt vom Super Bowl.

Hamburg/Denver – Das Heldenkostüm kostet 59,99 Dollar und trägt die Nummer 15 auf Brust und Rücken. Es ist blau, weiß oder orange. Kurz unter dem Kragen prangt eine Verzierung – oder ist es eine Verheißung? „Tebow“. Fünf Buchstaben, die derzeit die USA in Atem halten. Viel mehr als Barack Obama oder Mitt Romney. Tebow ist der Quarterback der Denver Broncos, Tim mit Vornamen, und er ist in den vergangenen Wochen so etwas wie die personifizierte Glaubensfrage geworden.

Es geht im Football, um Touchdowns und Tackles. Vor allem geht es aber auch um Gott. Tebow zelebriert seine Religiosität. Öffentlich. Ungefragt. Zu jeder Zeit. Er betet vor, während und nach dem Spiel. Im Scheinwerferlicht kniet er nieder und bittet um Beistand. „Tebowing“ nennen sie die zum Markenzeichen gewordene Haltung inzwischen. Es ist keine Pose – auch wenn es zuweilen so wirken mag. Tebow glaubt. Öffentlich. Ungefragt. Zu jeder Zeit.

Für christliche Vereinigungen ist er daher ein Held. Für weniger gläubige Beobachter hingegen ein aufdringlicher Missionar mit Helm und Football-Trikot. Derartige Kritik geht jedoch ins Leere. Für Tebow ist sie wohl eher ein Kompliment. Er selbst ist Sohn einer Missionars-Familie. Geboren auf den Philippinen, streng christlich erzogen. Selbst den herkömmlichen Schulunterricht genoss Tebow nie. Mutter Pamela Elaine übernahm die Ausbildung ihrer fünf Kinder in den heimischen vier Wänden. Auf das Gelände der Highschool ging es für den heranwachsenden Tim nur, um Football zu spielen.

Und das konnte er schon immer. Zahlreiche Colleges buhlten um seine Dienste. Tebow schrieb sich schließlich an der University of Florida ein und sollte zum wohl besten College-Quarterback aller Zeiten werden. Zwei Meisterschaften, dazu 2007 die Heismann Trophy für den herausragenden Spieler der Saison. Schon damals war Tebow eine öffentliche Person. Man riss sich um ihn. Er war ein Star. Nur die National Football League (NFL) zögerte. Zweifel an seinem Wurfarm machten die Runde. Die große Profikarriere traute ihm niemand zu.

Doch Tebow glaubte. Wie immer. Die Broncos nahmen ihn am Ende unter Vertrag. Als Ersatzmann. Seine leidenschaftliche Fangemeinde litt deshalb, eineinhalb Jahre lang. Bis sich Head Coach John Fox nach einem schwachen Start in die laufende Saison schließlich erbarmte und Tebow zur Stammkraft machte. 7:1-Siege folgten. Am Ende reichte es für Denvers ersten Einzug in die Play-offs seit 2005. In der Statistik, an die manche Amerikaner glauben wie andere an Gott, waren Tebows Leistungen zwar immer wieder zweifelhaft, der Wurfarm eben – aber er gewann Spiele. Oft in letzter Minute.

Wie auch am vergangenen Wochenende zum Start der Play-offs, als Tebow die hoch favorisierten Pittsburgh Steelers in der Verlängerung mit einem Pass über 80 Yards fast im Alleingang aus dem Wettbewerb warf. In der Nacht zum Sonntag kommt es nun zum Duell bei den New England Patriots. Die Broncos-Fans hoffen auf einen Sieg. Tebow glaubt daran. Und seine Teamkameraden glauben an ihn. Er ist kein überragender Spielmacher, aber hat das, was sie jenseits des Atlantiks „Intangibles“ nennen. Das ist schwierig zu übersetzen, steht in etwa aber für Charisma, Charakter, Chuzpe.

Auf den Tribünen werden am Wochenende wieder viele Trikots mit der Nummer 15 zu sehen sein. Nur das Hemd eines NFL-Profis verkauft sich in den USA derzeit besser: Das von Aaron Rodgers. Der Quarterback gewann mit den Green Bay Packers in der vergangenen Saison den Super Bowl.

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